2021 ließen Glasche und Wilbert ihr Unternehmen Sounds in Vinyl eintragen, seit Anfang 2023 läuft im Gewerbegebiet des Ortsteils Bahnhof Reken der Betrieb. Für ein sichtbares Firmenschild war noch keine Zeit, das Presswerk verbirgt sich in einer schlichten Industriehalle.
Bis zu zwei Millionen Tonträger möglich
Drinnen wird der Unternehmenszweck sichtbar: Mit drei neu angeschafften Pressen könnte Sounds in Vinyl sicher rund 1,5 bis zwei Millionen Tonträger im Jahr herstellen, so Wilberts Schätzung. „Davon sind wir aber noch weit entfernt“, sagt er. Dass die Maschinen noch nicht ausgelastet sind, habe viele Gründe, wie Wilbert sagt. Die steigenden Energiekosten, die Inflation und eine durchaus spürbare Kaufzurückhaltung beeinträchtigten das Geschäft. Allein der Energieeinsatz mache mittlerweile rund 25 Prozent der Herstellungskosten aus, dabei könne Sounds in Vinyl die Preise aber im Wettbewerb mit anderen Werken nicht in gleicher Weise anheben. Die Kosten belasten auch die eigenen Kunden: „Wir sehen, dass die bestellten Auflagen derzeit kleiner ausfallen. Vor einem Jahr hätten die Labels noch 1.000 Platten bestellt, jetzt sind es eher 600 oder 700“, so seine Einschätzung. Zudem seien die Lager noch gut gefüllt. Branchenweit sei sogar von Rückgängen bis zu 40 Prozent zu hören, berichtet Wilbert aus Gesprächen mit anderen Unternehmen.
Die Anlaufphase sei also durchaus eine Herausforderung, gibt Wilbert zu. Mehr als ursprünglich geplant, sind die beiden Gründer vor Ort in Reken, dabei haben beide noch Hauptjobs. Wilbert betreibt in München eine Booking-Agentur, Glasche hat in Essen ein zweites Standbein mit dem Gothic-Modelabel „Dark Ages“. Neben den beiden ist in Reken derzeit ein Mitarbeiter in Vollzeit angestellt, dazu noch eine Aushilfe. Mittelfristig sei geplant, in einen Zwei-Schicht-Betrieb zu gehen und damit auch den Maschinenpark auszulasten.
Handarbeit gefragt
Von der Carl-Benz-Straße aus beliefert Sounds in Vinyl Plattenlabels in Deutschland, aus dem EU-Raum und sogar aus den USA. Weil sich das Rekener Unternehmen auf das Genre Rock und Heavy Metal spezialisiert, sind die Kunden vor allem kleinere Independent-Label. Ein paar größere Plattenverlage seien zwar dabei, doch die ganz großen Labels ließen ihre Platten bei den großen Presswerken wie Pallas oder Optimal Media herstellen. „Mit denen können und wollen wir finanziell auch nicht mithalten“, betont Wilbert. Etwas mehr Handarbeit ist bei Sounds in Vinyl dagegen gefragt. „Es gibt Maschinen, in denen die fertigen Platten direkt in die Hüllen gelegt werden“, erklärt Wilbert. „Das machen wir nicht, bei uns haben die Platten nach dem Pressen mindestens 24 Stunden Zeit, um abzukühlen und sich zu akklimatisieren.“ Gewellte Scheiben würden so verhindert. Zudem erweitert das Unternehmen stückweise seine eigenen Möglichkeiten. Gerade wurde eine Maschine so umgebaut, dass damit auch „Splatter-Vinyl“ hergestellt werden kann, also Platten mit einem speziellen Muster. „Dafür gibt es derzeit eine große Anfrage.“
Eher überschaubar sei dagegen die Nachfrage nach Platten aus Recycling-Material, die Sounds in Vinyl ebenfalls anbietet. „Ich kann eigentlich nicht nachvollziehen, warum es dafür keinen größeren Markt gibt“, sagt Wilbert. Ein Qualitätsunterschied sei so gut wie nicht vorhanden, doch bisher seien Labels und auch Endkunden nicht wirklich bereit, sich darauf einzulassen.
Auf das Produkt Schallplatte setzen sowohl Wilbert wie auch Glasche unverändert. Wilbert sagt: „Das ist etwas zum Anfassen, zum Anschauen. Einen Stream hört man nebenher, aber erst auf der Platte wird das gesamte Album hör- und sichtbar. Deshalb haben viele Musikfans die Platte wieder für sich entdeckt.“