Die Entscheidung erfolge auf Grundlage der vertraglichen Regelungen, heißt es bei der LVM-Versicherung. Man mache vom Rücktrittsrecht Gebraucht, das im Kaufvertrag berücksichtigt sei. Statt des Projektes am Hafen will sich der Versicherer nun auf ein anderes Großprojekt konzentrieren.
Es handelt sich um die Entwicklung eines früheren Klostergeländes direkt am Sitz der Versicherung. „Mit dieser Entscheidung konzentrieren wir uns auf die Entwicklung des Stadtquartiers „Auf der Friedrichsburg" und damit auf das deutlich größere und für uns relevantere Projekt. Wir sind direkter Nachbar des Areals, auf dem ein modernes und urbanes Quartier entstehen wird“, ordnet Reimar Volkert, Vorstand Finanzen, die Entscheidung ein.
Die Umsetzung von Immobilienprojekten sei generell in den vergangenen Jahren herausfordernder geworden. Die Marktbedingungen mit dem einhergehenden Anstieg der Baukosten haben spürbare Auswirkungen auf die Entwicklung von Bauprojekten. Deswegen sei die Fokussierung auf eines der beiden städtischen Großbauprojekte und damit das Stadtquartier Friedrichsburg der richtige Weg für die LVM.
Das Projekt am Stadthafen kommt indes nicht wirklich voran. Der ursprünglich mal geplante Baustart im Jahr 2017 war schnell überholt - seitdem herrschte auf dem weiten Areal Stillstand. Lediglich das benachbarte Projekt Hafenmarkt der Münsteraner L. Stroetmann Unternehmensgruppe wurde zuletzt fertiggestellt - allerdings auch nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen und einem mehrjährigen Baustopp.
Das weitläufige Areal, auf dem früher ein Holzbetrieb stand (OSMO), gehört verschiedenen Investoren, die ihre jeweils eigenen Projekte parallel umsetzen wollten. Doch nachdem zuletzt 2020 ein Rahmenvertrag zwischen Stadt und Investoren geschlossen wurde, kommt der LVM-Rückzug nun zumindest für die Öffentlichkeit überraschend.
Stadt Münster reagiert
Bei der Stadt Münster wolle man die Folgen des vertragskonformen Ausstiegs nun prüfen. Es heißt allerdings in einer Mitteilung:
Die städtebaulichen Ziele für das geplante nutzungsgemischte Quartier ändern sich durch die Entscheidung der LVM nicht. Die Bauleitplanung werde auf Basis der politischen Auftrags- sowie der bestehenden Vertragslagen zwischen den Projektpartnerinnen und -partnern weiter fortgeführt. Die Stadtwerke würden ihren Beitrag dazu leisten, dass das Bebauungsplanverfahren zügig zu Ende geführt und Baurecht für das Grundstück geschaffen werde, so formuliert die Stadt.
Alle Projektpartner arbeiteten weiter an der Finalisierung der Planung und der zugehörigen Fachgutachten. Der wichtigste Verfahrensschritt im Bebauungsplanverfahren, die öffentliche Auslegung der Planungen, sei für das kommende Jahr vorgesehen.