Dreh- und Angelpunkt der Investitionen in die Infrastruktur ist der Ortskern von Emlichheim. Auf dem ehemaligen Grüppen-Gelände soll ein Lidl-Neubau entstehen. Die Bauleitplanung ist bereits gestartet, aber parallel sind noch einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel die Verkehrsführung. Denn klar ist: Mit der Ansiedlung des Discounters wird es auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Gemeinde geben. „Ergänzt durch den Einkaufstourismus durch Menschen aus den Niederlanden, die gerne bei uns Lebensmittel einkaufen“, erläutert Dieter Lindschulte, Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Emlichheim. Der Durchgangsverkehr soll deshalb durch eine Ortsumgehung – die Südumgehung – umgeleitet werden. Über die Straße wird aktuell noch diskutiert.
Etwas weiter ist die Samtgemeinde schon an einer anderen Stelle der Verkehrsplanung. Zurzeit wird die Entlastungstraße Obenholt verlängert, die ebenfalls das Ortszentrum vom Schwerlastverkehr befreien soll. Die Straße verbindet künftig die Ampelkreuzung B403/Haftenkamper Diek im Bereich der Vechtetalstraße mit dem Industriegebiet. Rund 14 Millionen Euro – die bislang größte Investition in der Historie der Samtgemeinde – schlagen dafür zu Buche. Die Kosten sind auch deswegen so hoch, weil die Straßentrasse durch das Überschwemmungsgebiet der Vechte führt und eine neue Vechtebrücke gebaut werden musste. Im dritten Quartal 2026 soll die Straße für den Verkehr freigegeben werden. „Das ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte, weil nicht nur der Ortskern entlastet wird, sondern auch die Industriegebiete künftig deutlich besser angebunden sind. Transporter müssen keinen Umweg mehr durch den Ort fahren“, betont Lindschulte.
Im Bau ist ebenfalls eine weitere innerörtliche Entlastungsstraße in Emlichheim: die neue Ladestraße. Sie kostet zwei Millionen Euro und dient auch der Erschließung des Bahnhofsumfeldes. Denn mit der Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs (siehe Artikel Seite 20) wird das Bahnhofsumfeld städtebaulich entwickelt. Neben einem überdachten Mittelbahnsteig entstehen Busbahnhof, Parkplätze und Fahrradständer. Auch die Tourismusinformation wird dort einen Standort in einem ehemaligen Landhandel beziehen. „So haben Touristen direkt einen Ansprechpartner, wenn sie aus dem Zug steigen“, erklärt Lindschulte.
„All die verkehrsentlastenden Maßnahmen tragen dazu bei, dass wir den Ortskern von Emlichheim ganz neu gestalten können“, blickt der Wirtschaftsförderer voraus. Und dafür bekommt die Gemeinde Emlichheim auch Fördermittel aus der Städtebauförderung. Mit dem Geld soll unter anderem eine innerörtliche Fläche am Wiggerskamp – direkt an der Neuen Ladestraße am Bahnhof gelegen – gestaltet werden: eine soziale Mitte mit Mehrgenerationenhaus, Familien-Servicebüro, Kita, Wohn- und Geschäftshäusern sowie einer parkähnlichen Anlage. Das Nutzungskonzept steht, derzeit wird der Bebauungsplan aufgestellt. Die Gemeinde Emlichheim baut das Krippenhaus mit Großtagespflege, das Familien-Service-Büro und das Mehrgenerationenhaus. Der Baubeginn ist noch für dieses Jahr geplant. Die Flächen für die Wohn- und Geschäftshäuser sollen im Rahmen eines Konzeptwettbewerbs an Investoren vergeben werden. Im Mehrgenerationenhaus in Emlichheim wird im Rahmen einer LEADER-Förderung auch eine Teilzeitkraft ihre Arbeit aufnehmen, die sich um die Integration von ausländischen Auszubildenden in der Altenpflege und von Fachkräften in der Altenpflege kümmert. Im Rahmen des Projektes soll auch ermittelt werden, wie Fachkräfte in den Orten ihrer Ausbildung gehalten werden können und welche Faktoren hierfür ausschlaggebend sind. „Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass es für eine erfolgreiche Integration mehr braucht als nur einen guten Job. Insbesondere die Auszubildenden mit Migrationshintergrund sind in der Regel ohne Familie in die Samtgemeinde Emlichheim gezogen. Die jungen Menschen müssen neben dem Lehrstoff, der ihnen vermittelt wird, auch das Leben in einer fremden Umgebung lernen. Dabei soll ihnen eine Lotsin helfen, die ihnen Alltag, Leben, Kultur, Flair und Eigenarten in der Grafschaft näherbringt“, erklärt Lindschulte.
In der Nähe des Rathauses entsteht derzeit außerdem ein neuer Rewe-Markt; ein Fuß- und Radweg soll künftig von dem Supermarkt bis zum Bahnhof führen und so Nahversorgung und Bahnhof miteinander verbinden. „Emlichheim wird durch diese Maßnahmen eine neue ‚gute Stube‘ bekommen“, ist Lindschulte überzeugt.
Parallel tut sich auch etwas in den anderen Gemeinden: Die Dorfentwicklungsplanung „Wir an der Vechte: Gemeinsam am Zug“ ist gestartet. In diesem Rahmen sind Projekte in Hoogstede, Ringe und Laar sowie in den Ortsteilen Oeveringen und Volzel von Emlichheim geplant. „Bis Mitte dieses Jahres soll der Dorfentwicklungsplan unter Bürgerbeteiligung erstellt werden. Nach Genehmigung durch das Amt für regionale Landesentwicklung können die ersten Förderanträge für die Projekte dann bis zum 30. September 2027 gestellt werden“, informiert Rita Köster von der Stabstelle Wirtschaft/Tourismus bei der Samtgemeinde Emlichheim.
Ein wichtiges Thema ist dabei der Erhalt der örtlichen Baukultur in den Gemeinden: Alte Scheunen sollen zum Beispiel zu Dorfgemeinschaftshäusern umgebaut werden. Etwa in Hoogstede: Dort fehlt ein Treffpunkt mit Saalbetrieb und Gastronomie für die Bürgerinnen und Bürger. Hoogstede werde oft nur als Durchfahrtsort wahrgenommen, weil die Verkehrsachsen stark sichtbar sind. Diese Situation soll mit einem Ort für die Gemeinschaft verbessert werden. Auch ein Dorfladen sei denkbar; jetzt werde nach Investoren gesucht. Außerdem soll in Hoogstede eine neue Mitte am – künftig dann reaktivierten – Bahnhof entwickelt werden.
Die Gemeinde Ringe will unter anderem ihren Ortsteil Neugnadenfeld weiterentwickeln. Auch da soll die Baukultur erhalten bleiben, zum Beispiel in einer alten Siedlung mit Parkanlage. In Groß- und Kleinringe geht es derweil um die Daseinsvorsorge mit altengerechtem Wohnen.
In Laar soll ebenfalls ein Ort für die Gemeinschaft geschaffen werden: Das historische Bahnhofgebäude am alten Bahnhaltepunkt soll restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden; hier investiert die Bentheimer Eisenbahn.
Für die gesamte Dorfregion steht außerdem eine Dorf-App mit Mitfahrservice auf der Wunschliste.
Wichtiger Teil der Infrastruktur ist auch die Energieversorgung. Dabei setzt die Samtgemeinde vor allem auf Windenergie. Der Windpark in Emlichheim und Laar wird zurzeit um sechs Windkraftanlagen erweitert. Zwei weitere Windenergieprojekte in Kleinringe und Volzel sind in Planung. Die Bürger sollen dabei über eine Bürgergenossenschaft beteiligt werden, die kürzlich gegründet worden ist. „Sie bekommen dadurch die niederschwellige Chance, sich für die Energiewende zu engagieren. Das erhöht auch die Akzeptanz für Windenergie“, betont Samtgemeindebürgermeister Ansgar Duling.
Erstellt von Anja Wittenberg