Erstmals trat in Münster Thomas Schmidt, bisher Vorstand der Warendorfer Volksbank, an, um die Zahlen der deutlich vergrößerten Bank zu präsentieren – und zugleich noch einmal einen Rückblick auf einen fast vierjährigen Prozess zu werfen, der Ende 2024 auch technisch abgeschlossen wurde. „Wir waren mit der Fusion vor der Zeit fertig“, so Schmidt, „und das ohne Störungen.“ Gleichwohl gab er zu, dass vor allem die Kunden der bisherigen Warendorfer Volksbank einige Umstellungen hätten akzeptieren müssen.
Der Gedanke selbst, „vor der Welle zu sein“, habe die beiden Bankhäuser angetrieben. Agieren, nicht reagieren: Das sei der Kurs gewesen, der einzuschlagen war, so Schmidt. Denn nur die neue Größe sichere die Zukunft. Die Botschaft, die in Münster am Mittwoch deutlich formuliert wurde: Man sei jetzt eine große Volksbank, aber wolle die Regionalität, die Verbundenheit ins Münsterland, unbedingt beibehalten. Im Klartext: Schließungen weiterer Standorte seien derzeit nicht geplant. „Wo uns die Kunden haben wollen, bleiben wir auch“, betonte Vorstand Dietmar Dertwinkel.
Wirtschaftlich sieht sich die Volksbank gut aufgestellt. Zwar sei das Geschäftsjahr 2024 durch die Fusion beeinflusst, sodass letztlich nur das vierte Quartal unter gemeinsamem Dach zu bewerten sei, doch hier deuten die Zahlen eine solide Lage an.
Wertpapierbereich wächst stark
Ein starkes Wachstum von 12 Prozent hat die Volksbank im Wertpapierbereich erzieltt - auf nun 6,392 Milliarden Euro. Bei den Kundeneinlagen fiel das Plus mit 1,9 Prozent (auf 7,737 Milliarden Euro) etwas überschaubarer aus. Insgesamt kommt die Bank so auf Einlagen im Wert von 14,129 Milliarden Euro.
Im Kundenkreditgeschäft kommt die Volksbank nun auf insgesamt 10,614 Milliarden Euro. Insbesondere das vierte Quartal habe hier noch einmal einen richtigen Schub gegeben, so Schmidt während der Präsentation. „Im neuen Haus wird deutlich mehr Kreditgeschäft möglich sein, das zeigt sich an den jüngsten Zahlen“, schaute er voraus.
Das betreute Kundengeschäft wuchs 2024 um 5,3 Prozent auf sogar 24,744 Milliarden Euro - ein Höchstwert, wie die Bank erklärt,
Diesen Zahlen stünden aber auch gestiegene Verwaltungsaufwände gegenüber. Mit einem Plus von 4,9 Prozent liege man jetzt bei rund 172 Millionen Euro, so Schmidt. Das sei allerdings vor allem durch Tarifsteigerungen und die Fusion zu erklären. Gleichwohl sei es jetzt wichtige Aufgabe, die Aufwände zu senken. Die Mittel dazu? Digitalisierung und KI.
Bei der Cost Income Ratio, also dem Aufwand-Ertrag-Verhältnis, liege die Volksbank bei etwa 58 und bleibe damit im wirtschaftlichen Bereich. „Perspektivisch wird das aber nicht reichen“, schaute Schmidt voraus. Hier und da werde schon ein Zielwert von um die 50 genannt. „Das ist schon eine Herausforderung, aber wir liegen gut im Rennen.“
Das Fazit der Volksbank fällt insgesamt positiv aus: „Was wir uns vorgenommen haben, haben wir betriebswirtschaftlich auch abgebildet. Das ist ganz klar ein Erfolg“, so Schmidt.
Um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen, baut die Volksbank ihr Geschäft an verschiedenen Stellen aus. Nicht nur rein physisch durch Sanierungen und Umbauten in vielen Niederlassungen und Standorten. Auch das Kerngeschäft rückt weiter in die Fläche: Die Werte-Bank Münsterland für den Bereich Private Wealth erhält demnächst in der Emsdettener Villa Schaub einen weiteren Standort. Das klassizistische Gebäude war zuletzt vermietet, gehörte aber der Volksbank und sei jetzt der perfekte Ort für die Ausweitung des Privatkundengeschäfts. Mit einem Gesamtwertpapiervolumen von rund 1,125 Milliarden Euro belege die Werte-Bank ihre Daseins-Berechtigung. Insgesamt betreut die Volksbank hier 1.559 Mandanten - 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 481 Millionen Euro entfallen auf die Vernögensverwaltung.
Drei Zeit-Horizonte
Wie geht es jetzt weiter? Die Volksbank im Münsterland hat sich für die kommenden Monate und Jahre drei Zeit-Horizonte vorgenommen: Ergebnissicherung, Wachstum und Transformation. Es gehe dabei darum, die bestehenden Strukturen, Produkte und Angebote beider bisherigen Bankhäuser zu integrieren und harmonisieren, dann gemeinsame Geschäftsfelder auszubauen und Synergien zu heben – um dann perspektivisch in digitale Transformation oder innovative neue Geschäftsfelder zu entdecken.
Vorstand Jürgen Feistmann verwies dabei auf die vielen Herausforderungen: Kriege, Druck aus fernen Handelsmärkten, aber auch eine fragile politische Lage. „Das alles hat Folgen für die Lieferketten und letztlich für die Wirtschaft.“
Mahnungen
Feistmann nutzte den Anlass, um der Politik ein paar Botschaften mit auf den Weg zu geben. „Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit“, formulierte er. „Noch mehr Staat kann nicht die Lösung sein. Man kann zur aktuellen Entscheidung über die Schuldenbremse unterschiedlicher Meinung sein, aber Sparen wird angesagt sein. Ohne Spardruck gibt es keinen Druck für Reformen.“
Der Standort Deutschland verliere immer weiter an Attraktivität, so Feistmann. Zu hohe Energiekosten, zu hohe Unternehmenssteuern – und eine überbordende Bürokratie. „Heute stellen Unternehmen die Standortfrage, die vor wenigen Jahren noch nicht einmal darüber nachgedacht hätten.“
Feistmann: „Die Unternehmen müssen sich jetzt einfach wieder mehr mit Aufträgen beschäftigen können und weniger mit Regulatorik. Dafür braucht es den politischen Willen zu Reformen.“ Der Volksbank-Vorstand betonte aber auch, dass Regionalbanken in schwierigen Zeiten stets ein Wirtschaftsmotor seien. „Das wird auch diesmal so sein. Aber die aktuellen Beschlüsse der Regierung werden nur wirken, wenn sie mit Reformen einhergehen.“
Feistmann: „Ich wünsche der neuen Regierung wirklich Glück, sonst erwartet uns in vier Jahren ein blaues Wunder.“
Großprojekt Münster - und mehr...
Der bisherige Hauptsitz an der Neubrückenstraße in Münster wird seit Herbst 2024 umfassend saniert und umgebaut. Auch zu diesem Projekt gab es am Mittwoch ein Update: Die Entkernungsarbeiten verliefen planmäßig, so Vorstand Feistmann. Bisher sei man nicht auf unerwartete Probleme gestoßen.
Während der Umbauzeit hat die Volksbank in Münster in einem alten Jeansladen eine temporäre Heimat gefunden. Mit Blick auf die nachhaltige Entwicklung sei darauf geachtet worden, Möbel und Ausstattung weitgehend im späteren Neubau wieder einsetzen zu können.
Nicht nur in Münster wird gebaut: Auch an anderen Standorten verfolge die Volksbank den Plan, zu sanieren. Die Filiale in Borghorst beispielsweise sei energetisch saniert worden und werde in Kürze wieder eröffnet. In Sendenhost wurde der Umbau gestartet und soll Ende 2025 abgeschlossen sei. In Telgte an der Steinstraße ist der Prozess noch ganz frisch, hier solle im Jahr 2025 der Bauantrag gestellt werden, so Feistmann.