Alles begann mit einem Angebot der früheren Inhaberin Nicole Ebbinghoff. Muhammad Yasin, selbst gelernter Bäcker, war dort in einem Minijob beschäftigt, seine Frau Manuela arbeitete in einer Behindertenwerkstatt in Burgsteinfurt, ist aber ebenfalls Bäckermeisterin. Für sie selbst stand damals eine zentrale Frage an: „Mache ich weiter in meinem Job oder beginne ich noch einmal etwas neues?“ Drei Monate brauchten beide, um über den Vorschlag von Ebbinghoff nachzudenken. „Wir haben mit der Handwerkskammer gesprochen, mit dem Steuerberater“, erinnert sich Manuela Yasin. Lohnt sich der Fortbestand des 1838 gegründeten Betriebs? Und trauen sich beide diesen Job zu? „Wir kommen aus Ahaus, haben beide den Beruf gelernt und hatten immer mal den Gedanken, uns selbstständig zu machen. Aber nicht in dieser Größenordnung“, sagt sie rückblickend. Vier, fünf Filialen hatten sie für sich als maximale Größe definiert. Ebbinghoff zählt zehn Filialen plus die Backstube im Herzen von Schöppingen.
Es folgten: Gutachten der Handwerkskammer Münster, Bestandsaufnahmen, Preisverhandlungen. Und Bankengespräche. Und auch die Pandemie fiel mitten in die entscheidende Phase der Übernahme. Muhammad Yasin sagt: „Man hat uns schon gefragt, ob das ein guter Zeitpunkt ist. Aber den richtigen Moment gibt es eigentlich nie, die Chance war da.“
"Große Überzeugung"
Am Ende passte alles und seit Januar 2023 sind die Yasins Chefs des Schöppinger Unternehmens, das seitdem als GmbH firmiert und offiziell von Manuela Yasin geführt wird. „Die Entscheidung fiel am Ende mit großer Überzeugung“, betont sie. „Und wir haben sie bis heute nicht bereut.“ Auch wenn die Herausforderungen nicht geringer werden. Mehrwertsteuer, Preissteigerungen bei Käse, Wurst und Grundprodukten wie Mehl: Die üblichen Probleme der Branche treffen auch Ebbinghoff. In schwierigen Umständen half dem Paar die Besonderheit des Ortes. „Wir haben hier beispielsweise keine Konkurrenz durch Systemanbieter“, sagt Manuela Yasin. In Schöppingen gehe es noch um den persönlichen Kontakt. Und der familiäre Ansatz setze sich auch in der Backstube fort. Handarbeit ist angesagt, in der Produktion arbeiten gelernte Bäcker.
Zwei Dinge unterscheiden den Betrieb von anderen. Zum einen setzte das Ehepaar Yasin vor allem auf den Snackbetrieb, also den Verkauf von belegten Brötchen, die in allen Filialen morgens frisch vorbereitet werden. Zum anderen arbeitet die Bäckerei Ebbinghoff als Inklusionsbetrieb. „Wir sind hier eng verzahnt mit dem LWL und dem Integrationsdienst“, sagt Manuela Yasin. Man suche gerade auch gezielt nach entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Verkauf, Büro und Produktion. Der soziale Charakter zeigt sich auch an anderer Stelle: Brot oder Gebäck, das tagsüber nicht verkauft wurde, bietet das Unternehmen abends als „Überraschungstüte“ zu deutlich günstigeren Preisen an. Kunden können sich in der App „TooGoodToGo“ registrieren, um dieses Angebot zu nutzen. Auch die Steinfurter Tafel wird zweimal pro Woche bedient.
Carsten Schulte