Der Wirtschaftsförderer arbeitet genau daran mit seinen Kollegen Leonard Gromes und Jessika Sprenkelder. Aus gutem Grund: „Ein Strukturwandel in der Innenstadt ist nicht aufzuhalten, aber wir können ihn mitgestalten“, sagt Combrink. Ganz wichtig dafür seien Gespräche mit Investoren und Eigentümern. Wenn man alle Akteure frühzeitig einbinde, könne man sie hinter dem Ansatz „Was gut ist für Oelde“ versammeln. „Was man so an Zeit und Gesprächen investiert, zahlt sich später doppelt und dreifach für die Innenstadt aus“, ist Combrink überzeugt. Auch wenn die Interessen zunächst nicht immer deckungsgleich seien, finde man am Ende oft zu guten Lösungen für die Stadt.
Beispiele dafür gibt es in Oelde überall. Da wäre das alte Oelder Unternehmen Schwarze und Schlichte. Deren Brennerei liegt im Herzen der Stadt, noch heute ist dort der Verwaltungssitz angesiedelt. Weil einige Gebäude aber nicht mehr benötigt wurden, stand eine Nachnutzung im Fokus. „Das Unternehmen war offen für unsere Anregungen und Ideen“, sagt Combrink. Ein moderner Coworking-Space ist unter anderem entstanden, auch eine Arztpraxis. Vielleicht böte sich der Innenhof auch noch für eine Gastronomie an? Sicher ist: Zusammen mit der direkt benachbarten Herrenstraße, die derzeit umgestaltet wird, ergibt sich ein völlig neues Quartier mitten in Oelde.
Genau solche Quartiere mit einer gewissen Größe spielen bei der Innenstadtplanung eine wichtige Rolle. Das lässt sich auch auf der Horstmann-Fläche an der Ruggestraße erkennen. Einst stand hier eine Kornbrennerei, bald entstehen hier in denkmalgeschützten Gebäuden und einem Neubau zentrumsnahe Wohnungen sowie eine Tagespflege. Ein paar Meter weiter, in direkter Bahnhofsnähe, wurde der frühere Standort der Pott’s Brauerei durch 13 Wohnungen ersetzt. Perspektivisch steht noch eine weitere Fläche in Oelde im Fokus. Es handele sich um ein ehemaliges Betriebsgelände mit mehreren Immobilien, wie Combrink verrät. „Wir entwickeln für dieses Areal gerade Ideen für eine Aufwertung und wollen gerne bis Ende des Jahres mit einigen Vorschlägen an die Öffentlichkeit gehen.“
Das Team der Wirtschaftsförderung versteht sich dabei als Mittler, als Lotse zwischen den Interessen der Stadt und den Immobilieneigentümern und Investoren. Das Zentrum zu beleben, hat als Ziel hohe Priorität. Dazu gehört auch das Thema Gastronomie. Selbstredend kann die Wirtschaftsförderung hier keine eigenen Projekte umsetzen, doch im Zuge von Nachnutzungen Anregungen geben – das ist längst ein erprobter Weg. Als Ende 2025 das Herrenfachgeschäft Sudholt seinen Betrieb einstellte, stellte Leonard Gromes schnell den Kontakt her. Gromes kümmert sich im Team federführend um Leerstände in der Innenstadt. Combrink ergänzt: „Wir tauschen uns gerade über die Nachnutzung aus und Gastronomie könnte hier eine schöne Ergänzung sein.“ Diese inhaltliche Begleitung werde von den Eigentümern eigentlich immer gern gesehen, so Combrink.
Wobei bauliche oder inhaltliche Ideen nicht alles sind. Auch Veranstaltungen wie die Erlebnistage im Frühling und Herbst oder kleinere Events wie Lesungen in Einzelhandelsgeschäften zahlen auf die Attraktivität einer Innenstadt ein. Aus diesem Grund stehe die Wirtschaftsförderung in engem Austausch mit Akteuren wie dem städtischen Betrieb „Forum Oelde“, der auch für den Vier-Jahreszeiten-Park und das dortige Veranstaltungsmanagement verantwortlich zeichnet. Die Veränderung des öffentlichen Raumes durch Handel und Veranstaltungen mache etwas mit der Atmosphäre der Stadt. „Und da setzen wir dann eben auch auf nachgelagerte Investitionen“, verweist Combrink auf einen gewissen Vorbildcharakter.
Erstellt von Carsten Schulte