Reken

Metallbau Bruns: vom Acker zum Gewerbegebiet

Günter Bruns müsste man wohl einen typischen Unternehmer nennen. Wenn sich der heute 75-Jährige etwas in den Kopf gesetzt hat, findet er auch Wege, um seine Idee umzusetzen. Sein weitläufiger Betrieb im Rekener Ortsteil Maria Veen ist dafür ein sichtbarer Beweis. Binnen 20 Jahren hat er dort seine eigene Unternehmensgruppe geschaffen und mit ihr zugleich ein ganzes Gewerbegebiet.

Anzeige

Wenn Günter Bruns heute über das Gelände fährt, hat er noch vor Augen, wie es zum Start aussah. „Hier war alles Acker“, sagt er. Dass mehr daraus wurde, lag an einem Standortwechsel. Bruns‘ erstes Unternehmen, ein Containerdienst, den er 1984 gegründet hatte und der heute von Björn Bruns geführt und weiter ausgebaut wird, sollte Ende des vergangenen Jahrtausends aus Platzgründen in den Ortsteil Bahnhof Reken verlegt werden. Günter Bruns hatte dann aber eine andere Idee: Warum nicht östlich der Bahnlinie in Maria Veen eine ganz neue Fläche mit Ausbaupotenzial schaffen? Die Anregung fand Gehör in der Gemeinde: „Bereits 2001 haben wir angefangen, die erste Halle in Maria Veen zu bauen.“ Nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt wollte Bruns in der neuen Halle zunächst gebrauchte Baumaschinen wieder herrichten und weiterverkaufen. „Das war der Urgedanke“, erinnert sich Bruns. Aber es war nur ein Anfang. „2003 sind wir in Maria Veen eingezogen und ich habe meinen damaligen Job bei einem großen Anbieter für Arbeitsbühnen aufgegeben.“ Mit fünf Mitarbeitern startete Bruns den eigenen Betrieb – da war er selbst schon 54 Jahre alt. Rund 35 Jahre hatte er zuvor in einem anderen Unternehmen aus dieser Branche gearbeitet, das Gewerbe an der Raiffeisenstraße war für ihn auch ein beruflicher sowie persönlicher Neustart.

Das Produktportfolio wurde schnell größer. Heute ist Bruns Metallbau ein Schweißfachbetrieb, spezialisiert auf Bauteile der Höhenzugangstechnik, also beispielsweise Trägerfertigung für Hubarbeitsbühnen oder Krane. Bruns umschreibt den Kern seines Unternehmens so: „Wir machen alles, was ausfährt und dafür benötigt wird, also Ausleger für Hubarbeitsbühnen, Krane und Telelader.“ 

Das rasante Wachstum hatte Nebenwirkungen: „Wir hatten schnell sehr viel Arbeit, aber zu wenig Platz.“ Weitere Hallen entstanden am Standort, sogar größer als von Bruns selbst benötigt. Ein befreundetes Unternehmen mietete sich dort mit seiner Dreherei „Transfair Montage“ ein. Transfair versteht sich als Inklusionsunternehmen und setzt auf Mitarbeiter mit Einschränkungen. Nebenan in einer ehemaligen Schreinerei zog die Aluminiumfertigung ein, neben dem Stammhaus siedelte sich Bruns‘ Sohn Björn mit dem Unternehmen Bruns Transporte an. So wuchs unter dem Namen Bruns ein richtiges Gewerbegebiet entlang der Bahnstrecke. Und Günter Bruns wurde wieder alles zu klein: „Da haben wir weiter angebaut.“ Erst Hallen für Elektronik von der JG Josefs-Gesellschaft und Lackierung der Firma LM Oberflächentechnik, dann für das Rekener System- und Metalltechnik-Unternehmen RSM, das 2019 übernommen wurde und das mittlerweile von Jan Bertling geführt wird (siehe dazu auch Artikel Seite 50). Für RSM entstand eine über 130 Meter lange Produktionshalle, in der unter anderem Ausleger für Krane produziert werden. 

Großauftrag aus den USA

„Es ist eine Menge, das weiß ich“, sagt Bruns mit Blick auf das Areal. Ein richtiger Plan habe nicht dahinter gesteckt, vieles habe sich einfach so ergeben. „Und es ging rasend schnell. Wir hatten zum Start kaum Grund und Boden, aber die Gemeinde Reken unterstützt uns enorm.“  Vom Unternehmensstandort aus beliefert Bruns heute Kunden aus Europa oder weltweit. Und natürlich auch viele große Kunden für Krane, Arbeitsbühnen oder Ausleger aus der Region. Jüngst kam ein Großauftrag über Teleskop-Ausleger aus den USA dazu. Ein Auftrag, der ohne das Konzept, alle Arbeitsschritte zentral an einem Standort zu übernehmen, nicht geklappt hätte. Denn mit nur einem Auftrag kann der US-Kunde das fertige Produkt erhalten, ohne einzelne Arbeitsschritte an verschiedene Unternehmen vergeben zu müssen. Und auch mit 75 kennt Bruns keinen Stillstand. Längst hat er Platzbedarf für weitere 5.000 bis 6.000 Quadratmeter angemeldet. Das Gewerbegebiet könnte also weiter wachsen. „Ohne gute Mitarbeiter, befreundete Unternehmen und deren Ideen und Beziehungen geht so etwas aber nicht”, weiß Bruns.

Artikel teilen
Podcast

Starke Gäste – starke Gespräche

Spannende Gespräche mit interessanten Menschen zu relevanten Themen, die nicht nur die Wirtschaftstreibenden im Münsterland und dem südwestlichen Niedersachsen bewegen – das und einiges mehr gibt es alle 14 Tage mit dem Wirtschaft aktuell-Podcast aufs Ohr.

jetzt anhören


Neuigkeiten
aus der Region