Kreis Borken

Nach Insolvenzantrag bei Schmeing Stahlbau: „Wir sehen sehr gute Perspektiven“

Südlohn – Die wichtigste Botschaft nannte der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht beim Pressegespräch direkt: „Der Geschäftsbetrieb der Schmeing Stahlbau GmbH wird ohne Einschränkung fortgeführt.“ Der Südlohner Hersteller von Stahlkonstruktionen für den Stahl- und Gewerbebau hatte vor einer Woche einen Antrag auf Insolvenz gestellt (Wirtschaft aktuell berichtete). Das Team der zuständigen Insolvenzverwaltung, die Kanzlei B·B·O·R·S Kreuznacht Rechtsanwälte aus Münster, erläuterte nun mit Klaus Honsel, geschäftsführender Gesellschafter bei Schmeing, die Pläne für die Zukunft. Gemeinsamer Tenor: Es soll weitergehen.

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Hintergrund für die Schieflage bei Schmeing sei zum einen die allgemein schwächelnde Konjunktur in Deutschland, die insbesondere den gewerblichen Bausektor schon seit ein paar Jahren erfasst hat – mit Auswirkungen auf die Auftrags- und Preisentwicklung für Gewerbehallenbauer wie Schmeing. „Das allein hätte man sicherlich überstehen können“, wie Kreuznacht einordnete. Aber: Zusätzlich erlebte das Unternehmen einen Zahlungsausfall in siebenstelliger Höhe bei einem Projekt für einen öffentlichen Auftraggeber. „Es kam für Schmeing zu einem Mehraufwand durch Änderungen am Bau und zu deutlich höheren Materialkosten für Stahl. In der Folge entstand eine höhere Zahlungssumme. Leider sind bislang alle Versuche gescheitert, eine einvernehmliche Lösung mit dem Auftraggeber zu finden, sodass der siebenstellige Betrag derzeit nicht zur Verfügung steht und somit zu einem Liquiditätsausfall führt“, erklärte der Insolvenzverwalter.

Die Konsequenz: Die Schmeing Stahlbau GmbH hat am 30. Januar 2026 einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Münster stellen müssen. Damit beginnt nun das sogenannte Insolvenzeröffnungsverfahren.

Bodenständige Mannschaft, die mit anpacken will

„Wir prüfen derzeit die Chancen einer Sanierung. Nach der ersten Sichtung und einer Vielzahl von Gesprächen sehen wir sehr gute Perspektiven“, betonte Kreuznacht. Das Team bei Schmeing – aktuell rund 40 Mitarbeitende – sei positiv gestimmt und engagiert. „Man spürt die hohe Identifikation der teils langjährigen Mitarbeitenden mit dem Unternehmen. Es ist eine bodenständige Mannschaft, die jetzt mit anpacken will“, so die Einschätzung des Insolvenzverwalters. Zudem gebe es einen hinreichenden Auftragsbestand.

Auch Klaus Honsel als geschäftsführender Gesellschafter sieht in dieser Konstellation eine Chance. „Wir haben aktuell auch einen Auszubildenden, der seine Prüfung zum Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik erfolgreich abgeschlossen hat, übernommen. Klar ist: Unser Team ist fachlich bestens aufgestellt und bereit, auch diese schwierige Situation zu meistern. Wir wollen alle nach vorne schauen.“ Die Produktion laufe weiter, sodass alle laufenden Bauprojekte planmäßig weiterbearbeitet werden.

Positive Signale von Geschäftspartnern

Positive Signale habe es auch von Geschäftspartnern gegeben: „Alle Auftraggeber bleiben an Bord und auch in der Zusammenarbeit mit den Lieferanten gibt es keine Verwerfungen. Das zeigt die hohe Reputation, die Schmeing über viele Jahre aufgebaut hat“, erklärt Kreuznacht. Rückendeckung gebe es auch von den Hauptgläubigern, den drei Banken. 

Der Insolvenzverwalter erläuterte, wie es nun in den kommenden drei Monaten – die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind in dieser Zeit über das Insolvenzgeld der Bundesarbeitsagentur gesichert – weitergehen soll. Neben dem laufenden Betrieb würden nun Gespräche mit sechs potenziellen Investoren geführt. Das Interesse an Schmeing sei „ungewöhnlich hoch“ und verdeutliche „die große Strahlkraft des Unternehmens“, wie Rechtsanwalt Alexander Vey aus dem Team der Kanzlei B·B·O·R·S einordnete. 

Verschiedene Lösungen möglich

Bis zur Insolvenzeröffnung am 1. April 2026 soll ein Modell stehen. Die möglichen Lösungen könnten dabei von einer kompletten Übernahme durch ein anderes Unternehmen über den Einstieg von Investoren bis hin zur übertragenden Sanierung oder zum Insolvenzplan reichen. „Alle Lösungen zielen darauf ab, den Standort Südlohn und die Arbeitsplätze zu erhalten. Selbst bei einer Sanierung gehen wir davon aus, dass diese im Sommer erfolgreich abgeschlossen ist“, machte Kreuznacht klar. 

Der Insolvenzantrag betrifft ausschließlich die Schmeing Stahlbau GmbH. Die Schmeing Landtechnik GmbH sowie der Schmeing Werkfachmarkt GmbH sind nicht betroffen.

Info: 
Schmeing Stahlbau wurde 1947 von Alois Schmeing gegründet. Klaus Honsel hatte den Betrieb vor über zehn Jahren übernommen. Hauptgeschäftsfeld sind Stahlbauleistungen für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft im Umkreis von etwa 80 Kilometern. Dazu zählen zum Beispiel schlüsselfertige Industrie- und Gewerbehallen sowie Hallen für die Landwirtschaft, Dach- und Wandkonstruktionen, Lichtkuppeln, Türen und Tore sowie Industrietreppen und Geländer.

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