Schon rein optisch bestimmt in Schöppingen die Windkraft das Thema Energie. Im Kreis Borken kann der Kommune niemand das Wasser reichen, wenn es um Windenergie geht: Neben den 14 Windrädern am Schöppinger Berg im Osten Schöppingens hält sie weitere Anlagen im Westen und Südwesten vor. Auch zwei Bürgerwindparks in Strönfeld (vier Anlagen) und Ramsberg (drei Anlagen) sind seit 2020 in Betrieb. Weitere sechs Anlagen sind allein dort noch geplant, wie Josef Berghaus, Geschäftsführer des Unternehmens Bürgerwind Schöppingen-Strönfeld, bestätigt. Das notwendige Artenschutzgutachten sei fast fertiggestellt, parallel müsse noch der Flächennutzungsplan angepasst werden. Mit der Inbetriebnahme der zusätzlichen Anlagen rechnet Berghaus trotzdem erst ab 2027. Zwar machten die politisch vereinfachten Genehmigungsprozesse die Installation neuer Windkraftanlagen grundsätzlich schneller, doch kämen derzeit die Hersteller wegen der großen Nachfrage kaum hinterher.
Mehr erzeugen als verbauchen
Dass Schöppingen weiter Druck macht, liege auf der Hand, betont auch Bürgermeister Franz-Josef Franzbach, der das Thema schon lange auf der Agenda für die Kommune hat. Insgesamt 45 Anlagen zählte Schöppingen Ende 2023. Damit könne bereits heute ein Vielfaches der Strommenge in Schöppingen erzeugt werden, die vor Ort überhaupt verbraucht wird, sagt er. Anfragen für weitere Anlagen, beispielsweise in der Bauerschaft Gemen, liegen bereits auf dem Tisch.
Doch auch finanziell spielt die Windkraft in Schöppingen eine wichtige Rolle. „Jeder fünfte bis sechste Euro der Gewerbesteuereinnahmen stammt mittlerweile aus den Einnahmen der Windkraftanlagen“, betont Franzbach. Das mache dann eben bis zu 20 Prozent des Etats aus. Dabei seien die Mitte 2022 genehmigten Windräder in der Bauerschaft Tinge noch gar nicht eingerechnet.
Photovoltaik im Einsatz
Neben dem Wind setzt Schöppingen auch in anderen Bereichen auf erneuerbare Energien. Auf vielen Dächern kommunaler Gebäude arbeiten längst Photovoltaikanlagen. Das Vechtebad wird mittels eines Blockheizkraftwerks beheizt. Das Rathaus, die Kulturhalle und die Gebäude des Künstlerdorfs Schöppingen werden über eine Biomasseheizung mit Wärme versorgt, deren Rohmaterial unter anderem aus dem Heckenschnitt der gemeindeeigene Wirtschaftswege stammt.
Ende 2023 setzte Schöppingen noch ein weiteres Zeichen: Für die kommenden zwei Jahre will die Kommune bei der Stromversorgung auf das Modell „watergreen“ setzen, also auf Energie, die vollständig aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird. Die dafür notwendigen Anlagen befinden sich überall in Europa und sind an das grenzübergreifende Strom-Verbundnetz angeschlossen. Die Produktion erfolgt ohne CO2 und ohne radioaktiven Abfall, beispielsweise über Wasserkraftwerke.
Und auch das Thema Mobilität ist eng verknüpft mit nachhaltiger Energie. Längst setzt die Gemeinde bei Dienstwagen auf E-Fahrzeuge, wie Louisa Wember betont. Als Klimaschutzbeauftragte ist sie vor Ort für entsprechende Konzepte und die angelagerten Infrastrukturen zuständig. Am Parkplatz des Künstlerdorfs entsteht eine Schnellladestation mit zwei Ladepunkten mit 100 kW. Die Förderbescheide lägen bereits vor, so Franzbach. Zusammen mit den bereits vorhandenen sieben „normalen“ Ladestationen mit einer Leistung zwischen 11 und 22 kW sei die Gemeinde gemessen an der Einwohnerzahl „gut aufgestellt“, wie der Bürgermeister formuliert. Wie das Engagement der Gemeinde motiviert sei? Franzbach sagt: „Wer andere zum Mitmachen bewegen will, muss eigene Prozesse und Strukturen überdenken und mit gutem Beispiel vorangehen.“
Vorteile
Die Gemeinde sieht weitere Vorteile: „Mussten aufgrund der geänderten Lage am Strommarkt für das laufende Jahr Kosten in Höhe von rund 524.000 Euro eingeplant werden, konnte nun mit den Stadtwerke Emsdetten ein Zwei-Jahres-Vertrag für die Jahre 2024/2025 abgeschlossen werden, bei dem nur rund 280.000 Euro in den Haushalt gestellt werden müssen”, erklärt Christoph Giesel, Kämmerer der Gemeinde Schöppingen. Laut dem Kämmerer fällt für das Klärwerk der größte Stromverbrauch (48 Prozent) bei den kommunalen Einrichtungen in Schöppingen an. Die restlichen 52 Prozent werden verteilt auf das Jugendzentrum, die Flüchtlingsunterkünfte oder das Alte Rathaus.
Carsten Schulte