Wissenskick: „wertvoller Blick von außen“

Coesfeld
Sarah (links) und Julia Laakmann haben durch den Wissenskick Ideen, Werte und Handlungsvorschläge für die Kommunikation in ihrem Familienunternehmen bekommen. Foto: Giesker & Laakmann

Nottuln – Unterschiedliche Sichtweisen zu vereinbaren, ist nicht immer leicht – mit wissenschaftlichem Know-How kann das leichter gehen. Die Nottulner Spedition Giesker & Laakmann hat mithilfe des Kooperationsprojekts „Wissenskicks“ diese Chance für ihre Beschäftigten und das Team der Geschäftsführung genutzt.

Beim „Wissenskick“ bringt die wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH zusammen mit der WOP – Arbeitspsychologie Studierende des Masterstudiengangs Psychologie (Schwerpunkt Personal- und Wirtschaftspsychologie) der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster mit Unternehmen aus dem Kreis Coesfeld zusammen. Dabei können die Studierenden ein Semester lang ihr erworbenes Wissen in einem geschützten Rahmen in der Praxis anwenden und sich mit Themen befassen, die für die Unternehmen wichtig sind, aber im Alltagsgeschäft oft nicht im gewünschten Umfang und der erforderlichen Gründlichkeit bearbeitet werden können.

Bei Giesker & Laakmann haben sich im abgelaufenen Wintersemester zwei Studierenden-Teams mit der Kommunikation zwischen Disposition und den Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern sowie der Vorbildfunktion der Geschäftsführung auseinandergesetzt. „Wir überlegen schon etwas länger, wie wir als Geschäftsführung unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Werte und Ziele, die wir umsetzen möchten, vorleben können“, erklärt Julia Laakmann. „Da die Gesellschafterfamilie aus sechs Familienmitgliedern zwischen 25 und 57 Jahren besteht, die durchaus unterschiedliche Sichtweisen mitbringen, war der wissenschaftliche Blick von außen umso wertvoller für uns.“ Er habe gezeigt, wie erfolgversprechend die Zusammenarbeit unterschiedlicher Typen mit unterschiedlichen Interessen und Kompetenzen in der Gesellschafterfamilie sein kann. „Es ist eine große Chance, wenn man sich wertschätzendes Feedback gibt und nicht in typisch familiäre Diskussionsmuster verfällt“, erklärt Laakmann. Darüber hinaus haben die Studierenden der WWU nicht nur Werte visualisiert, sondern auch Handlungsmaßnahmen ausgearbeitet, wie sie vorgelebt werden können.

Optimale Kommunikationsstrukturen sind auch im täglichen Austausch zwischen der Disposition und den Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern das Ziel. „Dort ist der Konflikt fast vorprogrammiert, weil beide Parteien unterschiedliche Sichtweisen und Ziele verfolgen und die Disposition unter dem Druck der Geschäftsleitung und den Wünschen der Fahrer und Fahrerinnen steht“, erklärt Laakmann. „Während der eine möglichst viele Touren am Tag unterbringen möchte und die Situationen vor Ort nicht kennt, weiß der andere umso genauer um die Situationen und kann die Tourenpläne oft nicht nachvollziehen, was dann natürlich für Frust sorgt.“ Die Studierenden haben deshalb verschiedene Strategien entwickelt, um das Verständnis füreinander zu fördern und die Kommunikation zu verbessern – von gegenseitigen Hospitationen bis hin zu Teambuilding-Angeboten zwischen Fahrerinnen und Fahrern und den zuständigen Disponenten. „Die Studierenden haben uns auch noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Fahrerinnen und Fahrer zu kennen, da wir sie so selten sehen. Und dass eine Kommunikation mit der Disposition nicht nur stattfindet, wenn es Probleme gibt, sondern auch wenn es gut läuft“, so Laakmann.

Unternehmen aus dem Kreis Coesfeld, die beim Kooperationsprojekt „Wissenskicks“ mit den Psychologiestudierenden der WWU zusammenarbeiten möchten, können sich ab sofort für die vierte Runde anmelden. Sie findet von Mai bis Mitte Juli statt. Schwerpunkt ist die (virtuelle) Teamarbeit. Anmeldungen und weitere Infos bei Dr. Kirsten-Tacke Klaus (wfc), Mail kirsten.tacke-klaus@wfc-kreis-coesfeld.de. Anmeldefrist ist Mitte April.  

 

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