Schöppingen

Franz-Josef Franzbach: „Langweilig wird mir nicht“

Schöppingen - Ende Oktober 2025 ist Schluss. Dann will Bürgermeister Franz-Josef Franzbach in den Ruhestand gehen. Über die Projekte, die er in seiner letzten Amtszeit in Schöppingen noch auf den Weg bringen möchte, welche Ereignisse ihn als Bürgermeister besonders bewegt haben und über seine Pläne für den Ruhestand spricht er im Interview.

Franz-Josef Franzbach, Bürgermeister Gemeinde Schöppingen Foto: Anja Wittenberg

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Herr Franzbach, bei der Kommunalwahl 2025 kandidieren Sie – nach dann zehn Jahren im Amt – nicht mehr erneut als Bürgermeister von Schöppingen. Warum möchten Sie aufhören?
Weil es an der Zeit ist, die jüngere Generation ans Ruder zu lassen. Ich bin seit über 50 Jahren im öffentlichen Dienst tätig und werde im Februar kommenden Jahres 65 Jahre alt – damit wäre ich schon 70 Jahre alt, wenn ich meine erneute Amtszeit beenden würde. Deshalb ist es ein guter Zeitpunkt und ein passendes Alter, im kommenden Jahr aufzuhören.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit danach?
Ich möchte mich vor allem mehr um meine Familie und um meine beiden Enkelkinder kümmern. Als Bürgermeister habe ich naturgemäß viele Abend- und Wochenendtermine, sodass die Familie in den vergangenen Jahren ein bisschen zu kurz gekommen ist. Das möchte ich gerne ein stückweit aufholen und darauf freue ich mich sehr. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass ich mich ehrenamtlich im sozialen Bereich engagiere. Und im heimischen Garten wäre auch noch so einiges zu erledigen, das ich in Angriff nehmen möchte – langweilig wird mir also ganz sicher nicht. 

In Ihrer Amtszeit als Bürgermeister haben Sie zahlreiche Projekte und Entscheidungen begleitet. Gab es ein Erlebnis, das Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben ist?
Eine Sache, die mich lange beschäftigt hat, waren die Diskussionen um das Neubaugebiet am Schöppinger Berg. Damals hatte sich eine Bürgerinitiative geformt, die gegen die Ausweisung des – aus meiner Sicht sinnvollen – Baugebiets war, unter anderem aus landschaftlichen Gründen. Das waren sehr hitzige Diskussionen im Bauausschuss sowie mit den Bürgerinnen und Bürgern. Letztendlich ist das Baugebiet vom Oberverwaltungsgericht gestoppt worden. Ein Ereignis, an das ich mich allerdings sehr gerne erinnere, ist das Regionale-Projekt „Kraftwerk Künstlerdorf Schöppingen“. Es wurden innovative Modelle entwickelt, mit denen sich in Zukunft vielleicht auch regenerative Energie gewinnen lässt und die gleichzeitig einen künstlerischen Anspruch haben. Im Rahmen der Regionale 2016 ist auch die Kulturhalle „Kraftwerk“ – eine ehemalige Fabrikhalle – entstanden, die bis heute ein wichtiger Anlaufpunkt für Kultur und Events in Schöppingen ist. Ob Theater, Ausstellungen, Konzerte, Tagungen oder Podiumsdiskussionen – das Gebäude ist vielfältig nutzbar, ermöglicht kreatives Arbeiten und fördert den Dialog untereinander. Auch an die Sanierung des Rathauses sowie die Aufwertung des Ortskerns, unter anderem durch die Installation von Kunstwerken und den Wasser-Kraft-Spielplatz, denke ich gerne zurück.

Eine Entwicklung, die die Kommunen in den vergangenen Jahren und auch aktuell wieder besonders herausfordert, ist die zunehmende Anzahl geflüchteter Menschen. Schöppingen ist Standort einer sogenannten Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge, kurz ZUE. Der Gemeinderat hat sich unter breiter Bürgerbeteiligung für die Fortsetzung der ZUE und gegen ein Baugebiet auf dem Gelände ausgesprochen. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
Mit der ZUE schaffen wir seit 1992 für Menschen, die durch Krieg und Flucht schlimme Zeiten erlebt haben, zunächst eine sichere Bleibe. Schöppingen hat sich dadurch zu einer weltoffenen, toleranten Gemeinde entwickelt. Vor diesem Hintergrund und auch weil der Druck durch die aktuelle Flüchtlingssituation wieder sehr hoch ist, haben wir uns gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern mit deutlicher Mehrheit dazu entschieden, die ZUE in Schöppingen für weitere Jahre fortzusetzen. Rund 400 Menschen können wir dort unterbringen, es gibt eine Kinderkrippe, Sportmöglichkeiten und viel Grün rund um die Anlage. Das macht die ZUE zu einer Vorzeigeeinrichtung. Für unsere Gemeinde hat das auch Vorteile, das möchte ich gar nicht verhehlen: Denn durch die ZUE bekommen wir keine geflüchteten Menschen zugewiesen, die im Verfahren sind oder ursprünglich abgelehnt wurden. Wir bekommen nur Flüchtlinge zugewiesen, die auch tatsächlich eine Option haben, zu bleiben, und sich hier eine neue Existenz aufbauen möchten. In der Summe sind das aber weniger als in anderen Kommunen, da die Menschen aus der ZUE schon für unsere Flüchtlingsquote zählen. Insofern stellt sich die Wohnungsproblematik nicht so stark dar wie in anderen Kommunen und auch personell müssen wir weniger Ressourcen aufbringen. Ganz uneigennützig war diese Entscheidung also nicht – im Ergebnis ist es eine gute Sache für alle Beteiligten. 

Welche Stimmung nehmen Sie zurzeit in der Wirtschaft vor Ort wahr?
Die aktuellen Gewerbesteuerzahlungen in Schöppingen haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben mit Einnahmen von rund 6,3 Millionen Euro gerechnet und es sind nun deutlich mehr geworden, was darauf hindeutet, dass es der Wirtschaft in Schöppingen gut geht. Dennoch verspüre ich aufgrund der aktuellen Weltlage auch eine gewisse Unsicherheit bei den Unternehmerinnen und Unternehmern. Den Standort Schöppingen sehe ich aber gut aufgestellt, auch vor dem Hintergrund der geplanten Projekte. Wir werden zum Beispiel noch weitere Windräder in der Gemeinde bauen. Die Windkraft ist ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Kommune und mit den Bürgerwindgesellschaften ist die Wertschöpfung vor Ort sehr hoch. Immerhin stammt etwa jeder fünfte Gewerbesteuer-Euro aus der Windkraft! Auch der IT-Bereich mit Shopware sowie zum Beispiel die Nahrungsmittelbranche und der Maschinenbau mit diversen leistungsstarken Unternehmen prägen die Gemeinde positiv. In der Summe ist die Schöppinger Wirtschaft breit aufgestellt, sodass nicht der gesamte Standort leidet, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät. Das macht die Lage in Schöppingen stabil. Trotzdem gibt es natürlich hier und da Herausforderungen, mit denen die Unternehmen umgehen müssen. 

Welche?
Das ist vor allem der Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel, der branchenübergreifend die Betriebe betrifft. Auch in der kommunalen Verwaltung haben wir damit zu kämpfen. Deshalb bilden wir auch mehr junge Menschen aus als früher, damit wir genügend Nachwuchs aus den eigenen Reihen generieren können. Ein weiteres Thema ist die Flächenverfügbarkeit. Aktuell gehen wir zwei Gewerbegebietserweiterungen an, da wir zurzeit keinen Quadratmeter Gewerbefläche mehr frei haben. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir perspektivisch wieder Flächen vorhalten können. 

Und wie können Sie als Gemeinde beim Fachkräftemangel helfen?
Wir beteiligen uns an verschiedenen Aktionen der WFG für den Kreis Borken – zum Beispiel an der kreisweiten „Nacht der Ausbildung” – und des Münsterland e.V., um junge Menschen und ausgebildete Fachkräfte auf unsere Gemeinde aufmerksam zu machen, ihnen das Onboarding in den Unternehmen zu erleichtern und um Unternehmen bei der Personalsuche unter die Arme zu greifen. Wir selbst veranstalten gemeinsam mit der Stadt Horstmar und der Gemeinde Laer jedes Jahr eine Ausbildungsmesse. Dort kommen alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen zusammen und informieren sich über die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten in den drei Kommunen. Die Messe, die in diesem Jahr in der Produktion bei Axa Maschinenbau in Schöppingen stattgefunden hat, war wieder gut besucht.

Lassen Sie uns zum Schluss einen Blick auf Ihr kommendes, letztes Amtsjahr werfen: Welche Projekte stehen für Sie ganz oben auf der To-do-Liste?
Auch wenn ich es in meiner Amtszeit nicht mehr selbst umsetzen werden kann, steht für mich die Erweiterung der Brictiusschule für den offenen Ganztag ganz oben auf der Agenda. Unsere Kapazitäten sind erschöpft, insofern müssen wir hier – auch mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Platz im offenen Ganztag in Grundschulen ab 2026 – dringend handeln. Deshalb werden wir sowohl für den offenen Ganztag als auch für den Unterricht räumliche Kapazitäten schaffen. Dafür werden wir sechs bis acht Millionen Euro in die Hand nehmen – das ist eine echte Großinvestition für unsere Kommune. Die Planungen laufen aktuell, sodass wir zeitnah mit dem Bau beginnen können. Auch der Glasfaserausbau der sogenannten „grauen Flecken“ geht in die finale Phase. Der innerörtliche Bereich und die Höfe, die ortsnah liegen, sind bereits gut versorgt. Jetzt geht es an die Adressen, die bislang durchs Raster gefallen sind, sodass Schöppingen bald zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgt ist. Das dritte große Projekt, das ich gerne noch begleiten möchte, ist der Bau der Rettungswache durch den Kreis Borken. Das hat für mich ebenfalls oberste Priorität, denn die Zeiten, bis Notarzt und Rettungswagen aus der Umgebung im Notfall in Schöppingen eintreffen, sind zu lang. Nun arbeiten wir gemeinsam mit dem Kreis mit Hochdruck daran, den passenden Standort dafür zu finden und ihn auch zeitnah zu bebauen.  

Das Interview führte
Anja Wittenberg

 

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