Seit 2017 geisterte die Idee für den Neubau bei Fiege in den Köpfen, berichtete Felix Fiege, der gemeinsam mit Jens Fiege die Gründerfamilie im Vorstand vertritt. „Seitdem freuen wir uns auf diesen Tag, endlich ist es soweit.“ Bereits seit August sind verschiedene Abteilungen schrittweise ins neue Gebäude eingezogen, in dem Fiege der Ankermieter ist und den Großteil des Gebäudes selbst nutzt. Auf zwei Geschossen sind weitere Mieter eingezogen.
Am Mittwoch erinnerten Felix und Jens Fiege an die etwas komplexen Abläufe, die sich mitten in den Planungen und in der Corona-Krise ergeben hatten. „Und heute freuen wir uns, wenn wir hier in den Neubau gehen und Kolleginnen und Kollegen treffen“, so Felix Fiege. Der Bau sei ein „Riesenmeilenstein“ für das Unternehmen.
Auch wenn Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe mit einem Lächeln den Bau am Stadthafen als „Zentrale der Herzen“ bezeichnete, machte das Unternehmen mit einem Lächeln, aber verbindlich, klar: „Unser Sitz war und bleibt Greven, bei allem Respekt.“ Dabei sei der Standort am Stadthafen sicher für viele Mitarbeiter interessant, die aus Münster und Umgebung kämen, wie Jens Fiege später betonte. Man werde ganz bewusst beide Standorte so öffnen, dass ein ständiger Austausch gewährleistet sei. Auch die beiden Vorstände wollen ihre Arbeit weiterhin auch in Präsenz in Greven ausüben - strategische Entscheidungen würden in Greven fallen, viele vertriebliche Themen und Kundentermine eher in Münster stattfinden.
Im X-Dock, gesprochen „Cross-Dock“, will Fiege Raum für Wachstum schaffen, vor allem für digitale Geschäftsmodelle, für kreative Bereiche. Der Standort Münster werde auch dazu dienen, junge Talente von den Hochschulen an Fiege zu binden, aber auch die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu begestern. „Wir wollten ein Zentrum für Vernetzung und Austausch schaffen. Unsere Teams müssen kreativ arbeiten und dazu auch gerne ins Büro gehen und das ist uns hier wohl gelungen“, so Felix Fiege.
Der Name selbst entstand im Rahmen eines unternehmensweiten Wettbwerbs. Am Ende setzte sich das „X“ durch. Der Buchstabe greift auch die Formensprache des Gebäudes auf, das von oben betrachtet einem X ähnelt. „Kein H wie in Heinz und Hugo Fiege“, wie Felix Fiege mit einem Lächeln betonte.
Interview mit Jens Fiege
Seit zehn Jahren wird das Grevener Familienunternehmen nun von den Cousins Jens und Felix Fiege weitergeführt. Am Mittwoch nutzte Vorgänger Hugo Fiege den Anlass, um der mittlerweile fünften Generation ein Dank auszusprechen. „Bewunderung und Anerkennung“ fühle man beim Blick auf das, was die beiden Cousins mit dem Unternehmen erreicht hätten. Hugo Fiege: „In jeder Generation gab es eine Disruption, durch die Fiege neu erfunden wurde. Vom Pferd zum LKW, vom LKW zur internationalen Spedition, wir selbst haben dann das Unternehmen zum Generalunternehmer verändert und die eigene Flotte abgeschafft.“ Mit Blick auf die Nachfolger formulierte er dann: „Ihr habt Fiege auch neu erfunden, habt das B2C-Geschäft eingerichtet, die Digitalisierung vorangetrieben, dann die Automation. Für Heinz und mich ist es unbegreiflich, was ihr da geschafft habt. Einfach großartig.“
Auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe hatte Freude an der Standortentscheidung der Grevener. „Wir sind glücklich, dass wir Unternehmen wie Fiege haben, auf die wir vertrauen können und die wissen, wie die Region tickt. Weltweit verbunden, aber regional verwurzelt - wir sind froh, dass ihr hier seid“, meinte er mit Blick auf die Familie.
Mahnende Worte mischte er ins Lob. „Die Eröffnung eines solchen Unternehmensstandorts haben wir leider nicht mehr allzu oft, wir stecken in einer Rezession.“ Es müsse erlaubt sein, auch ehrlich anzusprechen, wo die Probleme lägen, so Lewe. „Wir brauchen eine Empfangskultur für mittelständische Unternehmen, eine Entschlackung und Entbürokratisierung. Es braucht Vertrauen in die Unternehmen, nicht Blockierungen durch Regulierung.“
Lewe mahnte auch einen sachlichen Umgang mit dem Thema ausländischer Fachkräfte an. „Sicherheit für qualifizierte Zuwanderung“ sei notwendig, so Lewe. Und ein Investment wie das von Fiege in Münster sei ein Symbol dafür, wie so eine Kultur aussehen könne. Sicherheit verhindere ein Abrutschen in Extremismus. „Wenn wir vernünftig über diese Themen reden, halten wir auch jene in Schach, die wir eigentlich gar nicht wollen.“
Über das Bürogebäude
Insgesamt stehen im Neubau rund 10.500 Quadratmeter Büroföäche zur Verfügung. Die ersten beiden Obergeschosse sind an weitere Unternehmen vermietet. Die restlchen vier Etagen nutzt Fiege selbst, wobei der Standort nun auch dazu dient, verschiedene Mietstandorte in der Stadt Münster an einem zentralen Ort zu bündeln. Neben den Büroräumen verfügt das Gebäude auch über eine Kantine direkt am Hafen, einen Workshop-Bereich, ein Auditorium für Veranstaltungen. Konferenzräume, Parkplätze und E-Ladestationen lassen sich per App buchen. Ein Energieboden sorgt für das Raumklima. Auf einer Dach-Teilfläche wurde eine PV-Anlage montiert, mit der pro Jahr rund 60.000 KWh Solarstrom erzeugt werden können.