Mit Blick auf das Ziel, dass Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein will, betonten Mechtild Schulze Hessing (Bürgermeisterin Borken) und Eliza Diekmann (Bürgermeisterin Coesfeld): „Nur im engen Schulterschluss aller Verbrauchenden im privaten, gewerblichen und öffentlichen Bereich wird es uns gelingen, unser Klima und unsere Lebensgrundlage zu schützen. Um klimaneutral zu werden, ist eine Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien unabdingbar.“
Zurzeit werde in Deutschland rund die Hälfte der Primärenergie für die Beheizung von Wohnungen, für die Warmwasserbereitung und in der Industrie als Prozesswärme eingesetzt. Fossilen Energieträgern komme dabei nach wie vor eine dominierende Rolle zu, was sich mit Blick auf den Klimaschutz und zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit schnell und grundlegend ändern müsse.
Die Wärmewende könne jedoch nur auf lokaler Ebene erfolgreich bewältigt werden, weil Wärme – im Unterschied zu Strom und Gas – praktisch vollständig in räumlicher Nähe erzeugt und verbraucht würde. Gleichzeitig sei der Koordinierungsbedarf hoch, weil unterschiedliche Infrastrukturen, langlebige Investitionen und eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren betroffen seien. „Schon Anfang 2023 haben wir uns daher gemeinsam dazu entschlossen, mit der Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung zu beginnen“, erklärte Ron Keßeler, Geschäftsführer der Emergy. Die kommunale Wärmeplanung stelle ein Planungsinstrument zur langfristigen Gestaltung der Wärmewende dar: „Wir möchten mit der kommunalen Wärmeplanung zügig Planungs- und Investitionssicherheit schaffen für alle Akteurinnen und Akteure, für die Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch für Betriebe, Dienstleisterinnen und Dienstleister sowie Unternehmen“, erklärte Bürgermeisterin Schulze Hessing. Zugleich würden durch die Wärmeplanung die Weichen gestellt, um den Kohlenstoffdioxidausstoßes in den kommenden Jahren zu verringern.
Auf Basis einer Bestands- und Potenzialanalyse wird bei der kommunalen Wärmeplanung ein Zielszenario entwickelt. In diesem Szenario sollen die zukünftige Entwicklung des Wärmebedarfs und der Versorgungsstruktur abgebildet werden. Darauf aufbauend wird dann eine Wärmewendestrategie mit Handlungsstrategien und konkreten Maßnahmen entwickelt. „Uns ist es wichtig, die Menschen und die Wirtschaft in Coesfeld und Borken von Anfang an bei der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung mitzunehmen“, betonte Bürgermeisterin Diekmann.
Für die Erstellung der kommunalen Wärmeplanung durch ein Fachbüro bekommen die Partner eine Förderung nach der Kommunalrichtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in Höhe von 90 Prozent: Die Gesamtkosten für die Konzepterstellung belaufen sich auf rund 240.000 Euro, von denen somit 210.000 Euro vom Bund getragen werden. Den verbleibenden Eigenanteil von rund 30.000 Euro wollen sich die Städte Coesfeld und Borken teilen. Ziel ist es, den Auftrag für die Erstellung einer Wärmeplanung zeitnah an ein Fachbüro zu vergeben und die Planung dann bis Ende 2024 fertigzustellen.
Bei der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung profitieren die beiden Städte auch von der Teilnahme an einem Pilotprojekt der Landesagentur „NRW.Energy4Climate“. „Wir tauschen uns regelmäßig mit der Landesagentur und den Städten Köln und Mönchengladbach sowie dem Kreis Siegen-Wittgenstein aus“, erläuterte Bürgermeisterin Schulze Hessing.
Zudem planen die Städte Borken und Coesfeld gemeinsam mit der Emergy Anfang des kommenden Jahres Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger zur kommunalen Wärmeplanung.