Das Projekt an der Alten Kornbrennerei gilt in Telgte als Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung und Denkmalschutz miteinander in Einklang gebracht werden können. Das technische Denkmal, das über Jahrzehnte die Altstadt prägte, bleibt erhalten und wird in ein neues Nutzungskonzept integriert. Auf dem Areal entstehen mehr als 40 Mietwohnungen, darunter auch geförderter Wohnraum. Ergänzt wird das Quartier durch gastronomische Angebote sowie kleinere gewerbliche Nutzungen. Ab Mitte des Jahres soll alles bezugsfertig sein.
Besondere Bedeutung kam in Telgte der städtebaulichen Einbindung zu. Die Neubauten orientieren sich in Maßstab, Gliederung und Gestaltung an der historischen Giebelstruktur der Altstadt. Zwischen Stein- und Königstraße entstehen neue Gassenräume und Aufenthaltsbereiche, die die vorhandenen Wegebeziehungen aufnehmen und weiterentwickeln. Die öffentliche Durchwegung bleibt dauerhaft erhalten. Gleichzeitig sorgen begrünte Hofflächen und eine unter dem Quartier liegende Tiefgarage für eine hohe Aufenthaltsqualität und eine effiziente Nutzung der begrenzten Flächenressourcen.
Wohnraum ist Herausforderung
Gerade die Schaffung von Wohnraum gehört zu den größten Herausforderungen der Stadtentwicklung in Telgte. Das frühere Feuerwehrgerätehaus beispielsweise wurde Ende 2025 abgerissen, auch hier wird ein neues Wohnquartier mit gemischten Nutzungen entstehen – und rund 44 Wohneinheiten. „Aufgrund des Verkehrssystems in den engen Straßen der Altstadt haben wir versucht, die Arbeiten so zu steuern, dass die beiden Bauprojekte nicht parallel laufen“, heißt es aus der Verwaltung. Über die aktuellen Projekte hinaus arbeitet die Stadt an der Zukunft ihrer Siedlungsentwicklung. Derzeit wird ein gesamtgemeindliches Entwicklungskonzept erarbeitet, das als Grundlage für die zukünftige Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen dienen soll. Erstmals werden dabei auch die Ortsteile systematisch betrachtet, um deren Entwicklungsperspektiven und ihre Rolle im Verhältnis zur Kernstadt zu definieren, wie die Verwaltung erklärt.
Parallel dazu wird auch das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt neu aufgestellt. Ziel ist es, die historische Altstadt als Handelsstandort dauerhaft zu sichern und zu stärken. Dabei wird untersucht, wie sich Einzelhandel und Nahversorgung künftig räumlich verteilen sollen und welche Funktionen die verschiedenen Versorgungsbereiche übernehmen können. „Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Unterstützung der kleinteiligen Geschäftsstruktur in der Altstadt“, so Jannis Reppenhorst, in der Verwaltung verantwortlich für das Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Neben klassischen Standortfragen spielen auch digitale Sichtbarkeit und moderne Vermarktungsstrategien eine wichtige Rolle. Die Stadt Telgte und die Wirtschaftsförderung unterstützen Händler mit einem Onlinepräsenz-Check. Der „digitale Leerstand“, also die Unsichtbarkeit im Internet, soll behoben werden. Auch das zahlt auf den Standort ein.
Erstellt von Carsten Schulte