Kreis Borken

Azubis aus dem Ausland: „Nicht groß denken, sondern einfach anfangen“

Heek – Wie die Integration junger Arbeitskräfte aus dem Ausland eher nicht gelingt, hat Christian Vitt am eigenen Leib erfahren. Als 21-Jähriger arbeitete der heutige Ausbildungsleiter der 2G Energy AG aus Heek in Irland. Drei Stunden wartete er allein auf dem Flughafen. „Das war ein schlimmes Gefühl“, das ihn aber bis heute prägt. Seit Jahren bildet sein Unternehmen junge Menschen aus Indien und Marokko sowie seit August auch aus Honduras aus. Einen ausländischen Azubi holt Vitt persönlich am Flughafen ab, „das ist mir eine Herzensangelegenheit“. Worauf Betriebe sonst noch achten sollten, wenn sie Auszubildende aus dem Ausland gewinnen, erfolgreich integrieren und langfristig halten wollen, war Thema beim „Impuls am Morgen“ der IHK Nord Westfalen. 20 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Münsterland tauschten sich darüber bei 2G aus.

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Wie drängend das Thema ist, verdeutlichte IHK-Vizepräsident Carsten Sühling. „Immer mehr Unternehmen suchen auch im Ausland nach Auszubildenden, weil sie in Deutschland nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber finden“, erklärte der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Borken und Geschäftsführer der Spaleck GmbH & Co. KG in Bocholt. Dies belege die jüngste IHK-Ausbildungsumfrage: 70 Prozent der Ausbildungsbetriebe, die Stellen nicht besetzen konnten, führen dies darauf zurück, dass die keine geeignete Kandidatin oder keinen geeigneten Kandidaten gefunden hätten. „Die Integration von internationalen Azubis ist daher ein entscheidender Baustein der Fachkräftesicherung.“ 

Sprache ist der Schlüssel

Aus Sicht des 2G-Ausbildungsleiters Vitt entscheidet vor allem die Sprache über den Ausbildungserfolg, „sie ist der Schlüssel.“ Für die Berufsschule reichten Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens“ oft nicht aus. „Wir brauchen mindestens B2, besser C1“, erklärte er. Auch aus diesem Grund seien Kontakte außerhalb des Betriebs wichtig. 2G Energy ermutige die Auszubildenden, sich im Schützenverein, im Sportverein oder in anderen Freizeitgruppen zu engagieren. Ein Unternehmen sei aber kein Elternersatz. „Es geht darum, die jungen Menschen zu begleiten und sie Schritt für Schritt selbstständig werden zu lassen.“ 

Beispiel Hagemeister

Die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration schafft man mit gegenseitiger Offenheit. Diese Erfahrung macht auch Hagemeister in Nottuln bei der Integration von Auszubildenden aus Benin und Honduras, berichtete Personalleiterin Tanja Brandt. Wer sich aufeinander einlasse, merke schnell, wie verbindend gemeinsame Erlebnisse wirken. Fünf Jahre hat Brandt selbst im Ausland gelebt. Aus dieser Zeit wisse sie, wie wichtig Offenheit und gegenseitiges Verständnis seien. Unternehmen, die über internationale Nachwuchskräfte nachdenken, ermutigte sie ausdrücklich: „Man muss sich einfach trauen. Nicht gleich ganz groß denken, sondern einfach anfangen.“ 

IHK-Willkommenslotsen

Unternehmen stünden häufig vor ähnlichen Fragen, stellte Dr. André Böing fest. „Es geht um Visaverfahren, Wohnraumsuche, Sprachförderung, Heimweh und die Integration im Alltag“, berichtete der Willkommenslotse bei der IHK Nord Westfalen. Der Austausch untereinander, so wie in der Reihe „Impulse am Morgen“, helfe, realistische Erwartungen zu entwickeln und typische Stolperfallen zu vermeiden. Das Team der IHK-Willkommenslotsen unterstützt Mitgliedsunternehmen dabei, internationale Auszubildende zu gewinnen und zu integrieren. „Damit leisten wir einen Beitrag zur Fachkräftesicherung“, ergänzte Böing. Die Willkommenslotsen werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. 

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