Herr Sendermann, im April ziehen die ersten Abteilungen in den Rathausneubau um. Wie viele Umzugskartons haben Sie schon gepackt?
Eigentlich gar keine. Das liegt vor allem daran, dass wir seit Kurzem ein „digitales Rathaus“ sind. Viele Arbeits- und Kommunikationsprozesse laufen inzwischen digital, sodass wir aktuelle Akten gar nicht mehr in Papierform haben. Die meisten Unterlagen liegen also in Datenform vor und müssen nicht mehr physisch von A nach B transportiert werden. Das macht den Umzug natürlich deutlich einfacher.
Was bedeutet der Rathausneubau – sowohl organisatorisch als auch symbolisch – für die Stadtverwaltung?
Das neue Rathaus ist für die Stadt Olfen ein wirklich wichtiger Schritt. Auf diesen Moment arbeiten wir schon seit mehreren Jahren hin, die Bedeutung dieses Projekts für die Verwaltung und die Stadt insgesamt ist schon groß. Für die Rathausbaumaßnahme haben wir auch eine großzügige Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen. Diese Unterstützung hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir das Projekt in dieser Form überhaupt umsetzen können. Nach dem Umzug in den Neubau beginnen wir im nächsten Schritt mit der Sanierung des Bestandsgebäudes sowie mit der Neugestaltung des Umfeldes. Wenn alles nach Plan läuft, soll das gesamte Projekt dann im nächsten Jahr komplett fertiggestellt sein.
Als Bürgermeister sind Sie nah dran an den Unternehmen vor Ort. Wie ist die Stimmung in der Olfener Wirtschaft zurzeit?
Ich glaube, gar nicht so schlecht. Wir sind in Deutschland leider eine oft meckernde Gesellschaft. Wenn man mit den Unternehmen vor Ort spricht, merkt man aber, dass es grundsätzlich eine gewisse Zuversicht gibt. Natürlich gibt es auch Herausforderungen und Themen, die viele Betriebe beschäftigen, aber insgesamt würde ich die Stimmung nicht als negativ beschreiben. Ein Faktor ist dabei sicherlich auch, dass die Bundesregierung eine ganze Menge auf den Weg bringt, zum Beispiel beim Bürokratieabbau oder bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Das sind Punkte, die für Unternehmen sehr wichtig sind und die den wirtschaftlichen Alltag durchaus erleichtern können. Entscheidend wird aber sein, dass diese Maßnahmen jetzt auch wirklich umgesetzt werden und sozusagen „auf die Straße“ kommen. Außerdem ist es wichtig, dass die Menschen und Unternehmen davon tatsächlich etwas merken und besser erreicht werden.
Was sind denn aktuell die größten und drängendsten Herausforderungen für die Unternehmen in Olfen?
Ein Problem bekomme ich in meinen Gesprächen immer wieder zu hören: Viele freie Arbeitsstellen können nicht immer besetzt werden. Ich denke, dass wir zum Beispiel bei der Beschäftigung von Migranten noch deutlich mehr Luft nach oben haben. Hier liegen Chancen, die wir stärker nutzen sollten. Ein weiterer Punkt ist, dass unser Sozialleistungssystem manchmal zu gut funktioniert und dadurch auch dazu führt, dass Menschen davon abgehalten werden, die eigene Arbeitskraft zur Deckung des notwendigen Lebensunterhalts einzusetzen. Das ist eine schwierige Balance, weil soziale Sicherung natürlich wichtig ist. Gleichzeitig müssen wir aber auch stärker einfordern, dass die Möglichkeiten zur Arbeit genutzt werden.
Im vergangenen Jahr hat Olfen Gewerbesteuereinnahmen von 7,5 Millionen Euro verzeichnet. Vor zehn Jahren, als Sie als Bürgermeister gestartet sind, waren es gerade einmal 3,3 Millionen Euro. Was hat zu dieser Entwicklung beigetragen?
Wir sind ja eigentlich eine Zuzugsgemeinde vor den Toren des Ruhrgebiets und am Rande des Münsterlandes. Von neuen Bürgerinnen und Bürgern haben wir schon seit Jahrzehnten profitiert. Gleichzeitig habe ich aber von Anfang an auch bewusst auf die Entwicklung der gewerblichen Wirtschaft gesetzt. Mit den Gewerbegebieten Olfen-Ost I und II haben wir dafür die Voraussetzungen geschaffen. Diese Flächen waren wichtig, um Unternehmen überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich in Olfen anzusiedeln oder sich weiterzuentwickeln. Insbesondere durch neue Unternehmen konnten wir uns bei der Gewerbesteuer deutlich steigern. Gleichzeitig darf man aber nicht vergessen, dass sich auch die Bestandsunternehmen sehr gut entwickelt haben.
Rechnen Sie in den kommenden Jahren mit ähnlich positiven Zahlen?
Wir glauben, da geht noch mehr! Wenn sich die positive Entwicklung Olfens fortsetzt, sollten wir durchaus die acht bis neun Millionen Euro bei den Gewerbesteuern in den Blick nehmen.
Geld, das Sie an anderer Stelle wieder einsetzen können.
Es würde uns vor allem unabhängig von den Schlüsselzuweisungen des Landes machen. Und ja, es gäbe für Olfen deutlich mehr Spielraum bei Investitionen, Projekten und städtischen Vorhaben.
Herr Sendermann, Sie sind jetzt seit zehn Jahren Bürgermeister der Stadt Olfen. Gab es in dieser Zeit einen Moment, in dem Sie besonders gespürt haben: „Dafür mache ich diesen Job“?
Ich mache meine Arbeit jeden Tag gerne. Ich spüre da kein bloßes Pflichtgefühl, sondern etwas, das mir persönlich Freude bereitet. Besonders merke ich das, wenn ich durch Olfen gehe und viele mich als Bürgermeister grüßen. Das tut dann einfach gut und zeigt mir, dass die Arbeit, die man täglich leistet, positiv wahrgenommen wird. Dann kann man sich schon sagen: „Da habe ich wohl nicht alles falsch gemacht.“
Das Interview führte
Anja Wittenberg