Volksbank Münsterland Nord: „Zeichen für ein kontinuierliches Wachstum“

Warendorf
Zogen Bilanz für 2021 (von links): Jürgen Feistmann, Ulrich Weßeler, Dietmar Dertwinkel, Hubert Overesch, Friedhelm Beuse, Thomas Jakoby und Andreas Hartmann. | Foto: Volksbank Münsterland Nord

Münster - Im ersten vollen Geschäftsjahr nach der Fusion ist die Volksbank Münsterland Nord (ehemals Volksbank Greven, VR-Bank Kreis Steinfurt und Volksbank Münster) weiter gewachsen. Die Bank schloss das vergangene Jahr mit einem Kundengeschäftsvolumen von knapp 16 Milliarden Euro (plus sieben Prozent) und einer Bilanzsumme von 7,1 Milliarden Euro (plus 2,1 Prozent) ab. „Das sind beeindruckende Summen und Zeichen für ein kontinuierliches Wachstum. Wir haben mit der Fusion den richtigen Weg eingeschlagen“, freute sich Vorstand Thomas Jakoby bei der Bilanzpressekonferenz in Münster.

Das Betriebsergebnis der Volksbank Münsterland Nord belief sich 2021 auf 55 Millionen Euro (plus 4,8 Prozent). Das Eigenkapital betrug 632 Millionen Euro (plus 6,4 Prozent), der Jahresüberschuss 10,2 Millionen Euro (Vorjahr: 6,4 Millionen Euro). 

Ein Treiber des Wachstums war erneut das Kreditgeschäft. Im vergangenen Jahr belief sich das Kreditvolumen auf 6,9 Milliarden Euro (plus sechs Prozent oder 400 Millionen Euro). Das Geld floss zum einen in die Finanzierung von Immobilien für Privatkunden, zum anderen vor allem an Bauträger. „Das Kreditgeschäft in der Region macht Freude! Das Münsterland war im vergangenen Jahr trotz Pandemie dank der robusten Geschäftsmodelle der heimischen Unternehmen ein stabiler Wirtschaftsraum und im Privatkundenbereich ein gefragter Immobilienstandort“, erklärte Jakoby. 

Weiter steigende Wertpapiernachfrage

Auch das Kundeneinlagengeschäft trug 2021 zum Wachstum der Bank bei: Es belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 9,1 Milliarden Euro (plus 7,7 Prozent). Diese Entwicklung wurde vor allem durch das Wertpapiergeschäft getragen. So stieg das betreute Depotvolumen um 7,7 Prozent und lag zum Jahresende bei 9,1 Milliarden Euro. Der zweite große Teil des betreuten Kundenvermögens – die bilanziellen Einlagen bei der Bank – stiegen allerdings lediglich um gut ein Prozent auf 5,2 Milliarden Euro (Vorjahr 5,1 Milliarden Euro). Vorstand Jürgen Feistmann erklärte: „Die Entwicklung zeigt uns, dass die hohen Zuflüsse im Bereich der Passiva sich erstmals seit vielen Jahren nicht wiederholt haben. Wir haben auch im Jahr 2021 eine weiter steigende Wertpapiernachfrage gesehen. Denn unsere Kunden haben sich in Zeiten von Negativzinsen und spürbarer Inflation verstärkt für renditeorientierte Anlageformen entschieden. Selbst angesichts des Kriegsausbruchs in der Ukraine können wir nicht feststellen, dass die Kunden aus dem Wertpapiergeschäft fliehen – im Gegenteil: Sie bewahren Ruhe und führen viele Gespräche mit unseren Beratern.“

Auswirkungen des Krieges

Klar ist aber aus Sicht des Vorstandes allerdings auch, dass der Krieg nicht spurlos an der regionalen Wirtschaft vorbeigehen werde: „Corona ist aktuell nicht mehr das Problem der Wirtschaft, auch wenn die Pandemie noch nicht vorbei ist. Vielmehr sind es die Auswirkungen des Krieges, sodass wir uns die Frage stellen, welche Folgen das für unser Bankgeschäft haben wird“. Für 2022 wollte Vorstand Jakoby daher keine genaue Prognose abgeben: „Wir planen auch aufgrund eines ordentlichen ersten Quartals vorerst auf Vorjahresniveau.“

Fusion mit der Volksbank Warendorf

Einen konkreten Blick in die Zukunft konnte Vorstand Hubert Overesch zumindest bei der geplanten Fusion mit der Volksbank Warendorf geben. Die beiden Institute streben eine strategische Partnerschaft für 2022/2023 an, um den Zusammenschluss vorzubereiten, und wollen dann 2024 fusionieren. Die Volksbank Warendorf sei ein „stabiles, leistungsfähiges Institut“ mit einer Bilanzsumme von 2,4 Milliarden Euro, einem Kundengeschäftsvolumen von 3,6 Milliarden Euro, 400 Mitarbeitern, 58.000 Mitgliedern und 20 Filialen. „Unser Institut ist zwar größer, aber beide Banken bewegen sich in ähnlichen Märkten, haben ein zusammenhängendes Geschäftsgebiet und identische Geschäftsmodelle“, verglich Vorstand Hubert Overesch. Gründe für die Fusion sind die anhaltende Niedrigzinsphase, die hohen regulatorischen Anforderungen an Banken und die digitale Transformation, in die die Volksbanken erheblich investieren wollen. Auch die Vorstandskonstellation – in der Volksbank Warendorf sind alle drei Vorstände älter als 60 – ließe sich gemeinsam besser neu entwickeln. „Vor diesem Hintergrund ist die Volksbank Warendorf mit einer Fusionsanfrage auf uns zugekommen. Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam mehr leisten können. Langfristig werden nur starke Institute, etwa mit einer Bilanzsumme über zehn Milliarden Euro, überleben können. Diese Summe können wir gemeinsam erreichen“, betonte Overesch. Ziel sei es, die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die fusionierte Bank hätte 375.000 Kunden, 190.000 Mitglieder, 1.400 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von etwa zehn Milliarden Euro. Overesch ist optimistisch: „Wir haben viel Zuspruch für den Zusammenschluss bekommen.“ Mit der Erweiterung des Geschäftsgebiets ins östliche Münsterland würde sich dann auch die Bezeichnung der Volksbank Münsterland Nord ändern. Ein konkreter Name stehe aber noch nicht fest.

„Wertefonds Münsterland Klima“ in Leben gerufen

Ein neues Projekt, das die Volksbank Münsterland Nord abseits der geplanten Fusion im laufenden Geschäftsjahr auf den Weg bringt, ist der „Wertefonds Münsterland Klima“. Mit diesem Aktienfonds sollen Investitionen von Unternehmen, die sich besonders für den Klimaschutz einsetzen, finanziert werden. „Dazu gehören zum Beispiel Betriebe, die nachweisbar ihre CO2-Emissionen deutlich zurückfahren oder Unternehmen, die einen relevanten Umsatzanteil im Bereich Klimaschutz erzielen“, erklärte Vorstand Overesch. Ziel sei es, mit dem Aktienfonds ein Kapitelwachstum für die Volksbank zu erreichen und eine „angemessene“ Rendite für die Anleger zu erzielen. Der Aktienfonds soll zum 1. September 2022 aufgelegt werden. 

Erster Bankenbus im Münsterland

Darüber hinaus soll ab November der erste Bankenbus durchs Geschäftsgebiet der Volksbank Münsterland Nord touren. Mit dem Bus will die Bank Beratungs- und Serviceleistungen mobil zu den Kunden vor Ort bringen. In dem Bus sind unter anderem ein Geldautomat, ein Kontoauszugsdrucker und ein SB-Terminal installiert. „Wir möchten unseren Kunden weiterhin eine persönliche Beratung gewährleisten und vor allem auch diejenigen Kunden, die selbst nicht mehr so mobil sind, erreichen. Allerdings können wir rein wirtschaftlich nicht überall persönliche Beratungsfilialen aufrechterhalten, insofern ist der Bankenbus eine gute Lösung“, betonte Overesch. Eine Arbeitsgruppe berät aktuell über die Haltepunkte und an welchen Tagen der Bus dort steht. „Geplant ist, zwölf bis 15 Standorte pro Woche anzufahren“, ergänzte Vorstand Dietmar Dertwinkel.
 

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