„Wir sind überzeugt, dass eine engere Zusammenarbeit neue Chancen in den Bereichen Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Innovation eröffnet. Diese Potenziale wollen wir zur strategischen Weiterentwicklung der Grenzregion nicht ungenutzt lassen“, erklären Fietzek und Hoogland. Zwischen Landkreis und Provinz bestehen seit Jahren vielfältige Kooperationen auf unterschiedlichen Gebieten, etwa in den Bereichen Mobilität, Arbeit und Bildung, Sicherheit und Katastrophenschutz, Wirtschaft oder Naturschutz. Ziel des „Letter of Intent“ sei es laut Fietzek und Hoogland nun, die Region insbesondere als grenzüberschreitenden Standort für Sicherheit und Resilienz national wie international sichtbar zu machen, weiterzuentwickeln und somit einen Beitrag für die europäische Sicherheit zu leisten.
Niederländisches Militär an Depot interessiert
Als erstes konkretes Handlungsfeld rückt das ehemalige Bundeswehrdepot in Itterbeck in den Fokus. Das Gelände, das sich in Privateigentum befindet, kommt als möglicher Ausbildungs- und Übungsstandort für die niederländischen Streitkräfte in Frage. Das niederländische Militär ist auf der Suche nach einem geeigneten Areal, auf dem sich die militärische Grundausbildung – das sogenannte „Dienjaar“ und das „Nationale Weerbaarheidstraining-NWT“ – umsetzen lässt. Das ehemalige Depot biete dafür aufgrund seiner Größe, der vorhandenen Hallen, der bestehenden Infrastruktur und insbesondere seiner grenznahen Lage ideale Voraussetzungen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Hinsichtlich einer möglichen künftigen Nutzung stünden die Eigentümer des Depotgeländes und das niederländische Militär derzeit in engem Austausch. Nach ersten Planungen könnte bereits im November ein erstes 14-wöchiges Feldtraining mit rund 250 Personen in Itterbeck starten. Ab 2028 könnte dort dann für zunächst fünf Jahre eine Trainingseinrichtung für bis zu 500 Personen entstehen.
„Deutschland und die Niederlande investieren derzeit kräftig in die Verteidigung und die Verteidigungsindustrie. Das bietet auch neue Chancen für unsere Grenzregion, zum Beispiel bei Übungsstandorten und Ausbildungseinrichtungen. Wir arbeiten hier schon seit Langem sehr erfolgreich zusammen. Und gerade mit Blick auf unsere gemeinsame Sicherheit – in Deutschland, den Niederlanden und in Europa – wollen wir diese Zusammenarbeit noch weiter ausbauen“, betont Hoogland. Er verweist darauf, dass er als ehemaliger Oberst der niederländischen Streitkräfte einige Zeit in Münster gearbeitet habe. Dort habe er selbst erlebt, wie gut deutsche und niederländische Soldatinnen und Soldaten zusammenarbeiten.
Auch Fietzek bekräftigt: „Wir müssen uns der veränderten Sicherheitslage in Europa stellen. Die niederländische Regierung plant einen Ausbau der militärischen Forschung, technologischen Entwicklung und Innovationsfähigkeit. Die Provinz Overijssel möchte sich diesbezüglich als Standort positionieren und sucht dafür einen deutschen Partner – und dieser Partner wollen wir sein.“ Gleichzeitig stellt er klar, dass eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich Verteidigung nicht mit einer Entwicklung der Grafschaft zu einer Rüstungsregion einhergehe: „Es geht ausdrücklich nicht darum, Panzer oder schwere Waffen nach Itterbeck zu holen. Im Mittelpunkt stehen Ausbildung und Training sowie die damit verbundenen technologischen und wirtschaftlichen Potenziale für die Region.“ Eine mögliche Nutzung des Depots könne für Itterbeck und Uelsen wirtschaftliche Impulse bringen. „Wenn künftig niederländische Streitkräfte in der Grafschaft ausgebildet werden, hat das natürlich Auswirkungen. Kaufkraft, Infrastruktur und Dienstleistungen können davon profitieren. Gerade für Uelsen und Itterbeck ist das eine Entwicklungschance, die wir jetzt ergreifen sollten“, so der Landrat. Perspektivisch könnte dies auch den Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrsinfrastruktur, etwa mit einer Bahnanbindung von Itterbeck in Richtung Niederlande, unterstützen.
Weitere Bereiche im Fokus
Die Frage über die künftige Nutzung des Depotgeländes hinaus sei aber nur ein Aspekt des „Letter of Intent“. Sowohl der Landkreis Grafschaft Bentheim als auch die Provinz Overijssel wollen Unternehmen, Kommunen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen künftig stärker miteinander vernetzen und Potenziale in den Bereichen Technologie, Innovation, Forschung, Produktion und Aus- und Weiterbildung erschließen. „Daraus können ganz neue Wertschöpfungsketten, Kooperationen und Investitionen entstehen, von denen die Wirtschaft der gesamten Grenzregion profitiert“, sind sich Fietzek und Hoogland sicher. Auf Seiten des Landkreises hat die Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim bereits signalisiert, dass sie diesen Prozess unterstützen will.
Land Niedersachsen unterstützt Kooperation
Unterstützung für die vertiefte Zusammenarbeit kommt auch vom Land Niedersachsen. Europa- und Regionalentwicklungsministerin Melanie Walter begrüßt die Initiative von Landkreis und Provinz: „Grenzen trennen Staaten, aber sie müssen keine Regionen trennen. Zwischen dem Landkreis Grafschaft Bentheim und der Provinz Overijssel erleben wir seit vielen Jahren genau das Gegenteil. Die Grenze ist für uns kein Ende von Zuständigkeit und Zusammenarbeit, sondern ein Raum, in dem Menschen, Unternehmen, Kommunen und Institutionen längst eng miteinander verbunden sind.“ Die Ministerin werte den „Letter of Intent“ als klares Bekenntnis, die deutsch-niederländische Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und sie auf Themen auszudehnen, die für die gemeinsame Zukunft wichtig sind. Das Land Niedersachsen hat mit einer Änderung seiner Verfassung im März 2026 sogar ausdrücklich festgeschrieben, dass es mit anderen europäischen Regionen zusammenarbeitet und die grenzüberschreitende Kooperation unterstützt.