Wadersloh

„Tolle Visitenkarte für unseren Standort“

Mit einem Ergebnis von mehr als 80 Prozent wurde Christian Thegelkamp im September für eine vierte Amtszeit als parteiloser Bürgermeister von Wadersloh wiedergewählt. Im Interview spricht er darüber, wie sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren entwickelt hat, aber auch über Wünsche und Projekte.

Christian Thegelkamp, Bürgermeister Foto: Gemeinde Wadersloh

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Herr Thegelkamp, die heutige Gemeinde Wadersloh ist mit 50 Jahren im Vergleich zu benachbarten Städten wie Münster oder Bielefeld eher ein „Jungspund“. Sie haben die Kommune über mehr als 15 Jahre hinweg als Bürgermeister begleitet und wurden im September bereits zum dritten Mal wiedergewählt. Was bedeutet Ihnen das eigentlich persönlich? 

Das freut mich natürlich, das ist doch klar. Wenn man in die vierte Wahlperiode geht, ist das auch ein Auftrag. Und der ist das Ergebnis eines intensiven Teamworks, an dem viele beteiligt sind: gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch eine gute Kommunikation und gegenseitiges Wohlwollen. Wenn ich mich dauernd mit irgendjemandem anlege, dann darf ich mich nicht wundern, wenn mir niemand hilft. Es ist also immer ein Geben und Nehmen, im positiven Sinne.

Das Gemeindejubiläum hat Wadersloh auf verschiedene Arten gefeiert, zuletzt bei der Gewerbeschau. Wie haben Sie diese Veranstaltung erlebt? 

Sehr positiv! Wir hatten rund 60 Aussteller auf einer Fläche von fast 5.000 Quadratmetern, darunter Einzelbetriebe, aber auch größere Unternehmen. Das war schon ordentlich für eine kleine Gemeinde. Wir mussten einige Herausforderungen meistern, unter anderem steigende Kosten. Aber trotzdem haben wir es geschafft – und darauf bin ich wirklich stolz. Es war eine tolle Visitenkarte für unseren Standort, sowohl bürgerschaftlich, kulturell als auch wirtschaftlich. 

Beim Stichwort Unternehmen: Die Gewerbesteuer spielt eine wichtige Rolle in der Finanzierung der Gemeinde. Wie schätzen Sie grundsätzlich die wirtschaftliche Lage vor Ort ein? 

Die Gewerbeschau hat noch einmal eindrucksvoll bestätigt, dass der Mittelstand unser Land trägt. Natürlich gibt es in Wadersloh auch große Konzerne, die international agieren, wie zum Beispiel Gloria. Aber die eigentliche wirtschaftliche Stärke kommt vom Mittelstand. Als ich hier anfing, lag die Gewerbesteuer bei unter drei Millionen Euro. Im Vergleich zu anderen Regionen war das also ein relativ gewerbesteuerschwacher Standort. Aber seitdem hat sich viel getan: Im Jahr 2022 haben wir knapp sieben Millionen Euro erreicht und 2024 lagen die Gewerbesteuereinnahmen bei über acht Millionen Euro. Aber natürlich gibt es auch Bereiche, in denen wir noch Potenzial sehen. Der wichtigste Punkt sind sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Wir haben große Unternehmen, die Zulieferer für die Automobilindustrie sind, und auch die kämpfen mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Die allgemeine Wirtschaftslage zeigt auch bei uns Auswirkungen. 

Für Wachstum braucht es Platz für Unternehmen. Haben Sie den in Wadersloh noch?   

Ein bisschen Fläche können wir noch anbieten, aber viel Platz ist nicht. Als Gemeinde arbeiten wir daher daran, attraktive Gewerbeflächen bereitzustellen. Wie schwierig das ist, muss ich Ihnen sicher nicht erklären... 

Schauen wir einmal aufs große Ganze. Welche Stärken hat Wadersloh und mit welchen Aspekten können Sie besonders punkten? 

Wir haben eine bürgerliche Gesellschaft, die liberal und überschaubar ist, mit sehr netten Menschen und einem entspannten Wohnumfeld. Wer hier lebt, schätzt kurze Wege und eine gute In­frastruktur. Wir bieten alle Schulformen an – von den Grundschulen in allen Ortsteilen bis zum privaten Gymnasium. Unsere medizinische Versorgung ist gut: In jedem Ortsteil gibt es Hausärzte und Zahnärzte, was in einer kleineren Gemeinde nicht selbstverständlich ist.  

Zu den Standortfaktoren gehören auch Themen wie Breitband oder Energie.  

Beim Thema Breitband sind wir fast vollständig versorgt. Bis auf einige wenige Restadressen im Außenbereich haben wir bereits 3.700 Haushalte im innerörtlichen Bereich und in den Außenbereichen mit Glasfaser versorgt. Mit Blick auf das Thema Energie: Hier haben wir unser eigenes Stromnetz zurückgeholt und die Wadersloh Wind GmbH gegründet. Die Gewinne aus der Windkraft gehen auch an unsere Bürgerstiftung und werden für kulturelle und soziale Projekte verwendet. Das ist eine besondere Konstruktion, die es so woanders wohl kaum gibt.  

Was steht denn noch auf der Agenda, was muss noch verbessert werden? 

Wir haben die Infrastruktur in den vergangenen Jahren massiv verbessert. Vieles haben wir noch während der Niedrigzinsphase umgesetzt, beispielsweise das neue Feuerwehrgerätehaus. Aber natürlich gibt es noch Projekte, die wir in der laufenden Wahlperiode anpacken wollen. Ein großes Projekt ist die Renovierung des Klosterhofs in Liesborn. Und wir müssen die Schülerbeförderung am Gymnasium Johanneum reorganisieren, ebenso wie die Überarbeitung unseres Bauhofes – auch das wird in dieser Amtszeit noch angegangen. Ich möchte mich aber auch den gesellschaftlichen Veränderungen widmen: Wir müssen mehr tun, um das Zusammenleben zu fördern und die Menschen miteinander in Kontakt zu bringen – sei es durch kleine Projekte wie ein gemeinsames Straßenfest oder durch andere soziale Initiativen. Solche Themen müssen wir auch angehen. 

Abschließend noch eine persönliche Frage: Welche Orte in Wadersloh, Diestedde oder Liesborn haben Sie besonders ins Herz geschlossen? 

Das ist eine schwere Frage, denn jeder Ort hat seine besonderen Plätze. In Wadersloh mag ich den kleinen Quellbrunnen direkt an der St. Margareta Kirche. Da setze ich mich im Sommer gern mal hin, um zu entspannen. In Diestedde ist das Schloss Crassenstein ein wunderschöner Ort. In Liesborn ist die Kirche Ss. Cosmas und Damian mit ihrem historischen Charme besonders schön, und natürlich das Museum Abtei Liesborn – ein Ort, an dem Geschichte und Kultur aufeinandertreffen. Aber auch die barocke St. Georg Kapelle in Göttingen ist ein echter Geheimtipp. Ich liebe es, dort die Ruhe zu genießen. 

Das Interview führte Carsten Schulte
 

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