Kreis Borken

Studierende lösen bei der Pieron GmbH reale Industrieprobleme

Bocholt - Fachkräfte gewinnen, Prozesse verbessern, neue Perspektiven ins Unternehmen holen – Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschule bieten enormes Potenzial. Wie eine solche Kooperation konkret aussehen kann, zeigt ein Techathon bei der der Bocholter Pieron GmbH.

Thomas Melchert (rechts) hat mit Studierenden Prozesse in der Federn-Produktion optimiert und erläutert sie hier gemeinsam mit PIERON-Geschäftsführer Christian Fehler (links) und dem Geschäftsführer der Fördergesellschaft, Dr. Fabian Schleithoff. Foto: WH-Fördergesellschaft

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Techathon heißt: eine Woche Zeit, ein reales Problem und ein interdisziplinäres Team, hier aus den Fachrichtungen Bionik, Mechatronik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Aufgabe: Spannringe sollten aus einem Vibrationswendelförderer vereinzelt über ein Förderband einem Kamerasystem zugeführt werden. Nach Vor-Ort-Analyse, Konzeption und Prototyping stand die Lösung: ein Drehkreuz-Separator, der den Ausschuss um 25 Prozent senkte. „Ein starkes Ergebnis mit überschaubarem Aufwand – und gleichzeitig direktem Kontakt zu potenziellem Nachwuchs“, so Pieron-Geschäftsführer Christian Fehler, der von Haus aus Ingenieur ist.
 
Ein Schlüsselakteur dieses Projekts sei Thomas Melchert, wie es in einer Mitteilung der IHK heißt. Der ausgebildete Elektromaschinenbauer entschied sich mit 35 Jahren noch einmal für ein Studium. Aus reinem Interesse, wenn auch ohne klares Berufsziel, wählte der Krefelder den WH-Studiengang Bionik und kam so nach Bocholt. Durch seine Bachelorarbeit knüpfte er den Kontakt zu Pieron; er schrieb sie über Verschleißerscheinungen in einer Produktionsmaschine für Federn. „Rückblickend war das die beste berufliche Entscheidung“, sagt er heute. Seine duale Berufsausbildung erwies sich dabei als Vorteil: wenig Berührungsängste mit der industriellen Praxis, ein gutes Verständnis für Abläufe in der Produktion. Beim Techathon nahm er als Alumni des Bionik-Studiengangs und Beschäftigter der Firma dann auch eine Doppelrolle ein. Wie er fanden übrigens elf Absolventinnen und Absolventen der WH eine Anstellung beim Bocholter Federn-Hersteller.

Mehrwert

Nicht nur als unmittelbare Talentschmiede für die hiesige Wirtschaft sieht Christian Fehler einen großen Mehrwert in solchen Kooperationen: „Im Tagesgeschäft fehlt oft die Zeit, Probleme systematisch aufzuarbeiten. Die Hochschule bringt genau diese Struktur, Methodik und Grundlagenforschung ins Unternehmen.“ Gerade in einem internationalen Wettbewerbsumfeld sei das entscheidend. Pieron entwickelt nicht nur einzelne Bauteile, sondern komplett automatisierbare Prozesse – etwa für hochsensible Anwendungen in der E-Mobilität. „Der eigentliche Mehrwert – und auch Vorteil, den wir noch aufstrebenden Staaten wie China und Indien überhaupt noch entgegensetzen können – entsteht in der Welt rund um das Produkt“, sagt der Geschäftsführer. Kooperationen mit der Hochschule helfen, diesen Vorsprung zu sichern.
 
Eine zentrale Rolle bei dieser Brückenfunktion zwischen Wirtschaft und Hochschule spiele die Fördergesellschaft der Westfälischen Hochschule, die auch die Stelle des TechProviders finanziell unterstützt, wie es weiter heißt. Geschäftsführer Dr. Fabian Schleithoff, im Hauptamt IHK-Standortleiter in Bocholt, versteht sie als niederschwellige Netzwerkplattform: „Wir bringen Unternehmen und Hochschule zusammen, lösen Aha-Erlebnisse aus und zeigen, welche Fragen sich gemeinsam bearbeiten lassen.“ Über 200 Mitgliedsunternehmen profitieren vom Erfahrungsaustausch, Best Practices und konkreten Kontaktformaten wie dem Techathon. Besonders wertvoll sei dabei der unverstellte Blick der Studierenden: „Sie gehen an Aufgaben heran, ohne betriebsblind zu sein – mit methodischem Handwerkszeug aus der Hochschule, aber offen für neue Wege.“ Nicht zuletzt unterstützt die Fördergesellschaft die Hochschule aber auch finanziell – und zwar jährlich mit rund 100.000 Euro, etwa für Stiftungsprofessuren, Veranstaltungen und Stipendien.
 
Für die Hochschule sind Kooperationen ein zentraler Baustein, um praxisnah auszubilden und Fachkräfte für die Region zu sichern. Für Unternehmen eröffnen sie neue Lösungswege, Zugang zu Talenten und frische Impulse. „Man muss einfach teilnehmen, um zu sehen, was möglich ist“, ruft Christian Fehler, der sich auch ehrenamtlich als 2. Vorsitzender in der Fördergesellschaft engagiert, weitere Firmen zum Mitmachen auf. Der Techathon in seinem Unternehmen zeigt: Der Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Lehre ist kein abstraktes Konzept – sondern ein konkreter Wettbewerbsvorteil.


 

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