Kreis Coesfeld

Neues deutsch-niederländisches Projekt für Familienunternehmen gestartet

Enschede – Im Fußball-Stadion des niederländischen FC Twente Enschede, De Grolsch Veste, ist das neue Interreg-Projekt „Familiebedrijven – Familienunternehmen fit für die Zukunft“ gestartet. Rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmen sowie Vertreter aus Wissenschaft und Verwaltung aus Overijssel und dem Münsterland nahmen aktuelle Herausforderungen wie Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und politische Veränderungen in den Fokus des Kick-offs. Knapp 850.000 Euro fließen in das Projekt, das bis Juni 2029 datiert ist. Das Ziel: die Zukunftsfähigkeit von deutschen und niederländischen Familienunternehmen stärken.

Rund 90 Besucher fanden den Weg ins Stadion des FC Twente Enschede um den offiziellen Start des neuen Interreg-Projekts zu verfolgen. Foto: Tom Vieth

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Hochschulen entwickeln Studie

Das Projekt, das sich an kleine bis mittlere Familienunternehmen mit fünf bis 249 Beschäftigten richtet, soll eine ganzheitliche unternehmerische Perspektive über die Landesgrenzen hinweg fördern und die Unternehmen bei Herausforderungen für die Zukunft unterstützen. Kern des Projekts ist die Etablierung von Fokusgruppen, in denen Familienunternehmen beider Länder gemeinsame Erfahrungen austauschen und an Lösungen arbeiten können. Beteiligt am Projekt sind unter anderem die Wirtschaftsförderungen der Kreise Borken und Coefeld, der Münsterland e.V. sowie die Fachhochschulen Münster und Windesheim.

Studierendenteams beider Hochschulen sollen im Rahmen des Projekts eine grenzübergreifende Studie zu den Engpässen und Herausforderungen deutscher und niederländischer Familienunternehmen durchführen. Themen wie Unternehmensnachfolge, Abfallentsorgung und den anhaltenden Fachkräftemangel sowie die Frage, wie Unternehmen voneinander lernen können, sollen dabei im Fokus stehen. Neue Arbeitsmethoden sollen in Workshops mit Intermediären wie Beratern und Banken geteilt und in einem Leitfaden und in Schulungsmodulen dokumentiert werden.

FC Twente will vorangehen

Marcel Nakken vom gastgebenden FC Twente Enschede eröffnete das rund 90-minütige Rahmenprogramm. Er stellte den Fußballclub näher vor und erklärte die Motivation des Vereins, sich im neuen Interreg-Projekt zu engagieren. Der Verein wolle sich tiefer in die deutsch-niederländische Grenzlandregion etablieren. Twente wolle als „Gesprächspartner“ für Wirtschaft und Gesellschaft fungieren und dadurch neue Chancen nutzen, Unternehmen für den Verein zu gewinnen, so Nakken.

Der niederländische Meister von 2010 kann dabei bereits auf die Unterstützung deutscher Sponsoren bauen, wie Nakken berichtete. So ist beispielsweise der Großhandel GGM Gastro aus Ochtrup einer der wichtigsten Sponsoren von Twente Enschede. Mit der Skybox gebe es in De Grolsch Veste auch eine Loge nur für deutsche Unternehmen. Auch mit deutschen Fußballvereinen pflegt Twente einen intensiven Austausch. Mit dem FC Schalke 04 bestehe eine prominente und seit Jahren innige Freundschaft. Auch mit Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg pflege man Kontakt, so Nakken.

Ähnliche Herausforderungen

Anschließend berichteten je ein deutsches und ein niederländisches Unternehmen von ihren Herausforderungen als Familienunternehmen. Thekla Terhalle, Geschäftsführerin von Terhalle Holz-, Objekt- und Innenausbau aus Ahaus-Ottenstein, teilte die Einschätzung von Jisca Veldsink (Geschäftsführerin CF Kunststofprofielen), dass Unternehmen auf beiden Seiten oft dieselben Thematiken beschäftigten: Generationswechsel, Fachkräfte, politische Veränderungen. „Beide können voneinander lernen“, war Terhalle überzeugt. Veldsink ergänzte: „Wir dürfen nicht in Unterschieden denken, sondern in Gemeinsamkeiten.“

Digitalisierung kommt oft zu kurz

Jens Wortmann von der Fachhochschule Münster und Claudia van Orden, Lektorin für Familienunternehmen an der FH Windesheim, betonten die Bedeutung von Familienunternehmen beider Länder. Rund 55 Prozent der Arbeitnehmenden in der Region seien in Familienunternehmen beschäftigt, so Wortmann. Familienunternehmen seien in der Zukunft mehreren Herausforderungen ausgesetzt: Viele Betriebe müssten in den nächsten fünf bis zehn Jahren ihre Unternehmensnachfolge regeln.

Betriebswirtschaftliche Themen würden die Unternehmen so sehr beschäftigen, dass Investitionen wie Digitalisierung zu kurz kommen würden. Dabei spielten auch Bürokratie und ständige Veränderungen von Rahmenbedingungen eine Rolle. „Solche Strukturen stellen die Wirtschaft vor Probleme, da sind wir nicht attraktiv genug, das wissen auch Nachfolger“, betonte Wortmann und plädierte: „Weg vom betriebswirtschaftlichen Denken, hin zur Transformation!“

„Wirtschaft im 360-Grad-Blick verstehen“

Christoph Almering, Geschäftsführer der Euregio, appellierte, „Arbeitsmarkt und Wirtschaft im 360-Grad-Blick“ zu verstehen. Beide Seiten müssten sich „von der Haltung verabschieden, die Märkte mit dem Rücken zur Grenze zu sehen“. Almering wies auf Unterstützungsangebote für Grenzpendler hin, die beispielsweise Steuer- und Versicherungsfragen betreffen. Den Unternehmen riet er beim Thema Nachfolge, Mut und Vertrauen zu haben. Besonders in Deutschland stünde man vor politisch rauen Zeiten und möglichen Entscheidungen, die sich „extrem schlecht“ für die Wirtschaft auswirken könnten. Trotzdem müsse man zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Anschließend erhielten die Gäste eine Stadionführung durch De Grolsch Veste, ehe die Veranstaltung beim Netzwerken ausklang.

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