Herr Steinkamp, wann haben Sie eigentlich zuletzt vorm Rechner gesessen und sich über langsames Internet geärgert?
Das passiert immer mal wieder, aber auch immer seltener, insbesondere beim mobilen Arbeiten.
Die Frage kommt auf, weil Wallenhorst eigentlich ziemlich gut aufgestellt ist in Sachen Breitband-Internet.
Eine gute Internetversorgung hat eine große Bedeutung für die Gemeinde, aber auch für die Unternehmen vor Ort. Im Jahr 2022 haben die Gemeindewerke Wallenhorst den Ausbau an die Glasfaser Nordwest vergeben. Für eher unwirtschaftliche Bereiche greifen zudem Fördermittel. Wir haben bereits über 90 Prozent der Haushalte versorgt und mit den letzten zehn Prozent sind wir auch fast durch. Insgesamt gilt: Beim Ausbau der Breitband-Infrastruktur sind wir vorne dabei.
Das zahlt letztlich auch auf das Oberthema Digitalisierung ein, das ohne Internet kaum gelingen kann.
Tatsächlich war die Digitalisierung eines der Topthemen in den vergangenen Jahren und wird uns noch weiter beschäftigen. Vieles ist schon auf dem Weg, wir haben Akten digitalisiert, einen digitalen Posteingang und wir können Dienstleistungen wie Elterngeldanträge, Gewerbean- und -ummeldungen oder Urkundenbestellungen digital anbieten. Es braucht allerdings auch Anreize für Bürgerinnen und Bürger, dieses Angebot wahrzunehmen. Es muss daher noch einfacher werden, digitale Services zu nutzen, aber letztlich ist das auch eine Generationenfrage. Verwaltungsseitig streben wir jedenfalls danach, unsere Angebote stetig auszubauen.
Es passt ein bisschen ins Bild, dass man auf wenig schlechte Nachrichten stößt, wenn man nach „Wallenhorst“ sucht. Ist das wirklich so?
Probleme oder schwierige Themen gibt es immer. Aber tatsächlich ist Wallenhorst insgesamt gut aufgestellt. Wir haben in den vergangenen Jahren viel in Kitas und Schulen, aber auch in Feuerwehr, Straßen und Radverkehr investiert. Da zahlt sich aus, dass wir ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort sind.
Sie sagen „investieren“. Geht das heute noch so einfach?
Auch wir müssen, wie viele Kommunen, auf die Ausgabenseite blicken und Investitionsvorhaben kritisch hinterfragen. Energiekosten oder Personalausgaben sind mit den wachsenden Aufgaben, beispielsweise dem im Bund eingeführten Rechtsanspruch auf die Ganztagsschule, gestiegen. „Den letzten beißen die Hunde“, sagt der Volksmund. Wir müssen solche Dinge hier vor Ort stemmen. Aber wir sind eben in der komfortablen Lage, dass wir bereits vieles umgesetzt hatten. Den Rest bekommen wir auch noch hin. Aber ja, wir sind schon etwas fremdbestimmt und würden uns von Bund und Land eine bessere finanzielle Kompensation wünschen.
Welche Belastungen sehen Sie denn schon am Horizont?
Ein großes Thema wird die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung sein. Der Plan ist bereits erstellt worden. Nun wird die Umsetzung, vor allem die Gewinnung von Betreibern, eine zentrale Herausforderung sein. Derzeit gibt es für Wallenhorst eigentlich nur zwei Systeme: Nahwärmenetze oder Wärmepumpen. Das müssen wir für bereits bestehende Wohngebiete und für Neubauten jeweils genau durchdenken.
Wenn man auf die Karte schaut, sieht man, wie nah das Oberzentrum Osnabrück liegt. Welche Bedeutung hat das für Wallenhorst?
Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Es gibt viele Beziehungen: Wir haben große Pendlerströme von und nach Osnabrück. Davon profitieren auch unsere ansässigen Unternehmen, da Fachkräfte besser zu finden sind. Die Stadt bietet uns weitere kulturelle Angebote und wir sind ein schöner Ort für Naherholung. Das befruchtet sich gegenseitig.
Die Autobahnen 1 und 30 sowie die B 68 tun dabei auch den Unternehmen gut. Aber können Sie denen überhaupt noch mehr Platz bieten?
Wir haben ein großes Gewerbegebiet am Schwarzen See. Das sind 28 Hektar, von denen ein Drittel noch frei ist. Bei der Vergabe achten wir natürlich unter anderem auf den Faktor Arbeitsplätze.
Weil wir von der Wirtschaftsförderung sprechen: Hier gab es zuletzt eine Veränderung.
Das ist richtig. Wir haben im Oktober 2023 Luisa Berlin als Wirtschaftsförderin eingestellt. Sie ist derzeit in Elternzeit, Nils Tiedemann vertritt sie. Grundsätzlich sind wir aber nah dran an den Unternehmen. In Zusammenarbeit mit dem Marketingverein „Wir für Wallenhorst“, einem Unternehmensverbund, fördern wir den Wirtschaftsstandort beispielsweise durch Netzwerkveranstaltungen wie den „Dämmerschoppen“.
Zuletzt wurde die Gemeinde als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet. Jetzt haben Sie sich für das Zertifikat „Ausgezeichneter Wohnort für Fachkräfte“ beworben. Warum?
Zunächst: Ich bin kein großer Freund davon, sich Zertifikate an die Wand zu hängen, nur weil es geht. Aber der Prozess bei solchen Zertifizierungen ist spannend, weil wir prüfen können, wo wir stehen und wo Verbesserungsbedarfe bestehen. Wir können hier mit ÖPNV, Kitas und Schulen punkten. Potenzial haben wir noch bei der Begleitung von Neubürgern, die wir besser abholen und mitnehmen wollen. Dazu planen wir ein spezielles Informationsblatt. Bei der Auszeichnung als Arbeitgeber konnten wir flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, Büroausstattung oder Gesundheitsmanagement in die Waagschale werfen.
Haben Sie noch Ideen oder Wünsche für Wallenhorst?
Ein Herzensprojekt ist in jedem Fall die Entwicklung der „Grünen Wiese“ direkt neben dem Rathaus. Das ist in den vergangenen 20 Jahren nicht gelungen, aber jetzt sind wir auf einem ganz guten Weg.