Herr Deitert, für 2024 haben Sie unter dem Strich einen ausgeglichenen Haushalt für Reken vorgelegt und gehen trotz schwieriger Rahmenbedingungen, bedingt durch eine hohe Inflationsrate sowie steigende Energiepreise und Personalkosten, ohne Steuererhöhungen ins neue Jahr. Die Gemeindesteuersätze sind damit seit 22 Jahren nicht erhöht worden. Wie geht das?
Diese Stabilität verdanken wir der Tatsache, dass die Gemeinde Reken seit dem 1. Juli 2004 schuldenfrei ist, und unserer Philosophie, stets nicht mehr Geld auszugeben als wir eingenommen haben. Durch diese konservative, aber durchaus vorausschauende und sinnvolle Vorgehensweise konnte die Kommune in den vergangenen Jahren Rücklagen bilden, die als Puffer in schlechten Jahren dienen. So vermeiden wir, dass es zu Steuererhöhungen und damit zu einer zusätzlichen Belastung für die Bürgerinnen und Bürger oder für die Unternehmen vor Ort kommt.
Welche Investitionen stehen für Sie 2024 ganz oben auf der Agenda?
Für dieses Jahr werden wir vor allem in den Bereichen Feuerwehr und Bildung priorisiert investieren. Mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus in Groß Reken realisieren wir zurzeit das bislang größte Hochbauprojekt in der Geschichte der Gemeinde Reken. In dem zweistöckigen Neubau werden neben Büros, Sanitäranlagen und Sozialraum auch ein Schulungsraum für bis zu 90 Personen und ein Jugendfeuerwehrraum sowie eine Dachterrasse entstehen. Voraussichtlich im Herbst werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Darüber hinaus wird auch im Ortsteil Klein Reken ein wichtiges Projekt angegangen: Dort wird die Antoniusgrundschule aufwendig erweitert. Mit einem Anbau wollen wir angesichts steigender Anmeldezahlen zusätzliche Kapazitäten für die Offene Ganztagsschule und die Übermittagsbetreuung schaffen. Die Räumlichkeiten, die dafür bisher genutzt werden, stehen dann wieder als Klassenräume zur Verfügung.
Ein Thema, das Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen beschäftigt, ist die Energiewende. Wie weit sind Sie in Reken?
Wir wollen in Reken mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie sich die ökologische Produktion von regenerativer Energie mit ökonomischem Erfolg verbinden lässt. Dazu ist im vergangenen Jahr für neun Millionen Euro eine Windenergieanlage gebaut worden und ans Netz gegangen. Dieses Bürgerwindrad wird nicht nur uns als Gemeinde, sondern auch jeder Bürgerin und jedem Bürger, der daran beteiligt ist, in den nächsten 20 Jahren eine gute Rendite bringen. Für unseren Haushalt rechnen wir mit einem sechsstelligen Betrag pro Jahr. Der erzeugte Strom wird sich pro Jahr auf rund 15 Millionen kWh belaufen – damit können rein rechnerisch mehr als 4.200 Haushalte mit grünem Strom versorgt werden, also fast die Hälfte der Haushalte in Reken. Die Rekenerinnen und Rekener können in Kooperation mit den Stadtwerken Borken die erzeugte Energie als echtes, lokales Stromprodukt beziehen. So macht die Energiewende Spaß!
Als Bürgermeister stehen Sie auch in engem Kontakt zur Wirtschaft vor Ort. Welche Stimmung nehmen Sie bei den Unternehmen in Reken aktuell wahr?
Ich nehme wahr, dass die Unternehmen in Reken die aktuelle Entwicklung in Deutschland mit großer Sorge beobachten. Die steigenden Energiepreise sowie der Fach- und Arbeitskräftemangel belasten ihre tägliche Arbeit. Ich hoffe sehr, dass wir in unserem Land mit vereinten Kräften schnellstmöglich die Kurve kriegen, um diese Herausforderungen zu lösen.
Wie hat sich der Wirtschaftsstandort Reken in den vergangenen Jahren entwickelt?
Sehr erfreulich! Die Zahl der Arbeitsplätze vor Ort ist gestiegen, während gleichzeitig weniger Menschen pendeln. Das Pendlersaldo, also die Differenz zwischen Ein- und Auspendlern, konnte in den letzten Jahren um 1.600 Beschäftigte verbessert werden. Der hervorragende Breitbandausbau hat dazu beigetragen, dass immer mehr Arbeitnehmende die Möglichkeit haben, von zuhause aus zu arbeiten, was nicht nur den Wirtschaftsstandort stärkt, sondern auch dem Klimaschutz zugutekommt, da lange Anfahrtswege mit Auto oder Bus entfallen.
Um den Unternehmen eine Entwicklungsperspektive in Reken zu geben, laufen bei Ihnen zurzeit die Planungen für neue Gewerbeflächen. Wie ist da der Stand der Dinge?
Im Ortsteil Bahnhof Reken schaffen wir aktuell die Voraussetzung dafür, dass zwei große Unternehmen sich vor Ort erweitern können. Gleichzeitig entstehen zurzeit weitere Coworking-Spaces im Innovations- und Dienstleistungspark Münsterland. Insbesondere Start-ups finden dort hervorragende Arbeitsbedingungen, indem sie dort flexibel Räumlichkeiten mieten und sich gleichzeitig mit anderen Gründerinnen und Gründern sowie Dienstleistern vernetzen können.
Herr Deitert, wenn Sie einen Wunsch für die Gemeinde Reken frei hätten, welcher wäre das?
Ich wünsche mir – wie viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Reken auch –, Kontinuität und Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen und der Gesetzgebung für die Wirtschaft. Für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen wäre es außerdem enorm hilfreich, wenn ihnen das Geld, das sie erwirtschaften, auch wirklich zur Verfügung steht und sie nicht durch zusätzliche steuerliche Abgaben mehr als nötig belastet werden.