Herr Entrup, Sie sind seit dem 1. Juli Vorstandsvorsitzender. Was hat Sie motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Vor allem meine starke Verbindung zur Volksbank Westmünsterland. Ich bin hier vor 37 Jahren mit meiner Ausbildung gestartet, damals noch in der viel kleineren Volksbank Coesfeld mit rund 130 Mitarbeitenden. Heute sind es mehr als 650. Ich habe mich in all den Jahren kontinuierlich weitergebildet und neue Positionen wahrgenommen, sodass ich sehr an diesem Haus hänge und gar nicht großartig neu motiviert werden musste, dieses Amt zu übernehmen. Jetzt bin ich mittlerweile seit zehn Jahren im Vorstand. Deshalb kann ich auch ganz gut einschätzen, was auf mich zukommt. Wenn man mir aber damals als Azubi gesagt hätte, dass ich einmal Vorstandsvorsitzender werde, hätte ich allerdings wohl gesagt: Niemals. (lacht)
Sie haben mit dem Amt als Vorstandsvorsitzender also schrittweise warm werden können?
Ja, viele Aufgaben sind mir schon bekannt – ob es Pressekonferenzen, Vertreterversammlungen, Vorstandssitzungen oder das Tagesgeschäft sind. Nach zehn Jahren im Vorstand sind mir auch die strategischen und koordinativen Aufgaben bereits bestens vertraut. Mit dem Amt des Vorstandsvorsitzenden rücken diese nun noch stärker in den Fokus. Gleiches gilt für die Repräsentation unserer Bank nach außen – sowohl hier im Westmünsterland als auch zum Beispiel innerhalb unseres Finanzverbundes. Aber das reizt mich auch, weil ich gerne mit Menschen und im Markt unterwegs bin.
Die Volksbank Westmünsterland ist stark gewachsen, zuletzt haben Sie mit der Volksbank Südmünsterland-Mitte fusioniert. Was kommt jetzt?
Unsere Volksbank ist langfristig ausgerichtet, und diese Planung setzen wir fort. Besonders wichtig ist mir, dass wir unsere Funktion für das Westmünsterland weiter ausüben können: als relevanter Akteur der Finanzwirtschaft und als toller Arbeitgeber in der Region. Unsere Positionierung wollen wir zeitgemäß weiterentwickeln – sowohl beim Leistungsspektrum als auch als Arbeitgeber. Denn Größe bringt auch Leistungsfähigkeit und Kompetenz in einzelnen Geschäftsfeldern mit sich.
Wie gelingt es, trotz dieser Größe regional und persönlich zu bleiben?
Größe und Nähe sind kein Widerspruch. Damit das gelingt, braucht es regionale Präsenz und eine dezentrale Struktur, in der Entscheidungen vor Ort getroffen werden können. Wir haben uns klar dazu bekannt, unsere Filialstruktur zu erhalten. In Stadtlohn bauen wir beispielsweise gerade ein neues KompetenzCentrum. Als nächstes werden wir den Standort in Lüdinghausen modernisieren. Gleichzeitig müssen wir weiter an unserer Kultur und unserem Selbstverständnis arbeiten: Unsere Mitarbeitenden sollen gerne vor Ort mit den Kunden zusammenarbeiten. Denn Geschäfte werden durch Menschen gemacht. Das habe ich schon in meiner Ausbildung gelernt und diese Erfahrung bestätigt sich bis heute. Dieser Ansatz zahlt auch auf unsere genossenschaftliche Ausrichtung ein: Wir wollen das wirtschaftliche Leben unserer Mitglieder begleiten und fördern. Gerade das Bankgeschäft lebt von Vertrauen und persönlichen Beziehungen – und der Wunsch danach wird gefühlt größer, je mehr wir uns in einer komplexen, digitalen Welt bewegen.
Ein relevanter Teil Ihrer Kunden sind Unternehmen. Was beschäftigt die Wirtschaft besonders?
Wir erleben eine nicht zufriedenstellende konjunkturelle Situation. Die Wirtschaft wächst nicht so, wie sie wachsen müsste. Es herrscht Stagnation und das schon seit einiger Zeit. Die Investitionsbereitschaft ist generell zu gering, dabei sind Wachstum und Transformationsinvestitionen in neue Technologien wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür braucht es aber Sicherheit über die Zukunftsaussichten – und die fehlt aktuell. Die Unternehmen beklagen häufig zum Beispiel Energiekosten, hohe Bürokratielasten und damit strukturelle Standortnachteile. Viele wünschen sich mehr Bewegung und verlässlichere Rahmenbedingungen. Dennoch – und das ist mir wichtig – steht die Wirtschaft im Westmünsterland vergleichsweise gut da. Unsere Region ist durch diverse Branchen breit und robust aufgestellt. Und hier leben Menschen, die anpacken. Leider geht das manchmal etwas unter. Wir müssen viel stärker darüber sprechen, was uns im Westmünsterland so stark macht und wie wir uns selbst helfen können.
Was kann die Volksbank dazu beitragen?
Wir können unseren Job machen. Im Kern ist das die Kreditversorgung unserer Wirtschaft. Wenn Unternehmen investieren wollen, müssen wir bereit sein, das zu finanzieren. Dazu gehören beispielsweise Investitionen in regenerative Energien oder neue Produktionsstrukturen. Unsere Aufgabe ist, diese Entwicklungen zu begleiten und damit die Region zu stärken. Insbesondere für kleinere Unternehmen wollen wir künftig noch besser erreichbar sein.
Erzählen Sie mal.
Wir möchten im Herbst mit einem neuen Angebot speziell für kleine Unternehmen und Selbstständige starten, die anzahlmäßig die größte Kundengruppe in unserem Firmenkundengeschäft bilden. Unser neues BusinessCenter soll ein zusätzlicher Beratungs- und Anlaufpunkt für die alltäglichen Bankgeschäfte sein – mit einem erfahrenen Expertenteam unserer Bank, das unseren Kundinnen und Kunden kompetent und verlässlich zur Seite steht, und zugleich mit einem hohen Digitalanteil für den alltäglichen Service. Hier sehe ich enormes Potenzial, gerade weil Selbstständige und Kleinunternehmen neben ihrem Tagesgeschäft oft nur wenig Zeit für ihre Bankgeschäfte haben. Da wollen wir sie künftig noch stärker unterstützen.
Wie wichtig sind Digitalisierung und Künstliche Intelligenz für Ihre Bank?
Das eine geht nicht ohne das andere. Unsere Kunden erwarten, dass alltägliche Dinge digital funktionieren und wir über Apps erreichbar sind. Auch Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema. Wir müssen schauen, wo sie wirklich Erleichterung schafft und unseren Mitarbeitenden Arbeit abnimmt. Unser Geschäftsmodell wird aber weiterhin auf persönlicher Beratung beruhen. Wenn es um Baufinanzierung, Altersvorsorge oder große unternehmerische Investitionen geht, sind das komplexe Entscheidungen mit Risiken. Das erfordert Vertrauen und eine persönliche Kundenbeziehung.
Jetzt haben wir viel über Ihre Arbeit geredet. Wo findet man denn den Privatmenschen Matthias Entrup zum Beispiel am Sonntagnachmittag, keine Termine, bestes Wetter?
Ganz unspektakulär: Ich bin gerne mit meiner Frau mit dem Rad unterwegs. Das Westmünsterland ist schließlich eine Region, in der andere Urlaub machen – das lerne ich bei solchen Touren immer wieder zu schätzen. Außerdem sind zwei unserer drei Kinder inzwischen außer Haus. Wenn sie dann mal alle zum Abendessen oder Grillen vorbeikommen, freuen wir uns umso mehr.
Das Interview führte Anja Wittenberg
Info
Matthias Entrup folgt als Vorstandsvorsitzender auf Dr. Carsten Düerkop. Damit hat die Volksbank Westmünsterland frühzeitig die Nachfolge an ihrer Spitze geregelt. Zum Vorstand gehört Düerkop weiterhin gemeinsam mit Henning Henke.