Emlichheim

Internationale Pflegekräfte | Von Kamerun nach Emlichheim

Internationale Nachwuchskräfte können ein wichtiger Teil der Lösung sein, dem Personalmangel in der Pflege zu begegnen – vorausgesetzt Integration, Begleitung und Rahmenbedingungen hier vor Ort stimmen. Der Evangelische Krankenhausverein Emlichheim setzt auf die Rekrutierung internationaler Auszubildender und begleitet sie vom ersten Tag an. Die Einstellung erfolgt im Rahmen der gemeinsamen Anwerbung im Ausbildungsverbund Pflege der Grafschaft Bentheim, unterstützt durch eine zentrale Koordinierungsstelle der Pflegeschule LernOrt.Gesundheit in Nordhorn und durch die finanzielle Förderung des Landkreises Grafschaft Bentheim. Auch das Projekt „Perspektive Ems-Vechte“ der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim unterstützt Unternehmen dabei, internationale Fachkräfte erfolgreich in Arbeit und Alltag zu integrieren. Josiane Youbie Malapyie aus Kamerun, die seit Herbst 2025 eine Ausbildung zur Pflegefachkraft beim Evangelischen Krankenhausverein in Emlichheim absolviert, erklärt im Interview, wie sie sich vorbereitet hat und was ihr den Start erleichterte.

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Frau Malapyie, was hat Sie motiviert, eine Pflegeausbildung in Deutschland zu beginnen?
Deutschland bietet sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten, besonders im Pflegebereich. Pflegefachkräfte werden hier wertgeschätzt und die Arbeitsbedingungen sind gut. Außerdem wollte ich einen Beruf ausüben, in dem ich Menschen helfen kann.

Wie sind Sie auf den Evangelischen Krankenhausverein aufmerksam geworden?
Ich bin durch eine Bekannte auf die Ausbildungsmöglichkeiten in Emlichheim aufmerksam geworden. Sie erzählte mir, dass dort bereits mehrere kamerunische Auszubildende angestellt sind und am Unterricht der Pflegeschule LernOrt.Gesundheit teilnehmen. Diese positiven Eindrücke haben mir Sicherheit gegeben und mir gezeigt, dass ich dort eine große Chance habe, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.
Wie haben Sie sich in Kamerun vorbereitet?
Schon vor der Einreise habe ich intensiv Deutsch gelernt. Gemeinsam mit anderen angehenden Pflegeschülern besuchte ich eine Sprachschule und erreichte das Sprachniveau B2. Das war nicht leicht, denn man hört die Sprache im Alltag kaum. Mir war aber bewusst, dass gute Deutschkenntnisse der Schlüssel zur Integration sind. Der Krankenhausverein hat uns zudem bereits in Kamerun unterstützt. Wir erhielten ein digitales Fachbuch, mit dem ich wichtige Fachbegriffe lernen und einen ersten Eindruck von der Pflege in Deutschland gewinnen konnte. Die dazugehörigen Aufgaben wurden im Distanzunterricht von einem Lehrer der Pflegeschule aus Nordhorn begleitet und koordiniert.

Was war für Sie die größte Herausforderung auf dem Weg nach Deutschland?
Die Entscheidung selbst. Es war sehr schwer, meinen Sohn und meine Familie zurückzulassen. Dazu die Unsicherheit: ein neues Land, eine neue Kultur, neue Menschen.

Wie haben Sie die ersten Tage in Deutschland erlebt?
Sehr positiv. Helmut Alferink und eine kamerunische Auszubildene aus dem dritten Lehrjahr haben mich und acht weitere Auszubildende am Flughafen abgeholt. Sie zeigten uns Nordhorn, den Bahnhof, die Schule und verschiedene Einkaufsmöglichkeiten. Das hat mir sehr geholfen, mich schnell zurechtzufinden und sicher zu fühlen.

Wie erleben Sie die Ausbildung bisher?
Sie ist sehr praxisnah. Ich kann das, was ich lerne, direkt anwenden und arbeite eng mit Menschen zusammen. Besonders schön ist die Dankbarkeit am Ende eines Tages – das gibt mir viel zurück.

Wie wurden Sie beim Einleben unterstützt?
Wir hatten Integrationskurse zu Themen wie Alltagsverhalten oder auch Mülltrennung. Diese Angebote helfen enorm, sich schnell zurechtzufinden. Auch kulinarisch habe ich Neues entdeckt – Kohlrouladen und deutsche Torten finde ich sehr lecker (lacht).


Was würden Sie anderen empfehlen, die eine Pflegeausbildung in Deutschland beginnen möchten?
Deutsch lernen ist das Wichtigste. Man braucht Geduld, denn aller Anfang ist schwer. Wichtig ist auch, sich an Regeln zu halten, offen zu kommunizieren und freundlich sowie zugewandt zu sein. Und man sollte keine Angst vor Fehlern haben – sie gehören am Anfang einfach dazu. Herausforderungen sollte man gelassen begegnen.

Das Interview führte Projektkoordinatorin 
Katharina van Münster

KONTAKT
Wirtschaftsvereinigung 
der Grafschaft Bentheim e.V.
Katharina van Münster, 
Projektkoordinatorin „Perspektive Ems-Vechte“
    (05921) 7801-62
✉    vanmuenster@wirtschaft-grafschaft.de


Im Rahmen des Projekts „Perspektive Ems-Vechte“ entwickelt Projektkoordinatorin Katharina van Münster Konzepte für eine Willkommens- und Integrationskultur, vermittelt Schulungen, etwa zu Diversity oder interkultureller Kompetenz, und steht zugewanderten Fachkräften beim Ankommen zur Seite. Das Projekt wird kofinanziert durch die Europäische Union, die Zukunftsregion Ems-Vechte und den Zukunftsfonds Ems-Vechte.

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