Ein Jahr nach dem Zusammenschluss der ehemaligen VR-Bank Westmünsterland und der Volksbank Südmünsterland-Mitte zieht die neue Volksbank Westmünsterland eG eine rundum positive Bilanz. „Vor einem Jahr haben uns die Vertreterinnen und Vertreter das Mandat für die Fusion gegeben. Heute können wir sagen: Sie ist gelungen – und viele Leistungsversprechen aus der Vorfusionszeit konnten bereits eingelöst werden“, sagte Dr. Carsten Düerkop, Vorstandsvorsitzender der Volksbank, auf der Vertreterversammlung am Dienstag in Haltern.
Trotz eines anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds könne die Genossenschaftsbank auch im zurückliegenden Geschäftsjahr stabile Kennzahlen ausweisen, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Die Bilanzsumme lag bei rund 5,0 Milliarden Euro, das betreute Kundengeschäftsvolumen stieg um drei Prozent auf insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Das Eigenkapital stiegt auf 562 Millionen Euro, die Ertragslage bleibe solide.
Spagat zwischen Nähe und Wirtschaftlichkeit
Mit der neuen Aufstellung gelinge der Spagat zwischen regionaler Nähe und moderner Leistungsfähigkeit. „Wir sind gewachsen – aber wir bleiben unverändert vor Ort“, so Vorstandskollege Henning Henke. Gleichzeitig wurde das Beratungsangebot deutlich ausgebaut: Mit spezialisierten Teams etwa für Baufinanzierung, Firmenkunden, Vermögensanlage oder Altersvorsorge biete die Bank Lösungen auf Augenhöhe – in der Fläche und digital.
Zufriedenstellend entwickelte sich aus Sicht der Bank das Kreditgeschäft. Bei Baufinanzierungen zeigt sich eine verstärkte Nachfrage. Im Firmenkundengeschäft registriert die Bank ein insgesamt stabiles Geschäft, mit deutlichem Wachstum insbesondere bei Investitionen in erneuerbare Energien. „Viele unserer gewerblichen Kunden investieren vorausschauend und nachhaltig – das passt ideal zu unserem genossenschaftlichen Verständnis“, erläuterte Marktvorstand Matthias Entrup.
Nachhaltigkeitspreis
Bereits zum dritten Mal hat die Volksbank Westmünsterland ihren Nachhaltigkeitspreis ausgelobt – diesmal in einem Bewerberfeld von 110 Privatpersonen, Unternehmen und Vereinen. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Modethema, sondern fest im Geschäftsmodell verankert“, betonte Vorstandsmitglied Berthold te Vrügt.
Auch baulich bleibe die Bank in der Region aktiv, heißt es. In Dülmen ist der Umbau des KompetenzCentrums in der Innenstadt abgeschlossen, bei dem neben einer Beratungs- und Serviceinfrastruktur auch dringend benötigter Wohnraum entstanden ist. In Stadtlohn steht der Neubau des KompetenzCentrums in den Startlöchern; die Bank ist vor Ort bereits in das Ausweichquartier umgezogen. In Borken wurde die energetische Dachsanierung am Hauptgebäude abgeschlossen.
Der persönliche und teils dezentrale Austausch zwischen Bank und Mitgliedern sei eine wichtige Säule. Der in diesem Jahr turnusmäßig neu zu wählende Beirat ermögliche als wichtiges Organ der Bank, dass alle Regionen entsprechend ihrer Mitgliederzahlen angemessen vertreten seien und Mitsprache bei wichtigen Themen der Bank hätten. Weiterhin biete die Bank mit nunmehr 14 regionalen Vertreterversammlungen bewusst kleinere, dialogorientierte Formate. „Hier werden Themen frühzeitig diskutiert – das schafft Transparenz und Vorbereitung für die große Versammlung“, so der Vorstandsvorsitzende Düerkop.
Im Rahmen der Vertreterversammlung wurde Helmut Rüskamp aus Dülmen nach über drei Jahrzehnten ehrenamtlichen Engagements aus dem Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank verabschiedet. Seit 1991 war Rüskamp Mitglied des Gremiums, seit 2020 dessen Vorsitzender – und damit maßgeblich an der strategischen Weiterentwicklung der Bank beteiligt.
Mit seinem ausgeprägten unternehmerischen Sachverstand habe Rüskamp die Entwicklung der Volksbank Westmünsterland eG über Jahrzehnte und insbesondere auch bei großen Weiterentwicklungen wesentlich mitgeprägt, heißt es bei der Bank. Über Fusionen, durch wirtschaftliche Umbrüche und digitale Transformationsphasen hinweg, sei er Impulsgeber und Sparringspartner für den Vorstand und die Gremien der Bank gewesen.
„Seinen Weitblick und seine strategische Kompetenz haben die Bank mitgeprägt“, würdigte Vorstandsvorsitzender Düerkop das langjährige Engagement Rüskamps.
Mahnende Worte von Steinbrück
Gastredner Peer Steinbrück, einst NRW-Ministerpräsident und Bundesfinanzminister, zeichnete in seiner Rede ein eher düsteres Bild der aktuellen Herausforderungen. Deutschland hinke in vielen Bereichen hinterher, insbesondere bei der Digitalisierung. „Kreisklasse“ spiele man im internationalen Vergleich, gerade mit Blick auf Benelux oder Skandinavien. Dass nun ein eigenes Ministerium für Digitales entstanden sei, bezeichnete Steinbrück in Haltern einen wichtigen Schritt.
Vieles andere sei ebenfalls liegen geblieben: Fachkräfte, Wohnungen - das seien Versäumnisse der vergangenen zehn, 15 Jahre. „Wir befinden uns in einer Zeitenwende“, betonte Steinbrück. „Nur sind die Dimensionen und die Konsequenzen bisher nicht richtig erklärt worden von der Politik“, so Steinbrück mit Blick auf Multikrisen wie dem Krieg in der Ukraine, aber auch der neuen Sicherheitspolitik der USA - nichts sei mehr sicher, so Steinbrück. „Als Gesellschaft wollen wir das alles noch nicht begreifen. Aber unsere bekannten Achsen funktionieren nicht mehr.“ Zollpolitik, Verschiebungen von Märkten nach Asien, Energie: Das seien alles Themen, die angegangen werden müssten. „Was bringt es. wenn wir hier alle in Ruhe wiegen?“, so Steinbrücks eher rhetorische Frage.
Versöhnlich fiel aber sein Ausblick aus: „Dass wir das können, haben wir bewiesen“, so Steinbrück über die anstehenden Aufgaben. Von denen nannte er einige zentrale:
- Reform öffentlicher Verwaltung
- Digitalisierung
- Fundamentale Erneuerung des Sozialstaats
- Eine bessere öffentliche Infrastruktur
- Eine angepasste Sicherheitsarchitektur