Industrie 4.0: So kann's gehen! (Beispiel Blumenbecker Gruppe)

Auch die Blumenbecker-Produktion wird immer digitaler, zum Beispiel beim Schaltschrankbau. (Foto: Blumenbecker)Warendorf
Auch die Blumenbecker-Produktion wird immer digitaler, zum Beispiel beim Schaltschrankbau. (Foto: Blumenbecker)

Beckum - Arbeitszeit optimal nutzen, Ressourcen schonen und damit die Produktionskosten möglichst gering halten – das ist bei dem Industriedienstleister Blumenbecker aus Beckum die Devise, wenn es um die Digitalisierung geht. „Der Nutzen steht für uns im Vordergrund und nicht der Versuch, unser Unternehmen besonders hip und cool zu machen. Schließlich gibt es keinen besseren Weg als die Digitalisierung, um schneller und sicherer zu produzieren. Das kommt letztendlich auch unseren Kunden zugute“, stellt Ralph Mayer, Leiter Kommunikation bei der Blumenbecker Gruppe, klar.

Von den drei Kompetenzfeldern der Blumenbecker Gruppe – Industrie-Automation, Industrie-Handel und Industrie-Service – hat das Unternehmen in dem Geschäftsbereich Automatisierungstechnik den Produktionsprozess digitalisiert. Ziel ist es, Papierdokumente aus dem gesamten Workflow – angefangen beim Angebot per E-Mail über die Lieferantenrechnung bis zur Konstruktionszeichnungen – durch digitale Lösungen zu ersetzen. Zu 80 Prozent ist das bereits gelungen. Zum Beispiel bei der Produktion von Schaltschränken für die Maschinensteuerung. Für die Montage bekamen die Blumenbecker-Fertigungsmitarbeiter bisher Stücklisten, Aufbaupläne und Verdrahtungslisten auf Papier, meterlang, zentimeterdick und unhandlich. Hinzu kam: Die Komponenten, die die Mitarbeiter für die jeweiligen Aufträge benötigen, kommen von unterschiedlichen Herstellern und Warenlieferungen in Großgebinden bei Blumenbecker an. „Die Kolleginnen und Kollegen mussten sich die passenden Teile zunächst zusammenstellen, bevor sie mit dem Aufbau beginnen konnten. Das kostete viel Zeit“, blickt Mayer zurück.

Heute hat Blumenbecker sämtliche Bauteile mit QR-Codes versehen. Alle Komponenten, die bei dem Unternehmen angeliefert werden, erhalten am Vorsortierplatz eine digitale Kennung, mit der alle technischen Informationen verbunden sind, sodass genau zugeordnet werden kann, wofür und an welcher Stelle sie eingesetzt werden sollen. „Diese Etikettierung und Vorkommissionierung spart am Ende kostbare Zeit für die Fertigungsmitarbeiter, die für das Verdrahten des Schaltschrankes zuständig sind“, erläutert Mayer die Vorteile dieses digitalisierten Prozesses.

Auf diese Weise bekommt der Mitarbeiter passend zu seinem Auftrag einen Collie mit allen relevanten Komponenten. Scannt er den QR-Code der Bauteile, wird ihm am Bildschirm an seinem Arbeitsplatz neben der CAD-Zeichnung und Auftragsinformationen auch interaktiv angezeigt, an welcher Stelle und in welcher Reihenfolge die jeweiligen Komponenten im Schaltschrank eingebaut werden müssen. „Eine Anleitung auf Papier ist damit nicht mehr nötig und Konstruktionsfehler lassen sich ebenfalls reduzieren“, erklärt Mayer. Darüber hinaus können kurzfristige Änderungswünsche des Kunden einfacher eingearbeitet werden. „Dazu reicht eine kurze Info in den hinterlegten Daten, sodass alle am Konstruktionsprozess beteiligten Mitarbeiter sofort im Bilde sind und der Stromlaufplan automatisch aktualisiert wird. Früher mussten die Pläne aufwendig per Hand geändert oder neu gedruckt werden. Der Papierverbrauch war enorm hoch – das ist heute anders“, freut sich der Kommunikationsleiter.

Das digitale System bringt aber auch eine große Arbeitserleichterung, die sich ebenfalls auf den Kunden überträgt: Ist ein Teil im Schaltschrank defekt, kann er anhand des QR-Codes die technischen Daten abrufen und es ohne lange Recherche online nachbestellen. 

Die Software an den Arbeitsplätzen bei Blumenbecker und die entsprechende App zur digitalen Anlagendokumentation für mobile Endgeräte hat das Beckumer Unternehmen selbst entwickelt. Dafür hat Blumenbecker eine eigene Gesellschaft gegründet: b_digital. „Schließlich wissen unsere Mitarbeiter am besten, wo noch Verbesserungspotenzial im Arbeitsprozess schlummert“, betont Mayer.

Auf diese Weise ist auch ein Pilotprojekt für den Flughafen Leipzig angelaufen. Dort übernimmt eine Lösung von Blumenbecker die Ortung der Fracht- und Gepäckanhänger, mit denen Koffer oder Ware zwischen Flugzeug und Flughafengebäude transportiert werden – sogenannte Dollies. „Wenn die Dollies leer sind, werden sie abgestellt – und zwar willkürlich gerade dort, wo sie zum letzten Mal benutzt wurden. Schließlich zählt bei der Flugzeugabfertigung jede Minute. Für Flughafenbetreiber ist es allerdings jedes Mal sehr mühsam, alle Dollies für eine Wartung zusammenzusuchen“, erläutert Mayer die Problemstellung. Mit dem Ortungssystem von Blumenbecker kann der Dolly mit einem Sensor ausgestattet werden, sodass er jederzeit geortet werden kann. Das System sendet aber auch Infos zum Zustand des Dollys, also ob er defekt ist, ob er beladen ist oder nicht. Für das Projekt hat das Unternehmen Fördermittel bekommen.

Darüber hinaus hat Blumenbecker aktuell ein Instandhaltungsportal gelauncht. Auf der Online-Plattform werden dem Kunden sämtliche Prüfzeugnisse seiner Serviceobjekte wie Kran- und Toranlagen oder elektrische Maschinen und Geräte digital hinterlegt. Eine Ampel zeigt für jedes Objekt an, wann die nächs-te Prüfung fällig ist oder wo es Beanstandungen gab. „Damit haben unsere Kunden und wir stets alle Objekte und ihre Wartungsstände im Blick. Auch Reparaturen können kurzerhand über das System beauftragt werden. Das hilft, mögliche Ausfallzeiten zu reduzieren. Zudem entfällt wieder jede Menge Papierkram“, erklärt Mayer.

Weitere Interessante
Artikel

Münster – Dr. Robert Zeidler ist zum Vorstandsvertreter der Sparkasse Münsterland Ost ernannt worden. Der Verwaltungsrat des Kreditinstituts hatte dem 45-Jährigen sein Vertrauen ausgesprochen und den…

Jetzt lesen

Sassenberg – Der technotrans-Konzern mit Hauptsitz in Sassenberg hat das erste Halbjahr 2022 mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebniswachstum abgeschlossen. Der Konzernumsatz belief sich auf 113,9…

Jetzt lesen

Bocholt – Dr. Magnus Ekerot, derzeit Senior Vice President bei Bosch Security and Safety Systems, wechselt als CEO und Vorsitzender des Vorstands zum Telekommunikationshersteller Gigaset in Bocholt.…

Jetzt lesen