Frau Rodeheger, Herr Combrink, Sie dürfen für die Stadt Oelde werben. Was macht diesen Ort aus?
Karin Rodeheger: Grundsätzlich eine hohe Lebensqualität. Wir sind Heimat für rund 30.000 Menschen, die hier wohnen, arbeiten und leben. Das Miteinander funktioniert. Und wir punkten mit einer guten Bildungslandschaft, vielseitigen Freizeitangeboten, mit dem Vier-Jahreszeiten-Park und einer guten infrastrukturellen Anbindung. Das sind alles Dinge, die den Standort sehr attraktiv machen.
Volker Combrink: Es ist eben eine gute Mischung aus harten Standortfaktoren wie einem günstigen Gewerbesteuerhebesatz und einer guten Infrastruktur, aber auch weichen Faktoren wie einem breiten Sportangebot und Raum zum Wohnen. Das macht Oelde lebenswert.
Oelde ist eingebettet in ein größeres Städtedreieck von Münster, Hamm und Bielefeld. Welche Rolle spielt das und wo liegen die Bezugspunkte der Menschen in Oelde?
Rodeheger: Wir sind schon stark nach Münster orientiert, auch wenn wir natürlich an den ostwestfälischen Landkreis Gütersloh grenzen und viele Beziehungen nach Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz haben. Aber wir sind sehr münsterländisch geprägt und das Oberzentrum spielt eine wichtige Rolle. Mit der A2 haben wir auch einen großen Pluspunkt, denn man ist schnell in Bielefeld oder Dortmund. Über die Bahn sind wir wiederum gut an Hamm und eben Münster angebunden.
Das klingt, als komme man schnell weg – aber Sie wollen ja Oelde selbst attraktiv halten. Wie gelingt das?
Combrink: Im Kern haben wir ein ganz gutes Einzelhandelsangebot. Natürlich spüren wir die strukturellen Einflüsse auch hier, aber wir stemmen uns noch gut dagegen. Mit dem Masterplan Innenstadt haben wir einen großen Handlungsrahmen, in den wir auch viel Arbeit stecken, um die Innenstadt lebenswert zu gestalten.
Rodeheger: Wir versuchen, den Einzelhandel zu unterstützen. Das geht aber nur mit Hilfe der Menschen und Unternehmen vor Ort. Der Onlinehandel ist wie überall eine große Konkurrenz und wir steuern durch unser City- und Ansiedlungsmanagement dagegen. Aufenthaltsqualität ist ein wichtiges Instrument, damit sich Menschen vor Ort wohlfühlen. Veranstaltungen wie der Oelder Weinabend, der Weihnachtsmarkt sowie Frühlings- und Herbstfeste haben eine große Anziehungskraft. Nichts davon ist aber ein Selbstläufer, wir müssen stetig daran arbeiten.
Geben Sie doch einmal einen Überblick über die großen Projekte, die aktuell und künftig für das Zentrum von Oelde noch anstehen.
Rodeheger: Ganz aktuell arbeiten wir an der Umgestaltung der Herrenstraße. Bald gibt es eine Bepflanzung, einen Wasserlauf und Sitzmöglichkeiten. Solche grünen Oasen mit schattenspendenden Bäumen sind wichtig, auch wenn dann hier und da mal ein Parkplatz wegfällt. Wir arbeiten zudem an einer sicheren Radwegeverbindung am Rathausbach entlang. Das ist ein wunderbarer Weg in die Innenstadt. Auch das Thema Wohnen wollen wir ins Zentrum holen, aber immer mit dem Blick auf einen guten Mix aus Wohnen, Gastronomie und Einzelhandel.
Combrink: In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns immer. Auf der einen Seite Aufenthaltsqualität zu schaffen, zugleich aber auch Parkraum zu erhalten, das erwartet auch der Einzelhandel.
Schauen wir einmal aufs große Ganze: Mit Blick auf die zusätzlichen Aufgaben, die Kommunen von Bund und Land erhalten, ist die Frage nach der Finanzierung wichtig. Wie sieht es in Oelde aus?
Rodeheger: Zunächst einmal: Wir spüren die gleichen Herausforderungen wie alle anderen. Aber wir stehen im Vergleich noch ganz gut da. Wir investieren viel und werden in Kürze einige langjährige Projekte wie eben die Herrenstraße oder die multifunktionale Dreifachsporthalle Axtbach-Arena fertigstellen. Wir ertüchtigen und bauen Kitas und Schulen, auch im Freizeitbereich investieren wir in einen großen Freizeitbereich mit Pumptrack-Anlage und Parcours-Park. Investitionen sind wichtig für unsere Stadtentwicklung. Warten hat sich noch nie gelohnt. Es wird dann in der Regel nur teurer.
Für die finanzielle Lage der Stadt spielt auch die lokale Wirtschaft eine große Rolle. Sie beide stehen im regelmäßigen Austausch – wie geht es den Unternehmen?
Combrink: Das ist ein weites Feld. Wir haben einige Weltmarktführer am Ort, die dann auch deutlich über dem Durchschnitt agieren. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es Unternehmen gibt, die unter der aktuellen Großwetterlage leiden. Aber insgesamt und dank eines breiten Branchenmixes sind wir ganz zufrieden.
Rodeheger: Ich würde unsere Unternehmenslandschaft hier resilient nennen, anpassungsfähig und innovativ. Generell hat aber die Stärkung des Wirtschaftsstandortes oberste Priorität und ist ganz klar Chefsache.
Wie ist denn Ihre Verbindung zu den Unternehmen?
Combrink: Der Wirtschaftsförderung kommt da eine große Bedeutung zu. Wenn man eine 24/7-Schnittstelle hat und die gut bespielt, wenn man auf Unternehmen zugeht, dann gelingt vieles. Das wissen Unternehmerinnen und Unternehmer zu schätzen. Dieses Gefühl, gewollt zu sein, das muss man wirklich leben.
Rodeheger: Reden wir nicht drumherum: Wir stehen in Konkurrenz zu anderen Standorten und da muss man eben auch mal den roten Teppich ausrollen, wenn jemand mit Risiko investiert und Verantwortung übernimmt. Langfristig zahlt sich das aus.
Wir hatten das Thema Investitionen in die Bildungslandschaft schon kurz angeschnitten. Wie sehen Sie Oelde hier aufgestellt?
Rodeheger: Wir haben hier sechs Grundschulen und zwei weiterführende Schulen mit hohem digitalem Standard sowie eine Förderschule, da sehe ich uns hervorragend ausgestattet. In den vergangenen Jahren sind viele Kitas entstanden, teilweise wurde die Gruppenzahl erweitert. In Stromberg entsteht aktuell eine Sechs-Gruppen-Kita, die größte in der Stadt.
Zu den großen Aufgaben von Kommunen gehört heute der Bereich Klimaschutz. Sie gehen das unter anderem mit „Oelde Circular“ an. Was ist das?
Rodeheger: Das ist ein auf drei Jahre angelegtes Förderprojekt zur Etablierung eines Kreislaufwirtschaftsprozesses, mit dem Rohstoffe oder Produkte möglichst lang im Kreislauf gehalten werden, beispielsweise durch Recycling oder Wiederverwendung. Die Stadt begleitet das federführend, im Oktober 2025 haben wir den Zuwendungsbescheid erhalten.
Combrink: Wir versuchen, gemeinsam mit Unternehmen Recycling-Prozesse zu entwickeln und bis zum Ende des Projekts so weit zu sein, dass wir Strukturen haben, die wir übertragen können. Die Fachhochschule Münster begleitet das Projekt wissenschaftlich und die notwendigen Stellen werden gemeinsam von Stadt, Initiativkreis Wirtschaft Oelde und dem Unternehmen Febromed getragen.
Zum Schluss ein kleiner Ausblick, Frau Rodeheger. Als Bürgermeisterin sind Sie in Ihrer zweiten Amtszeit. Welche Themen haben Sie noch im Kopf?
Rodeheger: Ein großes Projekt ist das Overberg-Areal, auf dem wir Wohnen realisieren wollen. Wir haben jetzt Klarheit über die Eckdaten und können das Investorenauswahlverfahren starten. Darüber sind wir sehr glücklich. Bei solchen Projekten denke ich über Amtszeiten hinaus, das ist einfach wichtig für Oelde. Ich habe aber noch Ideen: Einen Neubau der VHS würde ich gerne verfolgen, ein weiteres Hotel könnte Oelde auch gut vertragen. Und es gibt noch innerstädtisches Potenzial, um die Kernstadt weiter zu stärken. Da sprechen wir über viele einzelne Projekte, die wir gut verzahnen müssen. Ich würde das so formulieren: Wir schauen heute besonders darauf, welche Dinge für eine Stadt wie Oelde in zehn Jahren wichtig sein könnten.
Das Interview führte
Carsten Schulte