Mitten im Herzen der niedersächsischen Stadt, am Heger Tor, nur ein paar Meter vom Marktplatz entfernt, soll das Welcome & Connect Center eine Anlaufstelle für alle sein, die beruflich neu in der Stadt sind und sich hier orientieren und vor allem auch vernetzen wollen. Die Lage ist strategisch gewählt: Das Stadthaus mit Bürgeramt und Ausländerbehörde ist fußläufig erreichbar.
Zwei Stellen wurden für die Arbeit im WCC geschaffen: Marie-Theres Volk (42) und Yannick Bartholomäus (35) kommen mit jeweils ganz eigenen beruflichen Vorgeschichten. Volk bringt Erfahrung aus elf Jahren Arbeit in einem Förderprogramm für ausländische Fachkräfte mit, Bartholomäus rückte als gelernter Erzieher in den Bereich Marketing und Sales in der IT-Branche. Beide ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten gut, wie sie sagen: Integrationserfahrung und Unternehmensnetzwerk. Beides zusammen ist genau das, was das Welcome & Connect Center selbst bieten möchte.
Marktlücke in Osnabrück
„Die Idee für so ein Center stand in Osnabrück schon länger im Raum“, sagt Volk. Die Überlegung, zentrale Anlaufstellen für ausländische Arbeitnehmer zu schaffen, ist ja auch gar nicht mehr so neu, rund 70 solcher Angebote gebe es bereits in Deutschland, sagt Volk. „In Niedersachsen existieren solche Angebote seit mehr als zehn Jahren, aber hier in Osnabrück fehlte das noch.“ Die Idee ist simpel: Das WCC ist ein niedrigschwelliges Angebot, anders als die klassische Behörde steht hier zunächst nicht ein Formblatt oder ein Regelwerk im Fokus, sondern ein Willkommen und ein Lächeln. „Bei uns gibt es erstmal einen Kaffee“, sagt Bartholomäus und lacht. Ankommen, durchatmen und orientieren. Darum geht es im ersten Schritt.
Zwei Zielgruppen hat das Duo vom WCC definiert. Da sind zum einen die Menschen: Fachkräfte, die eine Stelle in einem Osnabrücker Unternehmen angetreten haben, aber auch Studierende der Osnabrücker Hochschulen. Und da sind die Unternehmen auf der anderen Seite, die von der Arbeit des WCC profitieren, weil sie die kleinteilige und sehr individuelle Begleitung Neuankommender in andere Hände geben können. „Wir sind aber keine Touristeninformation“, betonen Volk und Bartholomäus. Die Tür des WCC stehe natürlich allen offen, aber zum einen sei die klassische Touristeninformation nur 300 Meter weiter weg, zum anderen gehe es ja speziell um einen beruflichen Hintergrund.
„Rund 120 Kunden haben wir in den ersten sechs Monaten hier begrüßt“, sagt Volk. Davon stamme nur eine Handvoll aus anderen deutschen Städten. Die meisten kämen aus dem Ausland, seien gezielt für einen Job in Osnabrück und würden von Arbeitgebern zum WCC geschickt. Manche seien erst seit wenigen Tagen in Osnabrück, andere wiederum sind schon länger vor Ort. „Die sind im Job angekommen, haben beruflich Fuß gefasst und haben dann Themen wie den Familiennachzug“, so Volk. Es sei viel Bewegung drin: „Gerade hatten wir eine ganze Reihe von Fachkräften aus Marokko und Tunesien hier, die wir direkt auf unsere abendlichen Onboardingtouren genommen haben.“ Diese gemeinsam mit dem Osnabrücker Anbieter „Die Nachtwächter“ durchgeführten Touren sind eine der drei Säulen des WCC: Hier lernen Neuankommende die Stadt und auch das WCC-Team kennen. Auf den Touren durch die Stadt, etwa zwei Stunden lang, geht es um Sehenswürdigkeiten, aber eher noch darum, sich und die neue Umgebung auf spielerische Weise kennenzulernen. „Wenn die Tour beendet ist, haben sich meistens schon kleine Gruppen gefunden“, freut sich Volk.
Neben dem Onboarding gibt es zwei weitere wichtige Aufgaben. Orientierung ist eine davon. Volk und Bartholomäus unterstützen bei ganz alltäglichen Themen, übersetzen Behördenschreiben, erklären die GEZ und geben Orientierungen bei Fragen rund um Wohnungssuche, koordinieren die Anerkennung ausländischer Ausbildungsnachweise, klären den Impfstatus – oder helfen auch einmal mit einem Tipp für ein gutes Restaurant aus. Im Kern steht allerdings, den Kunden einen Weg durch das manchmal etwas bürokratische Deutschland zu weisen. Eine Leitlinie bildet oft das bundesweite Programm „Make it in Germany“, das von Aufenthaltstiteln bis zu Berufsqualifizierungen viele Wege zeigt. „Wir erklären aber auch, wer in Osnabrück die Akteure sind, beispielsweise Sprachtrainer oder die Anerkennungsstelle“, erklärt Bartholomäus.
Netzwerken
Und dann geht es darum, durch Events Netzwerke zu bilden. „Meet the industry“ oder ein Campus-Quiz: Hier können Menschen in ungezwungener Umgebung miteinander ins Gespräch kommen. „Das ist eine Entlastung für Unternehmen“, betont Volk. Überhaupt sei aus den Rückmeldungen der Unternehmen deutlich zu spüren, wie wichtige die externe Unterstützung durch das WCC ist. „Die anfallenden Themen bei der Integration ausländischer Mitarbeiter sind komplex, viele Unternehmen kommen da selbst nicht hinterher“, sagt Volk. Etwas „Empowerment“ für Unternehmen sei das auch, was das WCC leiste.
Vorerst ist das Welcome & Connect Center Osnabrück auf zwei Jahre befristet – es handelt sich um ein Förderprogramm. Volk und Bartholomäus gehen ihren Job durchaus ein bisschen wie ein Start-up an: Hier etwas Marketing, dort Events. Alles läuft über das kleine Team, das auch selbst manche Lernkurve hinter sich hat. Bartholomäus: „Für uns ist vieles selbstverständlich, weil wir hier aufgewachsen sind. Aber auch wir müssen uns in viele Themen einarbeiten.“ Manchmal gehe es auch über logistische Fragen hinaus. „Da sprechen wir über existenzielle Themen wie eine drohende Abschiebung“, gibt er zu. „Für uns ist wichtig: Wir arbeiten mit Menschen, nicht mit Problemen.“
Wenn die Förderung Mitte 2026 ausläuft, ist aber der klare Wille der WFO, das Projekt fortzusetzen. Dann müssen Wirtschaftsförderung und Stadt einspringen. „Es soll eine Institution werden, die langfristig bestehen bleibt“, sagt Volk. Denn das Ziel sei klar definiert: Es gehe darum, Menschen langfristig an die Stadt zu binden.
Text: Carsten Schulte