Dass es überhaupt so kam, erinnert an manche Gründungsgeschichte, in der Zufall und Leidenschaft genau zum richtigen Zeitpunkt aufeinandertreffen. Für Matthias Schneider war das ein Schülerpraktikum im Jahr 2010, das so gut verlief, dass er kurz danach einen Ausbildungsvertrag unterschrieb. Nach erfolgreichem Abschluss war die Übernahme in den damaligen Betrieb von Rainer Roßbach nur Formsache – und ebenso schnell tauchte die Frage auf, ob Schneider das Autohaus nicht irgendwann ganz übernehmen könne. „Einzige Bedingung war, dass ich meinen Meister machen musste“, erinnert sich Schneider. „Damit habe ich Mitte 2017 begonnen und war 2020 fertig.“ Die letzten Prüfungen wären fast in der Frühphase der Pandemie untergegangen, letztlich habe es dann aber doch pünktlich geklappt, so Schneider.
Mit dem Meister in der Tasche habe dann die Übernahme des Betriebs Formen angenommen. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken half bei den ersten Schritten, mit der Meistergründungsprämie NRW und Unterstützung durch die Bürgschaftsbank NRW stemmte Schneider die Anlaufkosten. Derzeit ist er noch Mieter, aber geplant und vereinbart ist der spätere Kauf von Immobilie und Grundstück. „So hatte ich ein gutes Gefühl bei der Gründung“, gibt er zu.
Seit Januar 2021 ist er nun Chef seines kleinen Teams. Neben ihm beschäftigt er noch zwei Mitarbeiter im Werkstattbetrieb und eine Bürofachkraft. Mit dem bisherigen Chef Roßbach gab es eine saubere Übergabe, aus dem einstigen Inhaber ist heute ein Kunde geworden – und auch von den übrigen Kunden sei der Betriebsübergang problemlos akzeptiert worden.
Investitionen getätigt
Jetzt geht es darum, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen. Schneider hat dazu investiert. „Wir haben zunächst einen weiteren Hallenteil angemietet und konnten so unsere Werkstattfläche neu strukturieren“, sagt er. Gerade erste Ende Juli schaffte er eine neue Fünf-Tonnen-Hebebühne an. „Damit können wir Wohnmobile und Transporter deutlich besser warten als bisher.“ Bisher habe man auf eine Lkw-Grube ausweichen müssen, die unter Komfortgesichtspunkten nicht ideal gewesen sei. „Mit der neuen Hebebühne erleichtern wir auch den Kollegen die Arbeit spürbar.“
Die Arbeit, das bedeutet bei Schneider schwerpunktmäßig Reparatur und Wartung von Pkw. Zusätzlich bietet das Autohaus noch eine Diesel-Tankstelle für gewerbliche Kunden. „Dieselfahrzeuge sind hier stark vertreten“, so Schneider. Für E-Autos erwartet er künftig zwar einen wachsenden Markt, doch noch macht die Fahrzeugklasse nur einen ganz geringen Anteil des Tagesgeschäfts aus. „Vorbereitet sind wir allerdings, die notwendigen Hochvoltscheine haben wir.“
Zwar vermittelt Schneider als Ford-Vertragswerkstatt auch Neuwagen, aber ein klassischer Händler ist er nicht. Als Werkstattbetrieb sei das Haus im näheren Umkreis von Schöppingen allerdings durchaus bekannt, wie Schneider sagt. „So etwa 30 Kilometer rund um Schöppingen“, sagt Schneider, der allerdings noch einen kleinen Extraservice anbieten kann. „Ich komme aus Heek, von dort kann ich Fahrzeuge schon mal unkompliziert mit zum Service nehmen.“ Und schneller ginge es auch bei der Feuerwehr kaum …
Carsten Schulte