Landkreis Osnabrück

IHK-Konjunkturumfrage: Regionale Wirtschaft kommt weiterhin nicht in Fahrt

Osnabrück - Die regionale Wirtschaft steckt weiterhin in einer ausgeprägten Schwächephase. Der Konjunkturklimaindex der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim liegt im dritten Quartal 2026 unverändert bei 86,4 Punkten und damit weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt. „Die regionale Wirtschaft kommt weiterhin nicht in Fahrt“, erklärt dazu Marco Graf, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim.

Symbolbild Konjunktur. Foto: WA mit KI

Anzeige

. „Die Erwartungen sind zwar etwas weniger pessimistisch als zuletzt, aber mit einem Saldo von minus 19 Punkten überwiegen die pessimistischen Stimmen immer noch deutlich. Außerdem verschlechtert sich die aktuelle Geschäftslage erneut. Ein nachhaltiger Aufschwung ist weiterhin nicht in Sicht.“

Auch bei Beschäftigung, Investitionen und Exporten zeigen sich gegenüber der Vorumfrage keine grundlegenden Veränderungen. Der Beschäftigungssaldo bleibt mit minus 16 Punkten deutlich im negativen Bereich. Die Investitionspläne verbessern sich zwar leicht, der Saldo liegt mit minus 13 Punkten aber weiterhin klar unter der Nulllinie. Die Exporterwartungen bewegen sich mit einem positiven Saldo von neun Punkten weitgehend seitwärts und liefern damit stabile, aber keine zusätzlichen Wachstumsimpulse.

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist die weiterhin hohe Belastung durch gleich mehrere Risikofaktoren. Die Unternehmen nennen aktuell durchschnittlich 3,4 der acht abgefragten Geschäftsrisiken. Dieser Wert liegt bereits seit mehreren Quartalen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 2,8 Risiken. Größtes Geschäftsrisiko sind aktuell wieder die Energie- und Rohstoffpreise. Mit 77 Prozent nennen sie mehr als drei Viertel der Unternehmen. Dahinter folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 65 Prozent, die Arbeitskosten mit 63 Prozent sowie die Inlandsnachfrage mit 60 Prozent. „Die Unternehmen kämpfen derzeit nicht mit einem einzelnen Problem, sondern mit einer Vielzahl gleichzeitiger Belastungen“, so Graf. „Kostensteigerungen, schwache Nachfrage und wirtschaftspolitische Unsicherheiten bremsen Investitions- und Personalentscheidungen gleichermaßen aus.“

Sorge bereitet der IHK insbesondere die Entwicklung bei den Investitionsmotiven. Nur noch 17 Prozent der Unternehmen investieren mit dem Ziel einer Kapazitätserweiterung. Das sind vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und zugleich der niedrigste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2011. Investitionen erfolgen stattdessen überwiegend aus Ersatzbedarf. „Der historische Tiefstand bei den Kapazitätserweiterungen ist ein Warnsignal“, betont Graf. „Viele Unternehmen investieren derzeit vor allem, um bestehende Strukturen zu erhalten. Investitionen in zusätzliches Wachstum werden dagegen immer seltener.“

Auf Branchenebene bleibt das Bild uneinheitlich. Das Baugewerbe und die Dienstleistungswirtschaft zeigen sich vergleichsweise robust. Im Produzierenden Gewerbe hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorquartal dagegen eingetrübt. Der Handel bleibt trotz einer gewissen Erholung der mit Abstand schwächste Wirtschaftsbereich.

Nach Auffassung der IHK zeigt die Umfrage deutlich, dass die Unternehmen weiter dringend auf konkrete Verbesserungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen warten. „Die Unternehmen wollen investieren, wachsen und Arbeitsplätze sichern. Dafür brauchen sie jedoch verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik sollte den angekündigten Reformkurs konsequent fortsetzen und den Herbst nutzen, um spürbare Entlastungen auf den Weg zu bringen. Nur so können Vertrauen, Investitionsbereitschaft und wirtschaftliche Dynamik wieder gestärkt werden“, so Graf.
 

Artikel teilen