Dülmen

Carsten Hövekamp: „Sehr positive Signale für Dülmen“

Im Interview spricht Dülmens Bürgermeister Carsten Hövekamp über die Veränderungen in der Stadt in den vergangenen Jahren, was die Kommune noch vor sich hat und was im Veranstaltungskalender für 2025 steht.

Anzeige

Herr Hövekamp, wenn man heute am Bahnhof in Dülmen ankommt und durch die Innenstadt läuft, dann stellt man schnell fest: Hier hat sich viel getan. Erzählen Sie doch mal … 
In den vergangenen Jahren hat sich tatsächlich sehr viel in Dülmen getan, sowohl in der Innenstadt als auch am Bahnhof. Beide Bereiche haben sich toll entwickelt – zum einen als Herz unserer Stadt, zum anderen als Mobilitätsschwerpunkt. Die Umgestaltung des Markplatzes mit der Eröffnung des Intergenerativen Zentrums „einsA“ und der dazugehörigen Gastronomie haben diesen zentralen Punkt unserer Stadt in ein ganz anderes Licht gerückt. Der Marktplatz ist ein Treffpunkt für Jung und Alt. Er ist so angelegt, dass viele unterschiedliche Veranstaltungen und auch der Wochenmarkt hier Platz finden. Er ergänzt sich super mit dem überdachten „Markt der Möglichkeiten”, auf dem bei jedem Wetter Events stattfinden können. Das lockt viele Menschen in die Innenstadt, was nicht nur die Gastronomen, sondern auch die Einzelhändler erfreut.

Auch der Overbergplatz mit dem mobilen Spielturm und dem angrenzenden Stadtquartier wird gut angenommen. Die Frequenz in der Innenstadt hat sich dadurch deutlich erhöht – gerade bei schönem Wetter verbringen viele Menschen ihre Zeit auf dem Marktplatz oder am Overbergplatz. Im Zuge unseres Innenstadtentwicklungskonzepts und dank einer weiteren Förderung haben wir außerdem die Sportanlage an den Wiesen ganz in der Nähe zum Zentrum umgestaltet, sodass dort ein weiteres Highlight entstanden ist. Weitere Projekte wie ein inklusiv gestalteter Spielplatz sind in Vorbereitung, sodass wir in der Summe in der Innenstadt dann ein tolles Angebot für alle Alters- und Zielgruppen haben. 

Und am Bahnhof? 
Der ist – im positivsten Sinne – nicht mehr wiederzuerkennen. Neben einem Empfangsgebäude, einem Fahrradparkhaus und einer neuen Park-and-Ride-Anlage ist der Vorplatz mit der Busumfahrung komplett neugestaltet worden. Es gibt fast keine Stufen mehr, was nicht nur für mehr Barrierefreiheit sorgt, sondern auch den Radfahrern die An- und Abfahrt am Bahnhof erleichtert. Das Gelände in eine schiefe Ebene zu bringen und somit Treppen zu vermeiden, war übrigens eine Anregung aus der Bürgerschaft, die wir im Rahmen einer Öffentlichkeitsbeteiligung eng eingebunden haben. Es war ein ambitioniertes Vorhaben angesichts des knappen Förderzeitraums, aber ich finde, dass wir mit dem Bahnhof wirklich ein Highlight für die Stadt geschaffen haben. Das war auch ein wichtiges Signal für die Mobilitätswende, da dort Bahn, ÖPNV und Radverkehr aufeinandertreffen und so der Übergang zwischen diesen Verkehrsmitteln erleichtert wird. 

Das Stichwort „Veranstaltungen“ haben Sie bereits genannt. Worauf dürfen sich Besucherinnen und Besucher der Innenstadt in diesem Jahr freuen? 
Auf viele verschiedene Events! Um mal ein paar Highlights zu nennen: Am 5. Juli findet die Nachhaltigkeitsmeile auf dem Markplatz statt, bei der sich alles um umweltbewusstes Leben und nachhaltige Initiativen in Dülmen dreht. Über die Sommermonate findet bis Anfang August der „Dülmen Beach“ statt. Der Markplatz hat sich mit rund 230 Tonnen Sand in eine große Beachparty verwandelt. Es gibt eine multifunktionale Volleyball-Arena, eine große Bühne, eine Leinwand, einen Piratenstrand für die kleinsten Besucher, einen überdachten Sitzbereich mit Gastronomie, eine Beach-Bar und eine Lounge für individuelle Events – es ist also für jeden etwas dabei. Neben Volleyball-Turnieren gibt es Live-Musik und DJ-Sessions bis hin zu Modenschauen und Fitnesskursen. Und natürlich findet auch wieder unser „Dülmener Sommer“ statt, bei dem an verschiedenen Spielorten in Dülmen über 90 Künstlerinnen und Künstler Theater, Kultur und Kunst zeigen – umsonst und draußen. Auf die Straßentheater-Vorstellungen freue ich mich besonders. Das Format ist auch überregional sehr bekannt, sodass in Dülmen wieder einiges los sein wird.  

Und danach? 
Im Herbst findet neben den Wochenmärkten am 3. Oktober das nächste Highlight statt: der Bürgertreff mit Blaulichtmeile rund um den Marktplatz. Dort präsentieren sich zahlreiche Dülmener Vereine und geben Einblicke in ihr Ehrenamt. Mitte November bis Anfang Januar gibt es wieder den „Dülmener Winter“. Highlight ist dabei die große Eisbahn zum Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen sowie die Gastronomie rundherum. 

Langweilig wird es in Dülmen also nicht. 
Auf keinen Fall! Es macht immer wieder Spaß, solche Formate zu entwickeln und zu veranstalten. Dahinter stecken viele kreative Köpfe und eine Menge Arbeit. Daher sind wir sehr froh über die Zusammenarbeit und Unterstützung der Sponsoren, aber vor allem auch unserer weiteren Partner wie die Viktor GmbH als Zusammenschluss der Einzelhändlerinnen und Einzelhändler, Dülmen Marketing oder die Interessensgemeinschaft Dülmener Unternehmen. 

Als Bürgermeister sind Sie – gemeinsam mit der städtischen Wirtschaftsförderung – erster Ansprechpartner für die Dülmener Unternehmen. Wie geht es der Wirtschaft vor Ort zurzeit? 
Die Dülmener Unternehmerinnen und Unternehmer spüren die globalen Schwierigkeiten und Unsicherheiten auf dem Markt infolge der geopolitischen Lage, so wie es vielerorts der Fall ist. Es ist schwer abzuschätzen, auf welche Aussagen man sich beim Blick über den großen Teich verlassen kann, und auf was nicht. Stichwort Handelszölle.

Nichtsdestotrotz ist der Wirtschaftsstandort Dülmen dank seines ausgewogenen Branchenmix gut aufgestellt, sodass sich Branchen, in denen es aktuell kriselt, gut durch andere Bereiche ausgleichen lassen. In Dülmen stehen die Zeichen bei vielen Unternehmen sogar auf Wachstum: Wir haben in diesem Jahr schon drei, vier Eröffnungen oder Erweiterungen gefeiert. Dazu zählt zum Beispiel der Ausbau bei Huesker für das Tochterunternehmen NaBento, das nun nach Dülmen gezogen ist. Besonders freut mich, dass sich international tätige Unternehmen für den Standort Dülmen entscheiden: Beispielsweise der Maschinenbauer Bausch + Ströbel, der sich im Industriegebiet Dülmen-Nord niederlässt. Demnächst wird sich außerdem der Teleskopladerhersteller Magni mit seiner Deutschland-Zen­trale hier ansiedeln – das sind alles sehr positive Signale für den Wirtschaftsstandort Dülmen. 

Ein Thema, das nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Sie als Kommune bewegt, ist die Nachhaltigkeit. Für die Stadt bringen Sie nun eine Nachhaltigkeitsstrategie auf den Weg, für die es auch eine Förderung gab. Wo stehen Sie aktuell in diesem Prozess? 
Wir sind noch auf dem Weg zur Nachhaltigkeitsstrategie. Seit Anfang des Jahres trifft sich eine Steuerungsgruppe regelmäßig, die das Konzept inhaltlich entwickelt. Dazu gehören Akteure aus Wirtschaft, Bürgerschaft, Vereinen, Sport und Verwaltung. Abgeleitet von den globalen Klimaschutzzielen der Vereinten Nationen haben wir für Dülmen sechs Handlungsfelder ausgemacht. Das sind: „Klimaschutz und Klimaanpassung“, „Biodiversitäts- und Umweltschutz“, „nachhaltige Flächen- und Raumentwicklung“, „nachhaltige Mobilität“, „soziale Gerechtigkeit und zukunftsfähige Gesellschaft“ sowie „Bildung und Kultur“. Bis zum kommenden Sommer wollen wir für diese Felder konkrete Maßnahmen beschließen. Außerdem werden wir unsere bestehenden Pläne – das Mobilitäts-, Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungskonzept mit 55 Maßnahmen, wie wir als Kommune bis 2035 klimaneu­tral werden wollen – in die Nachhaltigkeitsstrategie integrieren. Es werden somit viele Einzelmaßnahmen und Projekte zusammengeführt, die in Dülmen in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt wurden.

Welche zum Beispiel? 
Eine Bürgerenergiegenossenschaft, kurz BEDeG, hat sich gegründet, über die sich Bürger an der Erzeugung von regenerativer Energie mit einem Eigenanteil von 250 Euro beteiligen können, etwa an PV-Anlagen oder Windrädern. Sie profitieren dann im Nachgang von der Gewinnausschüttung. Mit insgesamt 1.400 Mitgliedern konnten wir so viereinhalb Millionen Euro Kapital einsammeln, das für die Nachhaltigkeit zur Verfügung steht – es ist also so eine Art Crowdfunding Schwarmintelligenz, die gemeinsam für die Stadt nachhaltige Projekte vorantreibt. Außerdem haben wir die Investition in PV-Anlagen gefördert und bieten eine Energieberatung an, die per Wärmebildkamera aufzeigt, wo die meiste Wärme im Haus verloren geht. Außerdem haben wir die kommunale Wärmeplanung durch Quartierskonzepte auf den Weg gebracht. Zudem gibt es auch viele kleinere Ideen und Maßnahmen: Beispielsweise unterstützen wir Familien bei der Anschaffung von Stoffwindeln.

Herr Hövekamp, jetzt haben wir viel über den Standort Dülmen gesprochen. Was ist denn Ihr persönlicher Lieblingsplatz in der Stadt? 
Da gibt es tatsächlich mehrere Favoriten. Besonders schön ist es im Sommer auf dem Kirchplatz, weil man dort gut im Schatten sitzen und entspannen kann. Ich sitze aber auch gerne im Extrablatt mit Blick auf den Marktplatz und schaue dort dem Trubel zu. Und mein Büro im Rathaus ist natürlich auch ein schöner Platz (lacht). 

Artikel teilen