Kreis Borken

IHK-Außenwirtschaftsausschuss: Druck aus China, Krise am Golf

Heek – Der Außenwirtschaftsausschuss der IHK Nord Westfalen traf sich in der vergangenen Woche bei 2G Energy in Heek. Diskutiert wurde über geopolitische Krisen, den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China und bürokratische Vorgaben der EU. Trotz der schwierigen Lage blickten die Mitglieder des Ausschusses optimistisch in die Zukunft und witterten Chancen.

2G Energy war Gastgeber des IHK-Außenwirtschaftsausschusses. André Banken, Director International Business Development, führte die Mitglieder durchs Unternehmen. Foto: IHK

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IHK-Außenwirtschaftsexperte Gerhard Laudwein empfahl angesichts der für Handelspartner unsicheren sowie unvorhersehbaren Außenhandelspolitik der USA, andere Märkte verstärkt in den Blick zu nehmen: „Das Handelsabkommen Mercosur mit südamerikanischen Staaten ist seit Mai in Kraft, die inhaltlichen Verhandlungen mit Indien und Indonesien befinden sich auf der Zielgeraden“, erklärte er. Schon im kommenden Frühjahr könnten hier Abkommen abgeschlossen werden.

Blick in den Nahen Osten und nach China

Karin Zangerl, Büroleiterin bei der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer (AHK), war aus Abu Dhabi zugeschaltet. Sie warb trotz der anhaltenden Krise in der Golf-Region für die dortigen Geschäftschancen. Energie und Netze, kritische Infrastruktur, Logistik, Wasser- und Ernährungssicherheit sowie KI- und digitale Infrastruktur nannte sie als Bereiche, in denen auch Unternehmen aus Nord-Westfalen Chancen haben. Die Ausschussmitglieder zeigten sich interessiert, berichteten aber aus ihrer Praxis über Unsicherheiten auf den Schifffahrtsrouten, Lieferengpässe und Verzögerungen im Warenverkehr. „Besonders ins Gewicht fallen die deutlich gestiegenen Transport- und Versicherungskosten“, hieß es. Containertransporte seien dadurch teilweise dreimal so teuer wie vor der Krise.

Kein einfacher Handelspartner sei auch China, teilt die IHK mit. Zwei Drittel der Unternehmen spüren einen zunehmenden Druck durch chinesische Wettbewerber, hat eine aktuelle Umfrage der DIHK ergeben. Den regionalen Betrieben geht es nicht anders, vor allem im Maschinen- und Anlagenbau. „Chinesische Anbieter sind vielfach deutlich günstiger geworden und erfüllen häufiger individuelle Kundenanforderungen“, stellte ein Ausschussmitglied fest. Innovation, technologische Kompetenz und der Service blieben aber Stärken deutscher Unternehmen. Um diese ins Spiel zu bringen, „brauchen sie einen wirtschaftspolitischen Rahmen in Europa, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“, so der Tenor.

Herausforderungen durch EU-Bürokratie

Da allerdings – so die IHK – gebe es Handlungsbedarf, zum Beispiel bei Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM der EU stellt viele Importeure vor praktische Schwierigkeiten: Sie müssen Emissionsdaten ihrer Lieferanten angeben, doch die fehlen häufig. „Dann wird stattdessen mit Standardwerten gearbeitet, die unrealistisch hoch und damit zu teuer sind“, erklärte IHK-Experte Laudwein. Auch bei der EU-Entwaldungsverordnung gibt es Zweifel an der Praxistauglichkeit. Mittlere und große Unternehmen müssen ab 30. Dezember, kleine und kleinste Unternehmen ab 30. Juni die Vorgaben erfüllen. Die Verordnung soll sicherstellen, dass keine Produkte aus illegal entwaldeten Gebieten in die EU gelangt. 

Trotz allem blicken die Mitglieder des Ausschusses verhalten optimistisch nach vorne, berichtet die IHK weiter. Sie wollen bestehende Auslandsmärkte weiter ausbauen und neue internationale Geschäftsmöglichkeiten erschließen, auch um die Unsicherheiten im deutschen Markt auszugleichen.

Über den Außenwirtschaftsausschuss der IHK

Der Außenwirtschaftsausschuss der IHK Nord Westfalen setzt sich aus rund 30 ausgewählten international tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen. Sie beraten die von den über 150.000 Mitgliedsunternehmen gewählte IHK-Vollversammlung in außenwirtschaftlichen Fragestellungen.


 

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