Über 7.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zählte Telgte Mitte 2025. „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung vor dem Hintergrund, dass die Arbeitslosenzahlen im Kreis Warendorf um 0,2 Prozent auf 5,7 Prozent innerhalb eines Jahres gestiegen sind“, so Bürgermeisterin Katja Behrendt. Im Fünf-Jahres-Vergleich zum Jahr 2020 hat die Anzahl der Arbeitsplätze in Telgte um 815 (zwölf Prozent) zugenommen, bezogen auf die vergangenen zehn Jahre sind es sogar 1.594 (26,5 Prozent). Im Vergleich zu allen Städten und Gemeinden im Kreis Warendorf belegt Telgte beim Zehnjahresrückblick damit den zweiten Platz. Auch für Wirtschaftsförderer Andreas Bäumer ist also klar: „Die positive Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Telgte hält trotz schwieriger weltweiter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiter an.“
Allerdings: Flächen für Gewerbe und Industrie sind zumindest für den Moment nur begrenzt zu haben, auch wenn der im vergangenen Jahr veröffentlichte Regionalplan perspektivisch durchaus Potenzialflächen aufzeigt. Im Hintergrund liefen bereits Gespräche zwischen Stadtverwaltung, Fachbereichsleitungen und Grundstückseigentümern über mögliche Flächenkäufe, wie Bäumer sagt. „Wir stehen hier aber noch ganz am Anfang des Prozesses.“
Bewegung am Kiebitzpohl
Derzeit ist vor allem im Gewerbepark Kiebitzpohl Bewegung. Vor kurzem wurde der Gewerbepark Kiebitzpohl Nord II mit einer Nettobaufläche von 13.000 Quadratmetern entwickelt. Die Fläche wurde bereits im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens vergeben. In direkter Nachbarschaft zur B 51 kann das Areal mit starker Infrastruktur punkten – und nicht zufällig ist der Kiebitzpohl seit dem Start 1999 mehrfach erweitert worden, zuletzt 2018.
Seit 2006 verfolgt Bäumer die Entwicklung dieses Areals, aber auch die der gesamten Stadt Telgte. Als Wirtschaftsförderer übernimmt er eine wichtige Stabsstelle in der Verwaltung und bearbeitet dabei viele verschiedene Felder. Die klassische Bestandspflege, das Netzwerken mit den heimischen Unternehmen, ist natürlich eine der naheliegendsten Aufgaben. Aber auch ganz allgemein das Standortmarketing, also die Herausforderung, den Standort Telgte über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar zu machen. „Ein drittes Feld ist das Immobilienmanagement“, sagt er. „Dabei geht es nicht nur um die Vermarktung städtischer Gewerbeflächen, sondern auch darum, bestehende leerstehende Immobilien wieder zu aktivieren.“ Neu- und Nachvermietung von Hallen, Büros oder Ladenlokalen sei auch wichtig, um andere Gewerbeflächen freizuhalten.
Zu Bäumers Aufgaben gehört auch das Citymarketing, das gemeinsam mit der Werbegemeinschaft organisiert wird.
Eines der Projekte, das hier heraussticht, ist der Telgter Bon (www.telgte-bon.de). Das Angebot ist seit fast zwei Jahrzehnten eine feste Größe im lokalen Einzelhandel und hat sich als echtes Erfolgsmodell für die Stadt Telgte etabliert, wie Bäumer betont.
Eingeführt wurde der geschäftsunabhängige Gutschein bereits im Jahr 2006 als analoges Zahlungsmittel mit dem Ziel, die Kaufkraft in Telgte zu binden und die örtliche Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Zu den Unterstützern des Projekts zählen lokale Unternehmen wie Aug. Winkhaus, die Sparkasse Münsterland Ost, die Takko Holding und die Volksbank im Münsterland. Über 80.000-mal wurde der Telgte-Bon bisher verschenkt. Im Jahr 2024 wurde der Bon zudem erfolgreich digitalisiert. Mit der Umstellung auf den digitalen Gutschein ging das Projekt einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit, Benutzerfreundlichkeit und zeitgemäßem Einkaufen, ohne dabei seine lokale Identität zu verlieren.
Als gemeinsames Projekt der Telgter Hanse und der Wirtschaftsförderung der Stadt Telgte vereint der Telgte-Bon bis heute Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Handwerk. Aktuell wird der Gutschein von über 60 Einzelhändlern, Dienstleistungs- sowie Handwerksbetrieben sowie in der Gastronomie als Zahlungsmittel akzeptiert und bietet damit verschiedene Einlösemöglichkeiten direkt vor Ort. Im Oktober 2026 feiert er seinen 20. Geburtstag.
Bäumer verweist auch auf ein anderes erfolgreiches Projekt, an dem die Wirtschaftsförderung beteiligt ist: das Telgter Modell. Es handelt sich um ein Netzwerk aus Telgter Unternehmen und Schulen zur beruflichen Orientierung. Seit 2009 existiert eine Onlineplattform, die Unternehmen und Schulen unter einem Dach vereint und miteinander verbindet. Im Rahmen eines Fortbildungstages als Teil des Telgter Modells beteiligten sich zuletzt 33 Telgter Betriebe an einer gemeinsamen Aktion zur beruflichen Orientierung. Sie ermöglichten rund 140 Lehrerinnen und Lehrern des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums und der Sekundarschule an der Marienlinde praxisnahe Einblicke in moderne Arbeitsprozesse, Berufsbilder und Ausbildungswege.
Die Idee dabei: Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig im Unterricht genutzt werden und den Schülerinnen und Schülern realistische Orientierungshilfen für ihre Berufs- und Studienwahl bieten.
Bürgermeisterin Behrendt betont die Bedeutung des Austauschs zwischen Schule und Wirtschaft: „Solche direkten Einblicke stärken das gegenseitige Verständnis und helfen dabei, junge Menschen gezielt auf die Arbeitswelt vorzubereiten.“ Auch Wirtschaftsförderer Bäumer zieht ein positives Fazit: „Der Fortbildungstag hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben für die Fachkräfteentwicklung vor Ort ist.“
Erstellt von Carsten Schulte