Bocholt

Wirtschaftsförderung | Neue „alte“ Köpfe, viele Ideen

Mit zwei neuen Köpfen – die strenggenommen sogar eigentlich alte Bekannte sind –, einem vollen Veranstaltungskalender und der Suche nach der „Marke Bocholt“ bringt die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt aktuell gleich mehrere Projekte voran. Neu im Team der Wirtschaftsförderung sind Lennart Bengfort und Karsten Tersteegen. Gemeinsam mit Wirtschaftsförderungsreferentin Astrid Lukas und Geschäftsführer Ludger Dieckhues kümmern sie sich seit Anfang April als erste Ansprechpartner um das Wirtschaftsgeschehen in Bocholt. Für die City, den Tourismus und die zahlreichen Veranstaltungen ist das Team Stadtmarketing zuständig.

Anzeige


Mit Lennart Bengfort ist nun ein ehemaliger Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bocholt bei der Wirtschaftsförderung. Der 29-jährige Bocholter hat sein duales Studium bei der Kommune absolviert und eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadtsparkasse Bocholt abgeschlossen, wo er zuletzt als Firmenkundenberater tätig war. Im Team der Wirtschaftsförderung ist er nun mit Geschäftsführer Ludger Dieckhues für das Gewerbeflächenmanagement zuständig. Aber auch in den Bereichen Unternehmensservice und Willkommenskultur wirkt er mit. „Lennart Bengfort kennt durch seine vorherige Tätigkeit sowohl die Stadt Bocholt als auch die Unternehmerlandschaft vor Ort gut. Insofern war es ein folgerichtiger Schritt, ihn zu uns ins Team zu holen“, betont Geschäftsführer Dieckhues.

Auch Karsten Tersteegen kennt Bocholt auf dem Effeff: Er war zuvor als langjähriger Pressesprecher für die Stadt im Einsatz und übernimmt im Team der Wirtschaftsförderung nun gemeinsam mit Ludger Dieckhues die Aufgabe, die neu entwickelte Marke Bocholt zu implementieren und als Markenbeauftragter den Standort nach außen zu vertreten. „Mit seiner Expertise wird er das Markenmanagement vorantreiben und dabei von unserem Stadtmarketing-Team unterstützt“, erläutert Dieckhues. Wirtschaftsförderungsreferentin Astrid Lukas ist für Unternehmensservice, Wissenstransfer, Förderprogramme, Digitalisierung, Veranstaltungen und Standortmarketing zuständig.

Markenbildungsprozess nimmt Form an 

Die Markenbildung ist eines der Schwerpunktthemen, mit denen sich die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt zurzeit beschäftigt. 2023 wurde der Prozess gestartet – mit starker Beteiligung der Bocholter Bürgerinnen und Bürger. Die konnten ihre Ideen und Wünsche in verschiedenen Veranstaltungen und Workshops einbringen. „Natürlich waren einige Themen und Merkmale dabei, die wir ohnehin schon auf dem Zettel hatten. Aber uns war es wichtig, dass sich diejenigen, die hier wohnen und die Marke Bocholt letztendlich auch leben, beteiligen können und die DNA von Bocholt prägen. Schließlich sind die Bürger die besten Markenbotschafter“, betont Wirtschaftsförderungsgeschäftsführer Dieckhues.

Fünf Markenkerne 

Gemeinsam mit der Hamburger Markenberatung Brandmeyer hat die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt darauf aufbauend einen Markenkern mit fünf Schwerpunkten herausgearbeitet. Erstens: die Lage der Stadt Bocholt an der Schnittstelle Münsterland, Ruhrgebiet, Niederrhein und in unmittelbarer Nähe zu den Niederlanden. Zweitens: die Positionierung als starker Wirtschafts- und Hochschulstandort mit der Westfälischen Hochschule sowie familiengeführten, gesunden mittelständischen Unternehmen und dem prosperierenden Industriepark. Drittens: Bocholt verfügt als Fahrradstadt über ein ausgebautes Radwegenetz. Viertens: Historie und Natur vereinen sich im Stadtbild, etwa durch das Historische Rathaus, den Stadtwald oder den Aasee, sodass auch viele Outdooraktivitäten möglich sind. Und fünftens: die starke Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger untereinander. „Trotz der Größe von rund 70.000 Einwohnern hat man das Gefühl, jeden zu kennen und immer eine helfende Hand zu finden. Das ehrenamtliche Engagement ist sehr stark ausgeprägt und es entsteht einfach ein gutes Wir-Gefühl. Sichtbarstes Zeichen dafür sind die gut besuchten Wochenmärkte und die Bocholter Kirmes als Highlight des Jahres, bei dem sich alle treffen“, so Dieckhues. Damit die Marke kein reines Papierbekenntnis bleibt, arbeitet die Stadt seit dem vergangenen Jahr daran, die fünf Schwerpunkte an sogenannten Touchpoints erlebbar zu machen. Entsprechende Guidelines, eine Bild-Datenbank, Fakten und Geschichten werden mit dem Schwerpunkt „Marke“ für Bocholt veröffentlicht. Und mehr noch: „Um die Stadtmarke langfristig zu leben, werden wir auch die Aktivitäten und Investitionen der Stadt in den kommenden Jahren auf die herausgearbeiteten Stärken fokussieren.“

Kurzfristig sichtbar wird das schon in einigen Projekten, wie zum Beispiel bei der Bike Art, einer Fahrradausstellung mitten in der Bocholter Innenstadt und den Shopping-Centern. Im September werden dort künstlerisch gestaltete Räder gezeigt – kreiert von Schulen, Kindergärten, Institutionen, Seniorenheimen sowie Bürgerinnen und Bürgern. „Die kunterbunten Fahrräder stehen für die Vielfalt in Bocholt und sind Symbol für uns als Fahrradstadt“, erklärt Dieckhues. Außerdem wurde aktuell am Aasee eine Fotokulisse in Form eines Fahrrads, eingebettet in eine Holzbank, aufgestellt. „Auch hier steht das Fahrrad symbolisch für die Bocholter Identität. Der Selfiepoint wird so zur gelebten Stadtmarke“, betont Dieckhues.

Die Nähe zu den Niederlanden soll zum Beispiel durch die Ausweisung von Radrouten über die Grenze hinaus in der Öffentlichkeit bewusster gemacht werden. Auch die verkaufsoffenen Sonntage will die Stadt offensiver in den Niederlanden bewerben, um mehr Menschen aus dem Nachbarland als potenzielle Besucher anzulocken und so die Kaufkraft zu stärken. „Wir versuchen auf verschiedene Art und Weise, die Marke Bocholt in unsere Projekte einfließen zu lassen. Das ist allerdings ein Prozess, der mehrere Jahre dauert – ein Marathon, kein Sprint“, betont Dieckhues. 

Unternehmens- und Bestandskundenpflege

Neben dem Markenbildungsprozess bleibt das Kernthema der Bocholter Wirtschaftsförderung aber die Unternehmens- und Bestandskundenpflege. Allein im vergangenen Jahr hat das Team – teilweise mit Bürgermeister Thomas Kerkhoff – über 280 Unternehmen vor Ort besucht. „Diese persönliche Nähe und der enge Austausch sind uns sehr wichtig, da wir so aus erster Hand von den Unternehmerinnen und Unternehmern erfahren, wo der Schuh drückt und wie wir konkret helfen können“, erklärt die im „Unternehmensservice“ tätige Wirtschaftsförderungsreferentin Astrid Lukas. Es sei außerdem Anspruch, Wissen und vor allem Kontakte in die Verwaltung zu vermitteln. „Auf dem kurzen Dienstweg lässt sich so manche Herausforderung oder Anfrage der Unternehmen besser und schneller lösen. Genau das ist unsere Aufgabe: der Wirtschaft vor Ort pragmatisch und schnell bei vielen Fragestellungen helfen“, ergänzt Dieckhues. Rund 50 Prozent der Team-Arbeitszeit macht dieser Unternehmensservice aus. Dazu gehören neben der Unternehmens- und Bestandspflege sowie dem Wissenstransfer auch Veranstaltungen, Workshops, KI-Beratung (zusammen mit der Westfälischen Hochschule und dem Digital Hub), Fördermittelberatung, Markenkommunikation in Richtung Wirtschaft und Wissenschaft, Fachkräftesicherung und Willkommenskultur sowie das Standortmarketing.

Netzwerken zum Frühstück 

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählt zum Beispiel das sogenannte „Business Break“-Unternehmerfrühstück, das zweimal im Jahr in Kooperation mit dem Unternehmerverband stattfindet. Der Name gibt dabei auch den zeitlichen Rahmen vor: „Morgens um 7:30 Uhr starten wir mit einem Frühstücksbuffet im Hotel Residenz. Dabei kommen die Unternehmerinnen und Unternehmer schon locker ins Gespräch und in den Austausch, bevor wir dann einen halbstündigen Vortrag zu einem aktuellen Thema hören“, informiert Lukas, die Veranstaltungen bei der Bocholter Wirtschaftsförderung organisiert. Um 9 Uhr endet das Business Break. „Die Veranstaltung lässt sich also gut in den unternehmerischen Alltag integrieren“, so Lukas. Ziel sei es, das Netzwerken in der Bocholter Wirtschaft zu fördern und gleichzeitig Informationen zu relevanten Themen zu vermitteln. Auch Start-ups präsentieren sich regelmäßig den bis zu 100 Gästen beim Business Break.

Internationale Matchingmesse im Oktober 

Ein besonderer Fokus des Veranstaltungsangebots der Bocholter Wirtschaftsförderung liegt allerdings auf der lokalen Fachkräftesicherung. „Dieses Thema beschäftigt uns und die Unternehmen durchgehend. Dem tragen wir mit verschiedenen Formaten Rechnung“, beschreibt Lukas. Dazu gehört zum Beispiel die Internationale Matchingmesse, die jedes Jahr im Herbst im Foyer der Westfälischen Hochschule organisiert wird. In diesem Jahr findet sie am 16. Oktober statt. Ziel des dreistündigen Events ist es, Unternehmen und Studierende als potenzielle Nachwuchskräfte zusammenzubringen. Mit dabei sind auch niederländische Studierende. Ob für Praktikum, Abschlussarbeit, Werksstudentenvertrag oder gar einen ersten Arbeitsvertrag – die Möglichkeiten, wie Unternehmen und Studierende an den Messeständen zusammenfinden, sind vielfältig. „Der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung, die auch die Bocholter Wirtschaft beschäftigt. Als Wirtschaftsförderung wollen wir hier mit der Matchingmesse unter die Arme greifen – schließlich haben wir als Hochschulstandort das Nachwuchskräftepotenzial buchstäblich direkt vor der Haustür. Je früher wir beide Seiten zusammenbringen, desto besser. Denn so können wir auch verhindern, dass gute Fachkräfte nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium in andere Regionen abwandern“, betont Lukas. Kooperationspartner der Internationalen Matchingmesse sind die IHK Nord Westfalen, die Fördergesellschaft der Westfälischen Hochschule und der Fachbereich Maschinenbau. 35 bis 40 Betriebe stellen sich in der Regel vor, darunter viele produzierende Unternehmen aus dem Maschinenbau. Teilnehmen können aber Unternehmen aller Branchen und auch aus umliegenden Kommunen. „Das Feedback zur Veranstaltung ist durchweg positiv. Die Messe hat die passende Größe, um innerhalb von drei Stunden einen guten Überblick über das Angebot zu bekommen und persönlich mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Lukas.

Onboarding für Studierende und Fachkräfte 

Um die Studierenden schon an Tag eins abzuholen und ihnen die Stadt näherzubringen, findet im September zum Start des neuen Hochschuljahres eine Erstsemesterbegrüßung auf dem Marktplatz statt. Die jungen Menschen erhalten dann zum Beispiel ein Willkommenspaket mit Informationen über Bocholt und Gutscheinen für Einzelhandel und Gastronomen. Über 100 neue Studierende hat Bocholts Bürgermeister Thomas Kerkhoff im vergangenen Jahr begrüßt. Ein solches Onboarding gibt es auch für ältere Neubürgerinnen und -bürger: „Wir organisieren dreimal im Jahr Treffen für Fach- und Führungskräfte, die neu nach Bocholt gekommen sind. In einer Stadtführung lernen sie dann Bocholt kennen und können sich untereinander vernetzen – schließlich beschäftigen sie sich vielfach mit den gleichen Fragen zum Start in einer neuen Stadt“, erläutert Lukas.

Enge Zusammenarbeit mit der WFG 

Darüber hinaus kooperiert die Bocholter Wirtschaftsförderung auch eng mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises, denn die Stadt ist größter Gesellschafter der WFG. „Die WFG für den Kreis Borken ist ein ganz wichtiger Ansprechpartner für uns. Wir verstehen uns selbst als Generalisten für die Beratung der Unternehmen und können immer schnell weiterhelfen, sei es durch unser eigenes Wissen oder durch die Vermittlung der passenden Experten. Für spezielles, tiefergehendes Wissen holen wir uns die Expertise der WFG ins Haus, etwa für die Gründungsberatung, die Digitalisierung oder Geschäfte in den Niederlanden“, beschreibt Lukas den Ansatz. 2026 will die Bocholter Wirtschaftsförderung dabei insbesondere mit Fokus auf den Nachbarmarkt Niederlande mit der WFG stärker kooperieren – auch weil die Förderung für das deutsch-niederländische Netzwerkbüro in Bocholt, das sich auf die stärkere Verzahnung der Wirtschaft und Forschung beidseits der Grenze fokussiert hatte, ausgelaufen ist. „Die Planungen für konkrete Veranstaltungen mit der WFG laufen bereits“, kündigt Lukas an.

Ein Beispiel für diese enge Zusammenarbeit ist auch die „Nacht der Ausbildung“, die die WFG gemeinsam mit dem Kreis Borken und allen kreisangehörigen Kommunen einmal im Jahr organisiert. „Aus Bocholt sind meistens um die 60 Unternehmen dabei – das ist eine sehr gute Quote“, betont Lukas. Die teilnehmenden Betriebe öffnen in diesem Jahr am 20. November von 16 bis 20 Uhr ihre Türen und Tore, um Schülern, Eltern und anderen Interessierten ihr Unternehmen und ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu zeigen. „Das ist ein hervorragendes Konzept, denn so können sich die jungen Menschen nicht nur aus erster Hand bei den Unternehmen informieren, sondern bekommen auch direkt einen Einblick in ihren potenziellen Arbeitsplatz“, lobt die Wirtschaftsförderungsreferentin. 

Einen Blick hinter die Kulissen der Bocholter Unternehmen wird es auch 2027 bei einem anderen Format geben: Dann findet – voraussichtlich im April – die Bocholter Gewerbeschau statt, die die Stadt alle fünf Jahre im Industriepark organisiert. Dort eröffnen die Unternehmen ihre Standorte, aber auch die Betriebe aus anderen Gewerbegebieten können sich in einem Ausstellerzelt im Industriepark vorstellen. 

Artikel teilen