Reken

Hof Keil: „Es geht auch anders“

Inmitten von Wiesen und Feldern, zwischen Reken und Hochmoor gelegen, arbeitet Heiner Keil auf seinem Hof daran, Tierhaltung und Fleischproduktion mit Naturschutz und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Der Familienbetrieb ist Ende der 1950er Jahre entstanden und hat sich seitdem zu einem Unternehmen entwickelt, das in mancher Hinsicht einen Vorbildcharakter besitzt. Den soll der Hof Keil auch bald bei einem Naturschutzprojekt des Bundes zeigen.

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Der Fleischkonsum ist seit einigen Jahren ein regelmäßiges Diskussionsthema. Es ist dennoch kein Widerspruch, wenn Heiner Keil als fleischproduzierender Unternehmer selbst sagt: Weniger ist besser. „Einmal die Woche Fleisch reicht, aber dann sollte es qualitativ gutes Fleisch sein.“ Ernährung bewusster gestalten, „ehrliche und nachhaltige Landwirtschaft“ betreiben: So formuliert Keil den Ansatz. Das bedeutet: Von der Geburt und Aufzucht der Tiere über die Schlachtung bis zum fertigen Fleischprodukt geschieht heute alles vor Ort in Reken. 2012 übernahm Keil den Hof von seinen Eltern, investierte rund 3,5 Milli-onen Euro in neue Gebäude, Stallungen sowie Veranstaltungsräume und baute ihn seither immer weiter aus. In diesem Rahmen will der 42-Jährige den Besuchern zeigen, wie angemessene Tierhaltung machbar ist. Dafür ist der Hof fast die gesamte Woche über geöffnet und ist auch Veranstaltungsort für Hochzeiten, Firmenfeiern oder Events wie Beef-Tasting, Zerlegeseminar oder Burger Buffet. 

200 Hektar für 400 Rinder

Heute kümmert sich das insgesamt knapp 15 Mitarbeiter umfassende Team von Hof Keil neben Gastronomie und der Verwaltung vor allem um rund 200 Hektar Fläche, davon 160 Hektar extensives Grünland, also Naturschutzgebiet. Auf dieser Fläche hält Keil rund 400 Rinder. Platz genug ist da, rund 5.500 Quadratmeter stehen jedem Tier zur Verfügung, im Winter sind es immer noch etwas mehr als zehn Quadratmeter – das alles auf Stroh und bei muttergebundener Aufzucht, die Kälber bleiben also bei der leiblichen Mutter. „Man kann hier sehen, dass Tierhaltung auch anders geht“, sagt Keil. Natürlich geht das buchstäblich auf Kosten des Preises, aber dafür wirbt Keil ja auch für einen bewussteren Umgang mit dem Thema Ernährung. 

Die Tierhaltung erfüllt beim Hof Keil noch eine weitere Funktion. „Wir sorgen dafür, dass Artenvielfalt und Ökosysteme erhalten bleiben und sichern Rückzugsorte für Pflanzen und Tierarten“, sagt Keil. Die Rinder verhindern, dass die Wiesen- und Weidelandschaft verbuscht. Im Bereich der Flachgewässer helfen Wasserbüffel dabei, die Uferbereiche für Uferschnepfen oder Brachvögel freizuhalten. 

Das alles sei eine Herausforderung, gibt Keil zu. „Sportlich“ sei es, im Sommer die mehrere hundert Tiere auf weitläufigen Flächen zu versorgen. Tägliche Kontrollen von Tränken und Zäunen stünden an, die Tiere selbst müssten beobachtet werden, um beispielsweise Geburten zu verfolgen. Zudem werde das Futter für die Tiere, wenn diese sich nicht im Sommer selbst versorgen, auf dem Hof selbst angebaut. Das alles bedeute permanente Arbeit, sagt Keil. 

Naturschutzgebiete beweiden

Dass seine Tierhaltung nicht den aktuellen Markt revolutionieren kann, weiß er. Irgendwo müsse ja auch Obst und Gemüse angebaut werden und der aktuell hohe Fleischbedarf könnte ausschließlich mit Höfen wie in Reken nicht bedient werden. Aber als Vorbild dienen könne Hof Keil durchaus. „Von den tausenden Hektar Naturschutzwiesen in Deutschland werden vielleicht zehn Prozent beweidet, den großen Rest könnte man viel mehr so wie bei uns nutzen.“ 

Gerade erst hat Heiner Keil den Zuschlag für ein besonderes Projekt erhalten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hatte die Heidepflege im Bereich Borkenberge zwischen Dülmen und Haltern ausgeschrieben und im Verfahren den Hof Keil ausgewählt. „Für uns wird das eine größere Plattform sein, um zu zeigen, wie unsere Idee funktioniert“, so Keil. Die Idee ist, die Tiere im Grunde ihr gesamtes Leben auf der Heidefläche zu halten – und zwar in einem fast klassischen Mix aus Rindern, Wisenten und Pferden. „Wilder Westen Westfalens“ ist das Projekt überschrieben und soll nach einigen Verzögerungen bei der Förderung nun realisiert werden. 

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