Wie drängend das Thema ist, verdeutlichte IHK-Vizepräsident Carsten Sühling. „Immer mehr Unternehmen suchen auch im Ausland nach Auszubildenden, weil sie in Deutschland nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber finden“, erklärte der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Borken und Geschäftsführer der Spaleck GmbH & Co. KG in Bocholt. Dies belege die jüngste IHK-Ausbildungsumfrage: 70 Prozent der Ausbildungsbetriebe, die Stellen nicht besetzen konnten, führen dies darauf zurück, dass die keine geeignete Kandidatin oder keinen geeigneten Kandidaten gefunden hätten. „Die Integration von internationalen Azubis ist daher ein entscheidender Baustein der Fachkräftesicherung.“
Sprache ist der Schlüssel
Aus Sicht des 2G-Ausbildungsleiters Vitt entscheidet vor allem die Sprache über den Ausbildungserfolg, „sie ist der Schlüssel.“ Für die Berufsschule reichten Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens“ oft nicht aus. „Wir brauchen mindestens B2, besser C1“, erklärte er. Auch aus diesem Grund seien Kontakte außerhalb des Betriebs wichtig. 2G Energy ermutige die Auszubildenden, sich im Schützenverein, im Sportverein oder in anderen Freizeitgruppen zu engagieren. Ein Unternehmen sei aber kein Elternersatz. „Es geht darum, die jungen Menschen zu begleiten und sie Schritt für Schritt selbstständig werden zu lassen.“
Beispiel Hagemeister
Die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration schafft man mit gegenseitiger Offenheit. Diese Erfahrung macht auch Hagemeister in Nottuln bei der Integration von Auszubildenden aus Benin und Honduras, berichtete Personalleiterin Tanja Brandt. Wer sich aufeinander einlasse, merke schnell, wie verbindend gemeinsame Erlebnisse wirken. Fünf Jahre hat Brandt selbst im Ausland gelebt. Aus dieser Zeit wisse sie, wie wichtig Offenheit und gegenseitiges Verständnis seien. Unternehmen, die über internationale Nachwuchskräfte nachdenken, ermutigte sie ausdrücklich: „Man muss sich einfach trauen. Nicht gleich ganz groß denken, sondern einfach anfangen.“
IHK-Willkommenslotsen
Unternehmen stünden häufig vor ähnlichen Fragen, stellte Dr. André Böing fest. „Es geht um Visaverfahren, Wohnraumsuche, Sprachförderung, Heimweh und die Integration im Alltag“, berichtete der Willkommenslotse bei der IHK Nord Westfalen. Der Austausch untereinander, so wie in der Reihe „Impulse am Morgen“, helfe, realistische Erwartungen zu entwickeln und typische Stolperfallen zu vermeiden. Das Team der IHK-Willkommenslotsen unterstützt Mitgliedsunternehmen dabei, internationale Auszubildende zu gewinnen und zu integrieren. „Damit leisten wir einen Beitrag zur Fachkräftesicherung“, ergänzte Böing. Die Willkommenslotsen werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.