Sendenhorst

Mobilität: Verkehrswende im Kleinen

Mit dem Fahrrad oder zu Fuß: „Das ist der größte Hebel, den wir haben“, sagt Sendenhorsts Bürgermeisterin Katrin Reuscher. Gemeint ist eine andere Mobilität der Menschen, die mit den ersten kleinen Schritten vor Ort beginnt. Dafür setzt Sendenhorst auf ganz viele kleine und größere Bausteine in der Verkehrswende.

In Sendenhorst (Foto) und auch im Ortsteil Albersloh werden an den Haltepunkten der künftigen S-Bahn Mobilstationen entstehen. Quelle: Stadt Sendenhorst

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Gerade für Radfahrer war die Lage in Sendenhorst bisher mit manchen Einschränkungen versehen. Im Zentrum bieten sich wenig Möglichkeiten, denn auf der Hauptverkehrsachse Weststraße und Kirchstraße gibt es wenig Platz fürs Rad – zumindest solange die geplante Umgehungsstraße im Norden der Stadt auf sich warten lässt. „Wir haben aber die Möglichkeit, den Radverkehr über andere Trassen zu führen“, betont Reuscher. Das gelingt jetzt über die „Gräben“, einem Ring aus verkehrsberuhigten Straßen mit Tempo 20, der einmal rund um die Innenstadt führt. Nordgraben, Ostgraben, Südgraben und Westgraben sollen den Radverkehr aufnehmen.  

Und Fußgänger können jetzt die sanierte Promenade nutzen, ein weiterer Ring um die Innenstadt herum. Der Grüngürtel wurde 2023 nach einer umfangreichen Sanierung eröffnet und wird heute intensiv genutzt. Für die Bürgermeisterin eine Bestätigung. „Viele Menschen ärgern sich in Sendenhorst über den Durchgangsverkehr, aber 80 Prozent des Verkehrs verursachen wir doch selbst.“ Wenn für kurze Besorgungen das Auto stehen bliebe, sei viel gewonnen. „Das geht nur über eine Verhaltensänderung.“  

Zukunftsprojekt S-Bahn

Ein ebenfalls großer Hebel wird irgendwann die S-Bahn sein, die Sendenhorst und Albersloh enger ans Oberzentrum Münster anbindet. Mit dem Bus geht das heute im Halbstundentakt – sowohl nach Münster als auch nach Ahlen oder Beckum. Einzig die Verbindung in die Kreisstadt Warendorf lasse noch zu wünschen übrig, heißt es im Rathaus. Mit der S-Bahn soll noch eine neue Qualität erreicht werden: In beiden Ortsteilen sind Mobilstationen geplant, die einen nahtlosen Übergang zwischen Bus, Fahrrad- und Fußverkehr und Bahn ermöglichen. Auch Carsharing-Angebote sollen hier installiert werden. Noch ist nicht klar, wann die S-Bahn im festen Takt in Sendenhorst und Albersloh fährt. Alle Beteiligten arbeiten allerdings mit Hochdruck daran, dass die Arbeiten zum Bau endlich beginnen können. Der vielleicht wichtigste Meilenstein dafür ist die Planfeststellung in diesem Jahr.  

Ein weiteres großes Verkehrsthema wird noch länger dauern: Die rund 5,8 Kilometer lange Ortsumgehung soll nördlich von Sendenhorst um die Kernstadt herumführen – sie beginnt im Westen am Knotenpunkt L 851/L 586 und endet im Osten ebenfalls wieder an der L 586. Wie praktisch alle Verkehrsprojekte nimmt auch dieses viel Zeit in Anspruch. Aktuell laufen „vorbereitende Arbeiten für die Entwurfsplanung“, so Reuscher. In Albersloh steckt die geplante Umgehung sogar noch in einem viel früheren Stadium. Ehe der Durchgangsverkehr aus der Stadt herausgehalten wird, werden also noch einige Jahre vergehen.

Carsten Schulte

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