„Nur Deutschland stagniert“
Hohe Energiepreise, eine anhaltende Investitionsschwäche, eine nachlassende Produktivität, hohe Arbeitskosten und ein noch nicht abgebauter Reformstau brachten Petersen zu dem Schluss: „Wir haben nicht nur ein Konjunkturproblem, sondern ein strukturelles Problem.“ Dabei sah Jaeckel gute Chancen für die Region: „Wir haben Potenzial, aber das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik muss wieder hergestellt werden.“
Deutlich wurde das „strukturelle Problem“ gerade im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften. „Die USA wächst und wächst, Großbritannien legt mit Ausnahme der Brexit-Delle zu, nur Deutschland stagniert“, stellte Petersen beim Blick aufs Bruttoinlandsprodukt fest. Hier gegenzusteuern, sei auch Aufgabe der Politik. „Die Reformvorhaben müssen durchgezogen werden“, so Petersen. Unternehmen bräuchten Planbarkeit. Eine „zweitbeste Lösung“ sei deshalb besser als gar keine, auch um Investitionen wieder anzukurbeln. Denn die liegen in Deutschland noch immer unter dem Niveau der Zeit vor Corona. Gefordert wurden Investitionsanreize wie verbesserte Möglichkeiten für Abschreibungen, die sich sehr schnell positiv auswirken könnten.
Demografischer Wandel im Fokus
Im Vergleich zur Emscher-Lippe-Region – wo das Interesse an Investitionen grundsätzlich vorhanden sei, die energieintensiven Unternehmen aber vor allem die hohen Energiepresie spüren – stelle sich das von Familienbetrieben geprägte Münsterland anderen Herausforderungen. Jaeckel nannte vor allem die demografische Entwicklung. Sie führe dazu, dass vielen kleineren und mittleren Unternehmen die Nachfolgerinnen und Nachfolger fehlen. Die Gefahr: „Gesunde Betriebe können vom Markt verschwinden.“ Viele Unternehmen würden zudem gerne expandieren, dafür bräuchten sie aber Arbeitskräfte. Deshalb machten sich Betriebe vermehrt Gedanken darüber, wie sie mit Hilfe von KI ihr Geschäftsmodell verbessern oder sich ganz neue Geschäftsmodelle erschließen. Das gilt nicht nur für Nord-Westfalen. Ob Softwareanwendungen, Robotik, Sensorik, Maschinenbau oder selbstfahrende Autos: Auf diesen und weiteren Feldern können deutsche Unternehmen als Zulieferer „einen Fuß in die Tür bekommen“, gab sich Weidensteiner optimistisch.