Bereits am Mittag schilderten rund 20 Beschäftigte in lockerer Atmosphäre und bestens versorgt durch das „Food-Mobil“ der Alexianer in kurzen Interviews ihre Erfahrungen mit dem täglichen Arbeitsweg, mit dienstlichen Wegen und mit Mobilitätsaspekten im betrieblichen Alltag. Im anschließenden Expertengespräch mit Unternehmensvertretern wurden diese Eindrücke gemeinsam eingeordnet und diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei vier Perspektiven: Pendelwege der Beschäftigten, dienstliche Mobilität, betriebliche Prozesse wie Ver- und Entsorgung sowie die Mobilität von Kundinnen, Kunden und Dienstleistern.
Aus den Mitarbeitendeninterviews und dem anschließenden Expertengespräch heraus wurde deutlich, dass Parador beim betrieblichen Mobilitätsmanagement bereits sehr gut aufgestellt ist und viel erreicht hat. So beteiligt sich Parador regelmäßig an der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“, hat ein Dienstradleasing eingeführt und arbeitet kontinuierlich an Optimierungen der eigenen Logistik- und Versorgungsprozesse. Auch diese Maßnahmen leisten einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Mobilität. „Wir wollen das Thema Mobilität ganzheitlich und systematisch denken und bewerten. Die Einführung des JobRad Leasings hat bereits viele Kolleginnen und Kollegen dazu motiviert, öfter mit dem Rad zur Arbeit zu kommen. Doch es gibt Rahmenbedingungen und unternehmensübergreifende Themen, wo wir den Austausch mit der Stadt und dem Kreis schätzen“, sagt Marion Diekmann, Nachhaltigkeitsmanagerin von Parador und ergänzt: „Für uns als Arbeitgeber und Teil des Öko-Systems der Coesfelder Unternehmen freuen wir uns, hier einen Beitrag zum kreisweiten Mobilitätskonzept leisten zu dürfen.“
Die Gespräche beim Mobi-Lunch machten zugleich deutlich, dass weitere Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Als vielversprechende Ansatzpunkte wurden unter anderem genannt, Gewerbegebiete stärker als zusammenhängende Mobilitätsräume zu betrachten und gemeinsame Lösungen mehrerer Unternehmen zu fördern. Zudem wurde angeregt, die Bekanntheit des kreisweiten Pendlerportals PENDLA innerhalb der Belegschaft weiter zu erhöhen, um Fahrgemeinschaften einfacher organisieren zu können. Weitere Ideen beziehen sich auf die Verbesserung der Mobilität direkt am Unternehmensstandort.
ÖPNV mit Nachholbedarf
Trotz der eigentlich guten ÖPNV-Anbindung Coesfelds, die ab dem 19. Oktober durch den neuen „StadtBus“ noch weiter verbessert wird, spielt der ÖPNV vor allem für Auszubildende und Mitarbeitende im Schichtdienst nur eine untergeordnete Rolle. Das erschwert die Gewinnung talentierter Nachwuchskräfte, zumal bezahlbare Ein- oder Zweizimmerwohnungen in und um Coesfeld nur schwer zu finden sind. Als Lösung wurde daher auch das sogenannte „Azubi-Wohnen“ diskutiert, ein Konzept, dass unter anderem in der Gemeinde Nottuln realisiert wurde. Dort sind sieben möblierte Wohnungen exklusiv für Auszubildende Nottulner Betriebe entstanden.
„Unternehmen kennen die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Beschäftigten oft sehr genau. Umso wertvoller sind die Erkenntnisse, die wir gemeinsam mit Parador gewinnen konnten“, betont Mathias Raabe vom Kreis Coesfeld und ergänzt: „Die betriebliche Perspektive ist ein wichtiger Baustein für die Entwicklung einer Mobilitätsstrategie, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen im Kreis Coesfeld orientiert.“
Die Ergebnisse des Workshops fließen in das Programm der für Februar 2027 geplanten Mobilitätskonferenz und die Mobilitätsstrategie des Kreises ein. Wer sich in den weiteren Beteiligungsprozess einbringen möchte, findet alle wichtigen Termine und den Zugang zur Online-Bürgerbefragung unter www.coe-mobil.de.
Das Projekt „Eine Möglichkeit mehr – Zielgruppenorientiertes Mobilitätsmanagement im Kreis Coesfeld“ wird im Rahmen des Projekts „Eintauchen und Auskennen“ über die Bezirksregierung Münster aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.