Frau Uphues, Frau Twyhues, seit November 2024 sind Sie mit jeweils einer Teilzeitstelle gemeinsam für die Wirtschaftsförderung der Stadt Gescher verantwortlich. Damit ist dieser wichtige Aufgabenbereich wieder in Vollzeit besetzt. Was können die Unternehmerinnen und Unternehmer von Ihnen erwarten?
Heike Twyhues: Vor allem wieder mehr Kapazitäten und Ressourcen. Wir können Projekte, die schon länger geplant waren – wie etwa eine Gewerbeschau –, jetzt richtig anpacken. Außerdem hat es den Vorteil, dass wir uns die Themenbereiche aufteilen können. Und wenn mal mehr Zeit und Vorbereitung für bestimmte Termine erforderlich ist, können wir das nun mit doppelter Stärke angehen.
Kerstin Uphues: Mit dieser Struktur wollen wir die Wirtschaftsförderung inhaltlich breiter aufstellen – von der Innenstadtentwicklung bis zur Unternehmensbetreuung. Wir verstehen uns als Team, das mit den unterschiedlichen Akteuren die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unserer Glockenstadt vorantreibt. Wir arbeiten an einer gemeinsamen Vision: Gescher als lebendigen, attraktiven und wirtschaftlich starken Standort weiterzuentwickeln.
Passend dazu agieren Sie beide seither im neuen Fachdienst VII Kultur, Veranstaltungsmanagement, Wirtschaftsförderung und Fördermittelmanagement. Welche Synergien ergeben sich aus dieser Zusammenführung?
Uphues: Als Leiterin des neu gegründeten Fachdienstes sehe ich großes Potenzial, Kultur und Wirtschaft in Gescher noch stärker miteinander zu verbinden. Unsere vier Museen sowie der Theater- und Konzertsaal bilden eine vielseitige Kulturlandschaft, die Menschen anzieht und die Stadt prägt. Dieses Potenzial möchten wir gezielt nutzen, um beide Bereiche enger zu verzahnen – zum Vorteil der Unternehmen, der Kulturakteure und der Bürgerinnen und Bürger. In der Wirtschaftsförderung begleiten wir Unternehmen aktiv, sei es bei der Belebung von Leerständen oder der Entwicklung passender Angebote, die den Betrieben direkt zugutekommen. Und wenn sich passende Förderprogramme ergeben, nutzen wir diese, um Projekte voranzubringen. Ein schönes Beispiel für diese Synergien ist unsere Weihnachtsbeleuchtung: Durch den Förderantrag, den ich gestellt habe, und das Engagement vieler Partner entstand eine stimmungsvolle Beleuchtung, von der Handel, Gastronomie und unsere Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen profitierten. So zeigt sich: Kultur, Wirtschaft und Aufenthaltsqualität greifen in Gescher zunehmend Hand in Hand – und der Fachdienst schafft dafür die nötigen Strukturen.
Twyhues: Auch organisatorisch bringt diese Struktur Vorteile. Nicht nur im Bereich Wirtschaftsförderung sind wir direkt mit der Bürgermeisterin vernetzt. Neben dieser Tätigkeit bin ich weiterhin als Stabsstelle im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit über viele Themen mit dem Verwaltungsvorstand im Austausch. So können wir viele Projekte, die das Thema Wirtschaft mittelbar oder auch unmittelbar betreffen, mitdenken, Wirtschaftsthemen schnell kommunizieren und Projekte zügig umsetzen. Die kurzen Wege innerhalb des Hauses und zu den Akteuren draußen sorgen dafür, dass wir flexibel reagieren und Synergien optimal nutzen können.
Dann lassen Sie uns gerne einmal genauer auf Ihre Arbeit schauen. Wer macht was?
Twyhues: Frau Uphues konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Innenstadt, ich auf die Wirtschaftsunternehmen. Aber ganz scharf trennen lässt sich das nicht – gerade bei größeren Projekten, wie der geplanten Gewerbeschau und unserem neuen Arbeitskreis Wirtschaftsförderung, arbeiten wir beide zusammen.
Welche Maßnahmen verfolgen Sie denn aktuell in Gescher, um den Einzelhandel und die Innenstadt langfristig zu stärken?
Uphues: Eine lebendige Innenstadt gelingt nur, wenn wir gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wir möchten dabei alle Perspektiven berücksichtigen – von der lokalen Wirtschaft über Politik, Kultur und Ehrenamt bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern. Dafür haben wir die „Ideenwerkstatt Innenstadt” ins Leben gerufen, die bereits zweimal getagt hat. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, beraten über Maßnahmen und setzen Projekte um. Schon jetzt tragen Initiativen wie neue Sitzgelegenheiten, bunte Wimpel, Weihnachtsbeleuchtung oder die Gescher-Card im Rahmen der „Heimat shoppen”-Aktion dazu bei, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, Besucherinnen und Besucher anzuziehen und den Einzelhandel zu stärken. Perspektivisch wollen wir das weiter ausbauen und die Innenstadt noch attraktiver und lebendiger gestalten.
Ein Problem in den Innenstädten sind Leerstände. Wie sieht es da in Gescher aus?
Uphues: Auch in Gescher sehen wir Leerstände, und es gibt Wünsche nach bestimmten Angeboten, etwa einem Café oder ergänzender Bekleidung für Jugendliche oder Herren. Gleichzeitig bin ich stolz auf die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, die hier mit viel Herzblut betrieben werden und die ich gezielt unterstützen möchte. Für Leerstände spreche ich außerdem mit möglichen Interessenten und gehe auch auf Eigentümerinnen und Eigentümer zu. In diesem Prozess sehe ich mich als Mittlerin, um die richtigen Akteure zusammenzubringen. So möchte ich dazu beitragen, dass die Innenstadt ein lebendiger, attraktiver Ort bleibt – ein Raum, in dem man gerne Zeit verbringt, einkauft und sich begegnet.
Frau Twyhues, 2026 starten Sie mit dem AIW Unternehmensverband das neue Format „Frühschicht mit der Bürgermeisterin“. Was haben Sie konkret geplant?
Twyhues: Bisher haben wir unsere Veranstaltungen überwiegend abends angeboten – das funktioniert gut, gerade wenn es eher ums Netzwerken geht. Bei Arbeitstreffen mit fachlicher Tiefe sind viele aber einfach morgens frischer und fokussierter. Deswegen bieten wir nun bewusst auch Alternative Formate zu den Abendveranstaltungen an. Gleichzeitig wollen wir unser Netzwerk bewusst weiter vergrößern. Denn Unternehmer denken häufig nicht in Stadtgrenzen sondern eher in Branchen oder konkreten Themen. Da passt die Frühschicht mit dem AIW, der im gesamten Westmünsterland unterwegs ist, super. So gelingt eben auch der Blick über den Tellerrand. Zudem wird beim Format Frühschicht auch die Bürgermeisterin regelmäßig aktuelle Themen aus Rat und Politik mitbringen.
Ein weiteres neues Format ist der „Arbeitskreis Wirtschaftsförderung“. Wie ist das Netzwerk gestartet?
Uphues: Der Arbeitskreis Wirtschaftsförderung hat für uns eine enorme Bedeutung – wir waren positiv überrascht, wie groß das Interesse beim Start war. Genau das zeigt uns: Die Unternehmerinnen und Unternehmer wollen sich einbringen und mitgestalten.
Twyhues: Uns ist dabei wichtig, wirklich zu hören, wo der Schuh drückt. Deshalb arbeiten wir im Arbeitskreis sehr dialogorientiert. Bei Arbeitsblöcken übernehmen wir häufig zunächst sehr bewusst „nur“ die Moderation. Die konkreten Themen bringen die Teilnehmer selbst ein. Auf diese Weise haben wir mit den unterschiedlichen Akteuren die Schwerpunktthemen Fachkräfte, Netzwerken, Sichtbarkeit und Innenstadt erarbeitet. Dabei ist an vielen Stellen bereits sehr konkret herausgekommen, was die Unternehmer brauchen und wie wir unterstützen können.
Uphues: Genauso wichtig ist uns, dass die Politik mit am Tisch sitzt. Denn am Ende braucht es politische Rückendeckung für viele der Themen, die dort entstehen. Das gilt auch für den Verein Pro Gescher, der ein wichtiger Multiplikator ist.
Welche Projekte wollen Sie künftig besonders vorantreiben?
Twyhues: Ein zentrales Thema bleibt die Sichtbarkeit – nicht nur einzelner Unternehmen, sondern auch für Gescher als Wirtschaftsstandort insgesamt. Dazu gehört beispielsweise der Digi-Check, bei dem wir gemeinsam mit der WFG für den Kreis Borken prüfen, wie Unternehmen im Netz aufgestellt sind und wie sie sich noch besser präsentieren können. Ganz groß im Fokus steht auch die Gewerbeschau, die wir für September 2027 planen und die viel Engagement in den nächsten zwei Jahre erfordern wird. Besonders wichtig ist mir, die Unternehmer noch näher zusammenzubringen. Dazu werde ich unter anderem das Erfolgsformat denk.BAR, welches ich bereits zum zehnten Mal organisieren durfte, weiterführen. Wenn sich dort wie kürzlich ein Kontakt und eine neue Geschäftsbeziehung zwischen einem metallverarbeitenden Betrieb und einer benachbarten Tischlerei ergibt, ist viel gewonnen. Denn Wirtschaftsförderung heißt auch, Aufträge im Ort zu halten.
Uphues: Mir liegt vor allem eines am Herzen: Gescher wirtschaftlich stark, lebendig und zukunftsfähig zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Projekte, sondern darum, die Bedarfe und Wünsche der Unternehmen ernst zu nehmen, Politik, Vereine, Ehrenamt, Gesamtschule, Kulturakteure sowie Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubeziehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.