Im Rahmen des Strategieprozesses hat die Volksbank Westmünsterland in den vergangenen Monaten ihre Ziele noch einmal stärker in den Fokus gerückt: Kundennähe und Marktorientierung sollen noch stärker im Mittelpunkt der Organisation und Entscheidungsprozesse stellen, so heißt es bei der Volksbank.
Teil dieses Prozesses wird der Wechsel an der Spitze sein: Matthias Entrup wird zum 1. Juli 2026 neuer Vorstandsvorsitzender der Volksbank Westmünsterland. Dr. Carsten Düerkop hatte den Aufsichtsrat im Rahmen einer frühzeitigen Nachfolgeregelung darum gebeten, ihn bereits zur Jahresmitte von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zu entbinden. Der Aufsichtsrat sei diesem Wunsch gefolgt, so die Bank.
„Mit dieser Aufstellung übersetzen wir unsere strategische Ausrichtung konsequent in unsere Organisation und stärken zugleich unsere Wettbewerbsfähigkeit sowie die Nähe zu unseren Mitgliedern, Kundinnen und Kunden“, erklärte Entrup. Der zukünftige Dreier-Vorstand besteht ab dem 1. Juli 2026 aus Matthias Entrup (Vorstandsvorsitzender), Dr. Carsten Düerkop und Henning Henke.
Die Volksbank Westmünsterland verzeichnet für das vergangene Geschäftsjahr nach eigenen Angaben eine stabile Entwicklung. In einem Marktumfeld, das von konjunktureller Unsicherheit, regulatorischen Anforderungen und zurückhaltenden Investitionen geprägt sei, habe sich das Institut als regional verwurzelte Genossenschaftsbank positioniert. „Die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd – umso wichtiger ist es, dass wir als verlässlicher Partner an der Seite unserer rund 70.000 Mitglieder, Kundinnen und Kunden stehen“, betonte der Vorstandsvorsitzende Duerkop am Dienstagabend in der Borkener Stadthalle vor den Vertreterinnen und Vertretern.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen untermauerten diese Entwicklung: Die Bilanzsumme liege bei rund 5,16 Milliarden Euro, während das betreute Kundengeschäftsvolumen ein Volumen von 11,1 Milliarden Euro erreicht habe. Das Betriebsergebnis bewegt sich mit 50,8 Millionen Euro auf einem soliden Niveau. Von dieser Entwicklung profitieren auch die mittlerweile 70.700 Mitglieder der Bank.
Die Vertreterversammlung beschloss eine Basisdividende von 2,75 Prozent zuzüglich einer Bonusdividende von 3,25 Prozent auf ein Geschäftsguthaben von bis zu 2.500 Euro. Das genossenschaftliche Modell mit Ausrichtung auf Mitbestimmung und Teilhabe bilde weiterhin das Fundament des Handelns.
Investitionen in Personal und Infrastruktur
Auch als Arbeitgeber will sich die Bank neu ausrichten. Moderne Arbeitsbedingungen und flexible Modelle sowie gezielte Weiterentwicklungsmöglichkeiten sollen die Attraktivität des Instituts auf dem Arbeitsmarkt stärken. Darüber hinaus investiert die Bank in die regionale Infrastruktur. Das Ziel sei es, Beratungs- und Serviceangebote mit persönlicher Nähe zu verbinden und gleichzeitig neue Nutzungskonzepte an den Standorten zu schaffen.
Im Firmenkundengeschäft sorgten laut Duerkop vor allem Investitionen in Zukunftsfelder wie erneuerbare Energien für Impulse. Im Privatkundengeschäft zeigte sich insbesondere bei Modernisierungs- und Sanierungsvorhaben eine Belebung, was zu einem stabilen Kreditgeschäft trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen beitrug. Der klassische Wohnungsneubau bleibt hingegen aufgrund hoher Kosten und umfangreicher regulatorischer Anforderungen weiterhin rückläufig. Über beide Kundensegmente hinweg zeigte sich eine insgesamt stabile Entwicklung, wie es bei der Bank heißt.
Im Anschluss an die Vertreterversammlung fand mit „BANKLIVE 2026“ erneut ein besonderes Dialogformat der Volksbank statt. Unter dem Titel „Regionale Identität und globale Verantwortung – wie viel Heimat braucht die Zukunft?“ diskutierten die renommierten Speaker Nikolaus Blome und Jakob Augstein vor zahlreichen Gästen über gesellschaftliche Entwicklungen, politische Verantwortung sowie die Bedeutung regionaler Verwurzelung in einer zunehmend globalisierten Welt.
Augstein und Blome gingen in ihrem Streitgespräch das Thema Heimat an - wobei Blome vor allem die Rolle der Wirtschaft hervorhob. Wirtschaft müsse wachsen, um Menschen zu integrieren, sagte er. „Integration gelingt nur durch Arbeit. Im Grunde hat alles, was man braucht, mit Wirtschaft zu tun.“
Augstein wiederum sah die Realität etwas pessimistischer. Wachstum allein werde nicht dabei helfen, weil echte, tiefgreifende Reformen längst nicht mehr politisch durchsetzbar seien. Das spiele Rechtspopulisten in die Karten, die realen Problemen mit einer „anderen Währung" bedienten: Ressentiments, Identität - hier komme der Heimat-Begriff unter die Räder, so Augstein nüchtern. „Populisten füllen Leere durch Parolen, durch einfache, emotionale Ideen."