Rosendahl

Christoph Gottheil | „Die Vorfreude überwiegt“

Die Gemeinde Rosendahl investiert kräftig in ihre Zukunft – von der neuen Ortsdurchfahrt in Osterwick über moderne Feuerwehrgerätehäuser in allen Ortsteilen bis hin zu Bauprojekten im Bildungsbereich. Im Interview spricht Bürgermeister Christoph Gottheil über „seine“ Gemeinde im Aufbruch, die Wirtschaft zwischen Stabilität und Herausforderungen und die Rolle der Windkraft als Standortfaktor.

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Herr Gottheil, rund ums Rathaus laufen aktuell die Bauarbeiten für die neue Ortsdurchfahrt in Osterwick. Ein Projekt, das Sie in den nächsten zwei Jahren als Wanderbaustelle begleiten wird. Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie in den letzten Wochen den Baulärm schon ein wenig verflucht – oder überwiegt dann doch die Vorfreude auf das Ergebnis?
Tatsächlich ist es eher das Gegenteil: Ich verfluche den Baulärm nicht, sondern begrüße ihn ausdrücklich. Natürlich bringen Baustellen Einschränkungen mit sich, das lässt sich gar nicht vermeiden. Aber jedes Mal, wenn ich die Arbeiten sehe oder höre, weiß ich, dass sich im Ortskern etwas bewegt und wir in die Zukunft investieren. Die neue Ortsdurchfahrt ist dabei sicherlich das prägendste Projekt der nächsten zwei Jahre. Direkt neben dem Rathaus entsteht außerdem ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Auch im Bereich des Dienstleistungszentrums mit Aldi und Edeka tut sich einiges. Das alles wertet den Ortskern nachhaltig auf. Deshalb überwiegt bei mir ganz klar die Vorfreude. Die Bauzeit wird uns sicherlich fordern, aber am Ende profitieren Bürger, Unternehmen und der gesamte Ortskern davon.

Hinzu kommen die sanierten oder neuen Feuerwehrgerätehäuser in allen drei Ortsteilen sowie Investitionen im Bildungsbereich. Das ist in der Summe sicherlich ein ambitionierter Kraftakt. Welche Bedeutung haben die Projekte für Rosendahl?
Das ist in der Tat ein ambitioniertes Investitionsprogramm, aber all diese Projekte zahlen auf ein gemeinsames Ziel ein: die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität Rosendahls. Bei den Feuerwehrgerätehäusern setzen wir die Anforderungen aus dem Brandschutzbedarfsplan um. Die rund 130 ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte und etwa 30 Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr leisten einen enorm wichtigen Beitrag für die Gemeinde. Moderne Gerätehäuser schaffen bessere Bedingungen für Ausbildung, Einsatzvorbereitung und den täglichen Dienst. Auch die Erweiterung von Aldi und Edeka in Osterwick ist für uns ein wichtiges Zukunftsprojekt. Sie stärkt die Nahversorgung und sorgt dafür, dass die Menschen ihre Einkäufe weiterhin wohnortnah erledigen können. Als Gemeinde haben wir die Planungen aktiv begleitet und die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, weil wir diese Angebote unbedingt vor Ort halten wollten.

Und im Bildungsbereich?

In Darfeld haben wir nicht nur die Mensa der Antonius-Grundschule erweitert, sondern das gesamte Raumkonzept überarbeitet – von den Klassenräumen über die Aula bis hin zu Lehrer- und Besprechungsräumen. Die Planungen sind gemeinsam mit dem Kollegium entstanden und dadurch sehr praxisnah. In Holtwick entsteht für die OGS der Nikolaus-Grundschule ein Anbau in Holzrahmenbauweise. Dort ist Platz für eine neue Mensa, sodass die bisherigen Räume für die Ganztagsbetreuung frei werden. Durch flexible Trennwände können die Flächen auch außerhalb der Mittagspause vielseitig genutzt werden. Damit stellen wir beide Standorte zukunftsfest auf und schaffen gute Voraussetzungen für den wachsenden Bedarf im Ganztagsbereich. Die Fertigstellung erwarten wir voraussichtlich im Laufe des Schuljahres 2026/27.

Lassen Sie uns auf die Wirtschaft vor Ort schauen. Wie geht es den Unternehmen in Rosendahl aktuell?
Die wirtschaftliche Lage ist derzeit durchaus unterschiedlich. Es gibt Unternehmen, die nach wie vor volle Auftragsbücher haben. Das gilt insbesondere für Betriebe, die im Bereich Sanierung, Umbau und Modernisierung tätig sind. Dort sehen wir weiterhin eine stabile Nachfrage. Gleichzeitig merken wir aber auch in Rosendahl, dass die wirtschaftliche Delle zunehmend bei uns ankommt. Gerade im klassischen Einfamilienhausbau ist die Nachfrage fast zum Erliegen gekommen. Gestiegene Baukosten und höhere Zinsen führen dazu, dass viele Menschen ihre Pläne überdenken und stattdessen stärker auf Umbauten, Anbauten oder die Modernisierung bestehender Immobilien setzen. Auch bei den Gewerbesteuervorauszahlungen sehen wir Signale, dass Unternehmen vorsichtiger kalkulieren. Zudem hören wir punktuell von Kurzarbeit. Das sind Indikatoren dafür, dass die Auftragslage bei einzelnen Betrieben – zumindest für den Moment – nicht mehr so konstant ist.

Eine zusätzliche Belastung für Unternehmen sind die steigenden Energiepreise. Wie können Sie von Seiten der Gemeinde da unterstützen?
Wir haben in der Vergangenheit zum Beispiel Quartiersberatungen durchgeführt, auch gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft, um Unternehmen und Eigentümer für das Thema Energie zu sensibilisieren. Ziel ist es, Gebäude so zu optimieren, dass langfristig Energiekosten gesenkt werden können. Gleichzeitig profitieren davon auch die heimischen Betriebe, weil solche Maßnahmen natürlich Aufträge vor Ort auslösen. Damit verbinden wir Klimaschutz und regionale Wirtschaft ganz praktisch miteinander. Zusätzlich informieren wir über Fördermöglichkeiten und versuchen, Impulse zu geben, etwa bei Aktionen wie Wärmepumpentagen lokaler Unternehmen. Wichtig ist uns dabei auch die eigene Rolle: Als öffentliche Hand versuchen wir, über unsere Investitionen selbst stabilisierend zu wirken und Aufträge in die Region zu geben. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Phasen ist das ein wichtiger Beitrag, um die Auftragslage in den Betrieben zu stützen.

Um die Energiekosten zumindest etwas abzufangen, setzen Sie in Rosendahl auf die eigene regenerative Energieerzeugung, vor allem mit Windkraft. Wo steht die Gemeinde? 
Nach aktuellem Stand sind wir in Rosendahl bei der Windkraft bereits sehr weit und ein Vorreiter im Kreis Coesfeld. Die Gemeinde produziert heute ein Vielfaches ihres eigenen Bedarfs – etwa das Siebenfache des verbrauchten Stroms. Insgesamt gibt es rund 15 größere Anlagen mit 200 Metern Gesamthöhe sowie fünf Anlagen, die sogar etwa 250 Meter hoch sind. Weitere vier Windräder sind bereits genehmigt oder in Planung. Hinzu kommt ein Repowering älterer Standorte, bei dem kleinere Anlagen durch deutlich leistungsstärkere ersetzt werden. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Der Ausbau erreicht zunehmend einen Sättigungsgrad, etwa durch Abstände und Flächenfragen. 

So mancher Bürger fühlt sich durch Schattenwurf, Lautstärke oder verstärkte Wahrnehmung von Windkraftanlagen im Alltag gestört …
… und dafür habe ich vollstes Verständnis. Deshalb setzt die Gemeinde verstärkt auf die Beteiligung der Bürgerschaft, etwa über Bürgerenergiemodelle, um Akzeptanz zu sichern und wirtschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Denn wir dürfen nicht vergessen: Auch finanziell spielt die Windkraft eine wichtige Rolle. Über Gewerbesteuer, Beteiligungen und Abgaben nach EEG fließen jährlich Einnahmen im siebenstelligen Bereich in den Gemeindehaushalt zurück. Die Windkraft ist also ein Stück weit zu einem konjunkturunabhängigen Wirtschaftsfaktor geworden.

Herr Gottheil, die laufenden Projekte in Rosendahl sorgen sicherlich für einen vollen Terminkalender bei Ihnen. Gibt es einen Ort, an dem Sie einfach mal Ihre Ruhe genießen und abschalten können?
Da gibt es ein paar Optionen. Wenn ich wirklich zur Ruhe kommen will, dann ist mein Zuhause der wichtigste Rückzugsort: der Fernsehsessel, die Couch, ein guter Film oder auch mal ein Buch. Bei gutem Wetter bin ich auch gerne draußen auf der Terrasse. Bewegung ist für mich aber genauso wichtig, um den Kopf frei zu kriegen. Das Fahrrad ist dabei ein ständiger Begleiter – zur Arbeit genauso wie auf Touren durchs Münsterland mit meiner Frau. Dazu kommt die Musik: In der Musikkapelle Holtwick spiele ich seit 45 Jahren Tenorhorn, das fordert mich anders und bringt mich auf neue Gedanken. Und natürlich liebe ich auch Fußball, heute allerdings eher als Zuschauer (lacht), beim Walking Football bin ich dabei, wenn es die Zeit erlaubt. Ich schaue aber auch gerne bei den Spielen unserer Söhne zu.


Das Interview führte 
Anja Wittenberg

 

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