Schöttler hat die Digitalisierung der Geschäftsprozesse im Büro, auf dem Recyclinghof, in der Schlosserei sowie auf der Baustelle – hier primär im Erdbau – in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben. Das Ziel: Arbeitsabläufe automatisieren und so Zeit und Kosten sparen. „Aber auch noch präziser arbeiten, denn insbesondere bei der Kalkulation für Erde und Schotter kommt es auf jeden Kubikmeter an“, betont Geschäftsführer Daniel Schmeing, der mit seinem Team für Privatkunden, Generalunternehmen und Hallenbauer, aber auch Kommunen arbeitet.
App als Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle
In der Praxis sieht das bei Schöttler so aus: Alle Mitarbeitende haben über ihr Smartphone Zugang zu einer App, in der sie ihre Arbeitsstunden eintragen sowie sämtliche Dokumente und Bilder der Baustellen hinterlegen können. Diese werden automatisch den entsprechenden Aufträgen zugeordnet. „Mit der App haben wir eine Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle geschaffen. Auch unsere Lkw-Fahrer erhalten darüber ihre Routenpläne“, beschreibt Schmeing. Die Waage auf dem Recyclinghof von Schöttler ist ebenfalls digital und ordnet Fotos und Gewichtsangaben per Kennzeichenerkennung automatisch dem Lkw und der passenden Baustelle zu.
Aktuell arbeitet das Schöttler-Team gemeinsam mit einem IT-Systemhaus aus Dülmen daran, ein digitales Ablagesystem zu integrieren, das nicht nur Dokumente und Bilder den Baustellen zuordnet, sondern mithilfe von Künstlicher Intelligenz auch die gesamte E-Mail-Korrespondenz. „Über die jeweilige Auftragsnummer sind dann sämtliche Informationen an einem Ort griffbereit. Das wird unsere internen Prozesse erheblich vereinfachen“, blickt Schmeing voraus.
Daten aus dem 3D-Modell an Maschinen senden
Digital erfasst werden auch sämtliche Daten aus der Schlosserei für die Wartung und Reparatur der Lkw und der etwa 50 Bagger, Radlader, Erdbaumaschinen und Raupen des Bocholter Unternehmens. UVV-Berichte und Sichtprüfungen sind in einer Cloud gesammelt und durch einen QR-Code am Fahrzeug hinterlegt. „So können Vertreter der Berufsgenossenschaft bei einer Baustellenprüfung direkt vor Ort alle nötigen Daten an unseren Fahrzeugen abrufen“, erläutert Schöttler. Den größten Schritt Richtung Zukunft hat Schöttler aber durch die Digitalisierung der Baustellenplanung und den Einsatz von GPS-Technik an den Maschinen gemacht. Vermesser Lars Janzen erklärt: „Mit Drohnen und CAD-Software erstellen wir digitale Geländemodelle, die übereinander gelegt werden, um Differenzen genaustens zu ermitteln. 3D-Modelle von beispielsweise Fundamentenschachtungen und Außenanlagen werden anhand von Architektenplänen erstellt.” Die Daten aus dem 3D-Modell werden in die richtigen Koordinaten gebracht und automatisch an den Mitarbeitenden, der die Maschinen auf der Baustelle steuert, gesendet. „Wir haben bereits einen Teil unseres Fuhrparks mit GPS-Technik aufgerüstet, sodass die Maschinen mit den Daten ‚gefüttert‘ werden können und dann selbstständig die entsprechenden Maße abfahren und Boden auskoffern oder auffüllen“, beschreibt Janzen. Bis auf wenige Zentimeter können die Maschinen so exakt arbeiten. „Die 3D-Visualisierung des Geländes erleichtert uns die Angebotserstellung erheblich, da wir genau kalkulieren können, wie viel Kubikmeter Bodenmaterial verfüllt oder abtransportiert werden muss. Das gibt auch unseren Kunden deutlich mehr Planungssicherheit. Wir können außerdem ermitteln, ob sich das Verhältnis zwischen Boden auf- und abtragen in Waage hält oder ob wir es optimieren, um nachhaltiger und schneller bauen zu können“, erklärt Janzen.
200.000 Kubikmeter Boden bewegen
Genauso verfährt das Schöttler-Team auch beim Millionen-Auftrag im Ferienpark in Rees. 200.000 Kubikmeter Boden müssen die Bocholter dort bewegen, damit aus dem Acker und der Kiesgrube bald ein Ferienpark mit Seenlandschaft wird. Alle Maschinen, die Schöttler dort einsetzt, arbeiten mit GPS-Technik nach dem digitalen Geländeplan, um Straßen, Wege oder Gebäudefundamente zu erstellen. „Mit Markierungen, Stäben und Pinnen würde man bei einem so großen Gelände und den vielen Ferienhäusern ohnehin den Überblick verlieren“, betont Janzen. Auf dem Gelände will Schöttler möglichst nachhaltig agieren: Kein Boden soll abtransportiert und aufbereitet werden, sondern sämtliche Erde soll vor Ort wieder direkt zum Einsatz kommen. „Überschussmaterial können wir zum Beispiel zum Auffüllen der Straßen nutzen, die wir dafür um wenige Zentimeter erhöhen“, erläutert Janzen einen Kniff. Dazu stimmt sich das Team eng mit den Architekten und Stadtplanern des Projekts ab.
53 Stunden für eine Brücke
Im nächsten Schritt will Schöttler das digitale Geländemodell auch bei Abbrucharbeiten nutzen. Mithilfe des sogenannten Building Information Modeling sollen nicht nur die Maße eines abzureißenden Objekts erfasst werden, sondern auch Baukörper visuell dargestellt werden. Dafür kommen Vermessungsdrohnen, Roverstäbe, Tachymeter sowie die Fernerkundungstechnologie LiDAR und Augmented Reality zum Einsatz. „So können wir feststellen, ob beispielweise bei dem Abriss einer Brücke oder einer Immobilie auch die umliegende Straßenbeleuchtung oder eine Garage beseitigt werden muss, um Platz für den Neubau zu schaffen – sozusagen in einem Abwasch“, erklärt Vermesser Janzen. Dieses Verfahren könnte künftig zum Beispiel bei Aufträgen an der Bahnstrecke in Herten zum Einsatz kommen. Dort wird das Schöttler-Team innerhalb von 53 Stunden eine komplette Brücke abreißen. „Das ist ein sportliches Zeitfenster“, betont Geschäftsführer Schmeing. 14.000 Tonnen Material und Erde müssen dort abgetragen werden. „Hier hilft uns die GPS-Steuerung enorm, weil jede Maschine genau weiß, was zu tun ist, sodass wir uns lange Vorbereitungszeiten sparen können. Auch mit anderen Gewerken können wir uns so besser abstimmen, da wir genau prognostizieren können, welche Arbeiten wann erledigt sind“, ergänzt Schmeing.
Eine Million Euro investiert
Etwa 20 Maschinen des gesamten Fuhrparks hat Schöttler bereits mit digitaler Technik nachgerüstet. In die Maschinen sowie in die Software fürs Büro und die Drohnentechnik investierte das Unternehmen insgesamt rund eine Million Euro in den vergangenen fünf Jahren. Eine Summe, die sich für Schöttler auch mit Blick auf den Fachkräftemangel lohnt. „Dank der digitalen Technik können auch unsere Maschinisten, die über ein solides Basiswissen verfügen, Fundamente exakt auskoffern, ohne dass ein Polier oder Vermesser unterstützen muss. Das macht uns im Team wesentlich flexibler“, beschreibt Schmeing. Die neue Technologie habe sein Team gut angenommen. „Alle 60 Mitarbeitenden waren sehr offen. Sie sehen, dass ihnen dadurch die Arbeit erleichtert wird”, so Schmeing.
Die Digitalisierung ist bei dem Unternehmen längst noch nicht abgeschlossen. Mittelfristig sollen auch die Maschinen, die regelmäßig kalibriert und geprüft werden müssen, digital dokumentiert werden. „Wir wollen hier Daten über die Abnutzung einfließen lassen – etwa mithilfe von Sensortechnik –, sodass wir zum Beispiel frühzeitig Verschleißteile ersetzen können“, beschreibt Vermesser Janzen.
Für den Standort in Bocholt hat das Unternehmen ebenfalls Zukunftspläne. Am Recyclinghof will Schöttler seine bisherigen beiden Standorte bündeln: Verwaltung, Schlosserei und Maschinenpark sollen vom Ruenhorst in einen Neubau auf etwa 20.000 Quadratmetern am Bovenkerkesch umziehen. „Dazu sind die Verhandlungen noch im Gange“, erklärt Schmeing.