Bei der Bilanzpressekonferenz der Volksbank im Münsterland mischte sich Positives mit Schwierigem. Angesichts einer schwachen Konjunktur, zunehmender Belastung und Investionsbedarfe sowie einer umfassenden Regulatorik sieht sich das Bankunternehmen in einem herausfordernden Umfeld. „Wir sehen nicht viel Licht für das kommende Geschäftsjahr“, merkte Vorstandsmitglied Friedhelm Beuse an. Die Herausforderungen blieben, zumal die Immobilienkrise und der komplexe Wohnungsmarkt 2023 durchaus „tiefe Spuren“ hinterlassen hätten.
Dennoch: Die Zahlen, die die Volksbank vorlegte, fielen in diesem Kontext eben doch besser als vermutet aus. Die wichtigsten Kennzahlen:
- Die Bilanzsumme kletterte zum 2,7 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro (Vorjahr 7,3 Milliarden Euro). Mit dem „moderaten Wachstum“ (Beuse) setze die Bank ihren Wachstumskurs seit 2018 fort.
- Bankeinlagen: Das Kundenvermögen stieg um 5,6 Prozent auf nun rund 9,6 Milliarden Euro. Das Wachstum betraf sowohl die Anlagen der Verbundpartner wie auch die der direkten Kunden.
- Trotz der Diskussionen um Kreditvergabe verzeichnete die Volksbank im Münsterland einen „moderaten Anstieg“ beim Kreditvolumen um 1,2 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro. Getragen worden sei diese Entwicklung vor allem vom „robusten Firmenkundengeschäft“, wie es in der Bilanzpressekonferenz hieß.
- Mit einem Höchswert von rund 17 Milliarden Euro beim Kundengeschäftsvolumen fiel die Entwicklung zwar positiv aus (plus 5,6 Prozent), sei aber dennoch etwas unter den eigenen Erwartungen geblieben.
Als „sehr tolle Entwicklung“ bezeichnete Vorstandsmitglied Dietmar Dertwinkel die Ergebnisse der Zinswende. Der Zinsüberschuss wuchs im Vorjahresvergleich um immerhin 47,8 Prozent auf nun 152,8 Millionen Euro (Vorjahr 103,4 Millonen Euro). Man habe hier ein „glückliches Händchen“ gehabt und sei direkt in die Zinssteigerungsphase hineingelaufen, wie Dertwinkel anmerkte. Grundsätzlich hatte in den vergangenen Jahren die Null-Zins-Politiik der EZB „Spuren hinterlassen, doch wir kehren jetzt zu einer Normalität zurück“, so Dertwinkel. Für die kommenden Monate rechne die Volksbank mit einem leicht rückläufigen Zins.
Mit dem Plus von 8 Prozent bei den Verwaltungsaufwänden, verursacht durch Inflationsausgleichszahlungen oder Tarifanpassungen, könne man insgesamt „zufrieden“ sein, wie Dertwinkel wertete. Das insgesamt stabile Ergebnis der Bank sowie das deutliche Plus beim Betriebsergebnis (hier gab es ein Plus von 75,8 Prozent auf 93 Millionen Euro) ermögliche es nun, die eigenen Anteilseigner profitieren zu lassen. „Wir verdoppeln die Dividende von 2 Prozent auf 4 Prozent. Das ist zwar etwas über dem Kapitalmarkt, aber unsere Mitglieder sollen auch vom Ergebnis der Bank profitieren.“
Mit einer Kapitalstärke von 735 Millionen Euro stehe die Bank gut da, auch die Gesamtkapitalquote habe den Zielwert von 15 Prozent erreicht.
„Im Kern eine gesunde Bank“
Die Volksbank sei im „Kern eine gesunde Bank“, betonte Dertwinkel. Mit dem „stetigen organischen Wachstum“ sieht sich die Volksbank im Münsterland nun auch gut vorbereitet auf das Finale des geplanten Zusammenschlusses. Dieser Prozess gehe nun auf die Zielgeraden, rund 71 Prozent der notwendigen Arbeiten sei erledigt, betonte Dertwinkel.
Er warb noch einmal für die geplante Fusion, über die im Juni die Vertreterversammlung entscheiden soll. Das Ziel bleibe weiterhin der 9. September als offiziellem Stichtag. Mit einer Bilanzsumme von dann 10,5 Milliarden Euro werde die Volksbank im Münster die achtgrößte regionale Volksbank-/Raiffeisenbank Deutschlands.
Dertwinkel betonte, dass Größe wichtig sei, um den Herausforderungen (auch auf Kundenseite) gewachsen zu sein. „Größte bringt Stabiität“, sagte er und verwies auch auf die Marktsituation der Banken im Land, in der Fusionen das Mittel der Wahl seien.
„Sind wir noch eine Regionalbank? Ja, sogar mehr als früher“, so Dertwinkel. „Aber Regionalität muss man sich auch leisten können. Das ist in der neuen Form viel leichter.“ Dertwinkel betonte, dass im Zuge der Fusion vorerst keine Filialen geschlossen würden. Allerdings stehe das Filialnetz ohnehin unter ständiger Neubewertung. „Wir bündeln aber nichts, wir wollen in der Fläche bestehen bleiben.“ Mit 14 Kompezenzcentern zwischen Ibbenbüren und Ahlen sieht sich das Unternehmen dann gut aufgestellt.
Auch personell werde es zumindest übergangsweise Kontinuität geben. Die Vorstände Thomas Schmidt und Martin Weber aus der bisherigen Volksbank e.G. rücken in den neuen Vorstand auf und sollen Ansprechpartner vor Ort bleiben.
Der Sitz der neuen Volksbank im Münsterland bleibt Münster. Der Standort wird allerdings ab Mitte 2024 vorerst leergezogen und dann umfassend umgebaut. Zwei Jahre später soll der Hauptsitz dann neu eröffnen.