Agravis: Geschäftsjahr 2020 „alles in allem zufriedenstellend“

Münster
Am Schiffsanleger neben dem genossenschaftlichen Futtermittelwerk in Münster illustrierten der Agravis-Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler (rechts) sowie die Vorstandsmitglieder Johannes Schulte-Althoff (Zweiter von rechts), Jörg Sudhoff (Zweiter von links) und Hermann Hesseler wesentliche Kennzahlen zum Agravis-Geschäftsjahr 2020. Foto: Agravis

Die Agravis Raiffeisen AG hat das Geschäftsjahr 2020 „alles in allem zufriedenstellend“ abgeschlossen. Dieses Fazit zog Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff bei der digitalen Pressekonferenz des Münsteraner Konzerns.

Agravis verzeichnete 2020 einen leichten Umsatzrückgang von 6,45 Milliarden Euro auf 6,39 Milliarden Euro, erzielte aber nach dem Minus im Vorjahr infolge einer Kartellstrafe (-20,5 Millionen Euro) nun ein Ergebnis vor Steuern von 30,5 Millionen Euro.

„Unsere Geschäftsentwicklung war im vergangenen Jahr stark von der Witterung sowie von der Vogelgrippe und der Afrikanischen Schweinepest geprägt. Auch die Corona-Pandemie hat uns kein einfaches Umfeld beschert. Trotzdem bewegen wir uns umsatzmäßig auf Vorjahresniveau. Das zeigt, wie robust Agravis ist“, erläuterte Schulte-Althoff. Das spiegele sich auch am positiven Ergebnis vor Steuern wider. „Es zeigt mit 30,5 Millionen Euro, dass wir – wie im vergangenen Jahr bereits angekündigt – die Einmal-Belastungen verarbeitet und 2020 positiv auf dem Niveau 2017 und 2018 abschließen konnten“, ergänzte der Finanzvorstand. Das Eigenkapital wuchs 2020 auf 578 Millionen Euro (Vorjahr: 543,5 Millionen Euro). Die Eigenkapitalquote steigerte sich damit um über zwei Prozentpunkte von 27,4 auf 29,6 Prozent. „Wir sind dem langfristigen Ziel einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent sehr nahegekommen“, freute sich Schulte-Althoff.

Die Geschäftsfelder von Agravis entwickelten sich allerdings unterschiedlich. Im Segment „Pflanzen“ (Pflanzenschutz, Düngemittel, Saatgut, Pflanzenbau-Vertriebsberatung, Agrarerzeugnisse) ging der Umsatz mit 2,68 Milliarden Euro um 0,3 Prozent zurück. Grund dafür war „das sehr trockene erste Halbjahr und die strengeren Vorgaben der Düngeverordnung sowie die witterungsbedingt geringere Erfassung von Getreide und Ölsaaten vor allem im Osten unseres Arbeitsgebietes“, wie der Finanzvorstand erklärte.

Leicht gestiegen ist hingegen der Umsatz im Bereich „Tiere“ (Mischfutter, Spezialfutter, Tiergesundheit): um 0,2 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro. Während es beim Schweinefutter durch sinkende Tierbestände aufgrund der Afrikanischen Schweinepest und der Preisentwicklung sowie beim Rinderfutter durch den niedrigen Milchpreis Absatzrückgänge gab (minus 4,1 und minus 3,6 Prozent), glichen ein höherer Absatz beim Mineralfutter sowie bei Haustier- und Kleintierprodukten diese Entwicklung wieder aus.

Ein deutlicheres Plus verzeichnete Agravis im Segment „Technik“. Der Produktumsatz stieg im Vergleich zu 2019 um 12,1 Prozent auf 973 Millionen Euro. „Das ist ein Rekordumsatz“, freute sich Schulte-Althoff. Dabei habe vor allem das Neumaschinengeschäft mit Schleppern deutlich angezogen. „In den landwirtschaftlichen Betrieben gab es einen erheblichen Investitionsstau durch die zuletzt trockenen Jahre. 2020 wurde das wieder aufgeholt“, erläuterte der Finanzvorstand. Das After-Sales-Geschäft, also das Ersatzteilgeschäft, lag ebenfalls deutlich über dem Vorjahr. „Die Werkstätten waren gut ausgelastet und auch der Onlineshop ATStore24, in dem über sieben Millionen Ersatzteile bestellbar sind, ging erfolgreich ans Netz“, erklärte Schulte-Althoff.

Ebenfalls deutlich erhöhte sich der Umsatz im Bereich „Märkte“: plus 19,4 Prozent auf 350 Millionen Euro. Wachstumstreiber war dabei unter anderem das Onlinegeschäft auf raiffeisenmarkt.de infolge der Corona-Pandemie.

Stark gesunken ist hingegen der Produktumsatz im Bereich „Energie“: um 16,2 Prozent auf rund 1,05 Milliarden Euro. „Ursachen dafür waren vor allem der Preisverfall an den Rohölmärkten sowie ein rückläufiger Kraftstoffabsatz durch den Lockdown“, erläuterte Schulte-Althoff.

Agravis investierte im vergangenen Jahr rund 46,7 Millionen Euro, unter anderem in die in digitale Infrastruktur. Eines der größten Projekte war die Einführung eines einheitlichen ERP-Systems für den Konzern. „Die Digitalisierung ist für Agravis, aber auch für den genossenschaftlichen Verbund und die Landwirtschaft ein großes Thema. Wir sehen uns als Digitalisierungstreiber. Wir haben den Anspruch, die Digitalisierung praxisgerecht und mit Augenmaß, aber auch mit dem Blick auf das wirtschaftlich Machbare weiter voranzutreiben. Deshalb werden wir 2021 ebenfalls in die Digitalisierung investieren“, kündigte Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Köckler an. So sollen elf Millionen Euro des geplanten Investitionsvolumens von 58,3 Millionen Euro im neuen Geschäftsjahr in die Digitalisierungsprojekte und Prozessverbesserungen fließen.

Auf das laufende Geschäftsjahr blickte der Agravis-Vorstand optimistisch: „Wir rechnen für 2021 weiter damit, unser Geschäft robust zu halten. Beim Umsatz gehen wir von 6,2 Milliarden Euro aus, wobei diese Einschätzung auf der Marktlage von Oktober 2020 getroffen wurde. Angesichts der aktuellen Preiserhöhung für Getreide, Öl und Dünger wäre ein erneuter Umsatz von 6,4 Milliarden Euro realistischer. Beim Ergebnis vor Steuern streben wir einen ähnlichen Wert wie 2020 an“, erklärte Schulte-Althoff.

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