Sparkasse Münsterland-Ost kündigt Negativzinsen an

Münster/Kreis Warendorf – Die Sparkasse Münsterland-Ost hat Bilanz für das Geschäftsjahr 2020 gezogen. Das Kundengeschäftsvolumen wuchs auf 17,9 Milliarden Euro (Vorjahr 17 Milliarden Euro). Die Bilanzsumme stieg um 1,6 Milliarden Euro auf rund 11,4 Milliarden Euro (plus 16,8 Prozent). Der Jahresüberschuss belief sich auf 15 Millionen Euro (Vorjahr: 17,1 Millionen Euro). Angesichts der anhaltenden Null- und Negativzinsphase sank der Zinsüberschuss 2020 um 10,7 Millionen Euro (6,4 Prozent) auf 157,6 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund kündigte die Bank nun auch Negativzinsen für einige Neukunden an.

Der Trend der Sparer, immer mehr Geld auf unverzinsten Giro-, Tagesgeld- und Sparbuchkonten zu parken, setzte sich auch im vergangenen Jahr fort. So stieg der Bestand an Kundeneinlagen 2020 um rund 700 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro (plus 9,5 Prozent). „Doch dieses starke Wachstum ist in doppelter Hinsicht für uns kein Grund zur Freude: Für unsere Kundinnen und Kunden sind mit diesen zinslosen Einlagen allein schon inflationsbedingt Vermögensverluste vorprogrammiert. Und auch für die Sparkasse sind diese Gelder angesichts der von der EZB veranschlagten Negativzinsen längst keine Einnahmequelle mehr, sondern ein Kostenfaktor“, erläuterte Vorstandsmitglied Peter Scholz. Kredite würden nicht in gleicher Höhe nachgefragt und die Freibeträge für Einlagen bei der EZB seien ausgeschöpft, sodass auch für die Sparkasse Verwahrentgelte fällig würden. „Dennoch wollen wir unsere Normalsparerinnen und -Sparer vor Negativzinsen bewahren. Das gelingt uns aber nur, wenn wir dem steigenden Zufluss von Neugeldern aus Kreditinstituten in der Region entgegenwirken, die Verwahrentgelte berechnen“, so Scholz.

Wenn künftig Neukunden ihre gesamte Bankverbindung zur Sparkasse verlagern möchten, erhalten sie Freibeträge ab 25.000 Euro, die je nach Art der gewünschten Anlageformen auch erweitert werden können. Wer lediglich Gelder auf einem Tagesgeldkonto parken möchte, bei dem berechnet die Sparkasse ab dem ersten Euro den Zinssatz, den die Bank auch bei der EZB für ihre Einlagen bezahlen muss: das sind aktuell 0,5 Prozent. „Mit einem kleinen Teil unserer Bestandskundschaft, der über liquide Mittel im hohen sechsstelligen Bereich verfügt, werden wir über Verwahrentgelte mit einem Freibetrag von 100.000 Euro sprechen“, kündigte Scholz an. Auch für Kontoneueröffnungen der Bestandskunden gelte künftig dieser hohe Freibetrag. „Damit bleiben rund 99 Prozent unserer Privatkunden weiterhin von Negativzinsen verschont. Das ist uns mit Blick auf das Gros der Normalsparerinnen und –Sparer besonders wichtig“, unterstrich Scholz.

Angesichts der anhaltend schwierigen Zinslage rät die Sparkasse ihren Kunden, neue Anlageformen in den Blick zu nehmen. „Wer heute einen Vermögens-Erhalt oder -Zuwachs erreichen will, schafft das schon lange nicht mehr mit einem Sparbuch. Deshalb sehen wir eine wichtige Aufgabe darin, unsere Kundinnen und Kunden weiterhin über Anlageformen zu informieren und ihnen Wege zu zeigen, wie man der Inflationsfalle entkommen und schleichende Vermögensverluste vermeiden kann“, so Scholz. Die zunehmende Bereitschaft zu alternativen Sparformen zeigte sich auch in 2020: Der Bestand im Wertpapiergeschäft wuchs um 8,1 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

Kredite waren 2020 vor allem für private Immobilienfinanzierungen gefragt. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet das Kreditgeschäft ein Plus von 4,5 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Der Firmenkundenbereich war neben einem weiterhin lebhaften Immobiliengeschäft insbesondere von der Unterstützung kleinerer und mittelständischer Unternehmen in der Corona-Krise geprägt. Bis Anfang des Jahres 2021 vergab die Sparkasse Corona-Förderkredite in einer Gesamthöhe von über 80 Millionen Euro. „Vor allem in den vom Lockdown am stärksten betroffenen Bereichen Gastronomie, Einzelhandel, Hotel-, Reise- und Veranstaltungsgewerbe konnten wir viele Kunden schnell und unkompliziert mit liquiden Mitteln versorgen“, erklärt Sparkassen-Vorstand Klaus Richter. Aufgrund der Unsicherheiten wegen der noch nicht absehbaren Folgen der Pandemie sei der Bedarf nach Investitionen wie Fahrzeugen, Maschinen oder Inventar aktuell auf einem deutlich verhaltenen Niveau. „Wann sich das wieder normalisieren wird, lässt sich im Moment schwer einschätzen. Alle Kundinnen und Kunden stehen aber in den Startlöchern, um möglichst schnell wieder ihre geschäftlichen Aktivitäten zu intensivieren“, so Richter weiter.

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