Preußen Münster

Markus Sass: „Fußball sollte keine Sorgen machen“

Münster - Dr. Markus Sass kam im Frühjahr 2023 als Projektkoordinator für den geplanten Stadionumbau zum SC Preußen Münster (SCP). Seit Anfang 2024 ist er einer von drei Geschäftsführern des Zweitligisten. Beim Klub von der Hammer Straße kümmert er sich vor allem um die Finanzen und das Stadion. Im Interview spricht er über die Möglichkeiten, die sich durch die neue Spielstätte ergeben werden und darüber, wie sich der ganze SC Preußen völlig neu aufstellt. 

Dr. Markus Sass, Geschäftsführer bei Preußen Münster. Foto: Schulte

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Herr Dr. Sass, im Frühjahr 2023 sind Sie beim SC Preußen Münster zunächst als Projektkoordinator für den Stadionumbau angetreten. Da führten die Preußen gerade die Tabelle der Regionalliga West vor Mönchengladbach II an. Die Gegner hießen Kaan-Marienborn, Düren, Wiedenbrück. Wundern Sie sich manchmal auch noch, wenn Sie an diese Zeit vor zwei Jahren zurückdenken und sich dann klarmachen, wo der SCP heute steht?   

Um ehrlich zu sein, habe ich diese Regionalligazeit nur noch am Rande mitbekommen. Für mich wird der Unterschied viel eher an anderer Stelle deutlich: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich völlig verändert, hier liegen Welten dazwischen. Das ist für mich viel eindrücklicher. In der Rückschau fällt auf, dass der Klub damals vor größten finanziellen Herausforderungen stand. Ohne den Aufstieg wäre es wirtschaftlich wirklich schwierig geworden, der anschließende Durchmarsch in die 2. Bundesliga war in jeder Hinsicht ein Glücksfall. Jetzt sind wir in der Lage, Infrastruktur aufzubauen, können uns personell besser aufstellen. Das geht, weil wir selbst im Fall eines Abstiegs zurück in die 3. Liga bis Sommer 2027 sauber durchfinanziert sind. In dieser Hinsicht hat der Doppelaufstieg wie ein Brandbeschleuniger im besten Sinne gewirkt. Und ab Sommer 2027 beginnt dann mit dem neuen Stadion finanziell nochmal ein ganz neues Zeitalter. 

Der unerwartete Erfolg stellte den gesamten Klub dennoch vor Herausforderungen. Die personelle wie auch physische Infrastruktur wurde vom Sport rechts und links überholt. Wo spüren Sie das am meisten?   

Das haben wir vor allem dort gespürt, wo wir es direkt mit Zuschauern und Fans zu tun haben. Vor allem im Ticketing und im Merchandising. Aber auch unsere internen Prozesse mussten wir schnell skalieren, um die Lizenz für die 2. Bundesliga stemmen zu können. Viele Ausnahmegenehmigungen für Stadion, Nachwuchsleistungszentrum oder auch Nachhaltigkeit gelten aktuell noch, müssen aber für die Saison 25/26 demnächst ganz regulär erfüllt werden. Zugleich sind natürlich auch in nahezu allen anderen Bereichen die Anforderungen und die Ansprüche, die der Profifußball an uns stellt, massiv gestiegen. Das betrifft beispielsweise den gesamten Spieltagsablauf oder auch das Volumen, das im Medienbereich auf uns eingeprasselt ist, wir haben ganz neue digitale Medienformate umsetzen müssen und parallel auch noch den Namensrechtepartner für das Stadion suchen müssen – das alles lief neben dem Tagesgeschäft. Mit unserem vergleichsweise kleinen Team auf der Geschäftsstelle ist uns das aber Dank des Einsatzes jedes Einzelnen überwiegend ganz gut gelungen. Neben dem Tagesgeschäft konnten wir ja auch noch den neuen Fanshop eröffnen, mit der LVM-Versicherung frühzeitig unseren Wunschpartner für das Stadionnamensrecht an uns binden, den Leistungszentrums-Ausbau in die Wege leiten und unsere gesamte Organisationsqualität ordentlich steigern, auch wenn der Weg noch lange nicht zu Ende ist. 

Auf der anderen Seite hat der Doppelaufstieg neue Kräfte freigesetzt – alles ist mehr und größer geworden. Was bedeutet das für den Klub?   

Das ist unermesslich wichtig. Jetzt haben wir einen klaren Plan bis 2027 und können Potenziale aktivieren, die bisher ungenutzt waren. Für das Stadion haben wir bereits einen neuen Betriebsleiter gewinnen können. Wir investieren in digitale Infrastruktur und wir sind zudem in der Lage, die Arbeitsbedingungen für unsere Profis und den Nachwuchsbereich erheblich zu verbessern – und zwar schon weit vor 2027. Das bedeutet, dass wir bereits viel mehr Substanz haben werden, wenn der Stadionumbau beendet ist.  
 

Dass der SC Preußen von Beginn an um den Klassenerhalt kämpfen würde, konnte man ahnen. Aber im Klub und drumherum herrscht trotz Niederlagen keinerlei Aufregung, keine Unruhe. Warum ist das so?    

Ich glaube, dass die Bewertung immer von Ergebnis und vorheriger Erwartungshaltung abhängt. Wir stehen tabellarisch da, wo alle  – auch wir –  uns realistischerweise vermutet haben. Und das Verständnis dafür bringen offenbar auch alle auf, die ins Stadion gehen.  

Hängt diese Gelassenheit auch mit der Perspektive Stadion zusammen?   

Definitiv. Wir stehen noch am Beginn unserer Entwicklung, nicht an ihrem Ende. Selbst bei einem Abstieg wären wir in der 3. Liga viel besser aufgestellt als zuvor. Die Bedingungen verbessern sich hier ständig weiter. Wenn man zurückschaut, war der Doppelaufstieg mit Blick auf die damaligen Bedingungen wirklich ein Meisterstück ...  

Neben dem Sport selbst ist der Stadionumbau das zentrale und vielleicht augenfälligste Projekt. Die ersten Fundamente sind gelegt. Wird das Projekt jetzt auch für Sie wirklich greifbar?   

Ich habe die lange Debatte um das Stadion selbst nicht so erlebt wie die Fans des Klubs. Mir war spätestens mit der Machbarkeitsstudie, die ich Anfang 2020 für das Büro Drees & Sommer noch selbst begleitet habe, klar, was hier entstehen kann. Dennoch bin ich auch ein wenig stolz, dass es jetzt wirklich losgeht, denn von einer Machbarkeitsstudie bis Baubeginn gibt es in jedem Stadionprojekt noch viele Sollbruchstellen, die wir jedoch gemeinsam mit der Stadt Münster allesamt erfolgreich umschifft haben. 
Die Veränderungen werden jetzt schneller als gedacht sichtbar werden, was uns auch vor Herausforderungen stellt. In den kommenden zweieinhalb Jahren wird es im Zuge des Umbaus noch viele „unbekannte Unbekannte“ geben, auf die wir reagieren müssen. Die Übergangszeit bis zur Fertigstellungen wird sicher phasenweise unangenehm, aber wir versuchen, das so gut wie möglich zu minimieren.     

Welche Rolle wird das neue Stadion für die Entwicklung des Klubs spielen?    

Ganz einfach: Ohne neues Stadion gäbe es langfristig keine Perspektive für Profifußball in Münster. Mit dem Stadion dagegen sehr, sehr gute Möglichkeiten. Der Unterschied zwischen dem, was das makroökonomische Umfeld im Sinne eines Potenzials für einen Profifuballstandort eigentlich hergibt, und dem, was bisher möglich war, ist in Münster so groß wie an kaum einem anderen Standort.  

Die Stadt Münster hat im Bebauungsplan die Kapazität auf maximal 20.000 Zuschauer gedeckelt hat. Warum kann der SCP auch mit diesem eher kleinen Stadion gut leben?    

Weil es hier nicht auf die reine Zuschauerzahl ankommt, sondern auf die Frage, wie ertragreich das Stadion sein kann. Wir werden einen Anteil von etwa zehn Prozent für VIP- und Hospitality-Bereiche haben, gleichzeitig aber auch viele Stehplätze mit sozialverträglichem Preisniveau. Das künftige Stadion wird mit Blick auf die Namensrechte, Veranstaltungen, aber auch die Einsparung von Betriebs- und Instandhaltungskosten viel spannender sein. Und es wird ganz nebenbei auch für mehr Punkte im Spielbetrieb gut sein: Es wird eine Festung sein und es wird laut sein.   

Der Klub selbst investiert aber nicht nur in Steine. Er stellt sich auch personell breiter auf. Die Geschäftsführung ist seit Jahresanfang wieder ein Trio – wie ist die Aufgabenverteilung?   

Philipp Deipenbrock kümmert sich ums Marketing und den Vertrieb, er holt das Geld rein. Ich bin zuständig für die Finanzen und versuche, die Mittel so effizient wie möglich zu verwalten und die notwendigen Ausgaben zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zu minimieren. Und als Geschäftsführer Sport kann Ole Kittner dann die so maximierten Ressourcen für die Entwicklung der Mannschaft nutzen. Diese Aufteilung der Aufgaben auf drei Geschäftsführer zu damaligen Regionalligazeiten hat sich meines Erachtens bereits ausgezahlt, denn wir haben in allen Bereichen bereits massive Fortschritte gemacht.   

Auch der Bereich Merchandise ist neu besetzt worden – und der neue Fanshop in der Innenstadt rückt den Klub ins Blickfeld. Welche Rolle spielt gerade dieser Bereich für den Klub?   

Auf das Thema gibt es verschiedene Pers­pektiven. Es gibt Klubs, die darin nur ein Marketinginstrument mit einer schwarzen Null sehen. Ich sehe eher, dass der Bereich für uns wirklich lukrativ sein kann. Für uns ist das Merchandising Bestandteil der Refinanzierung des Profibereichs, daher haben wir auch in den Fanshop in der Innenstadt investiert. Jetzt wollen wir weiter skalieren, unter anderem mit einer Warenwirtschaft und einer vernünftigen Vertriebsstruktur.   

Wo drückt den SC Preußen mit Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am ehesten noch der Schuh?   

In den zentralen Bereichen können wir derzeit den Bedarf schon ganz gut decken. Im Greenkeeping müssen uns nach dem traurigen Tod unseres Platzwartes Norbert Heithaus neu aufstellen, dazu braucht es noch weitere Vertriebs- und Servicemitarbeiter. Und für den Bereich Sport sucht Ole Kittner auch noch Verstärkung.  

Natürlich wird ein Fußballklub vor allem vom Fußball selbst geprägt. So unverhofft der Aufstieg in die 2. Bundesliga kam, so denkbar wäre auch ein möglicher Abstieg. Warum wäre eine Rückkehr in die 3. Liga für den SC Preußen Münster kein totaler Absturz?    

Wir sind im Vergleich viel besser aufgestellt, finanziell wie personell. Eigenkapital, Liquidität –  das ist dann künftig alles im grünen Bereich.   

Ende 2027 soll ein besonderer Zeitpunkt werden. Wie groß ist die Vorfreude?   

(lacht) Für mich ist der Weg das Ziel. Mir macht es am meisten Spaß, Weichen für die Zukunft zu stellen. Irgendwann können wir dann in Münster finanziell stabil und in einem brandneuen Fußballstadion sorgenfrei Profifußball genießen. Und genau so sollte es doch sein: Fußball sollte keine Sorgen machen, kein ständiger Existenzkampf sein. Da kommen wir mit dem neuen Stadion endlich hin.  

Das Interview führte Carsten Schulte
 

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