„Die Zentrumsentwicklung ist überall eine große Herausforderung. Das fängt beim inhabergeführten Einzelhandel und Leerstandsmanagement an und reicht bis zum Veranstaltungs- und Parkraumangebot“, zählt Michael Kramer, Erster Samtgemeinderat und stellvertretender Stadtdirektor in Neuenhaus, auf. Hinzukomme, dass es in der Stadt einen hohen Anteil an denkmalgeschützten Gebäuden gebe – entsprechende Umbauten und Umnutzungen seien demnach herausfordernd.
Ein Beispiel für einen solchen Bereich, der entwickelt werden soll, ist der Neumarkt – eine große, aber wenig attraktive Fläche im Stadtzentrum mit unterschiedlichen Funktionen. „Bislang wird das Areal vor allem als Parkplatz genutzt. Wir möchten daraus aber mehr machen. Der Neumarkt soll zu einem Wohnzimmer von Neuenhaus werden“, erklärt Kramer. Die Aufenthaltsqualität soll also erhöht werden und gleichzeitig soll der Platz flexibel nutzbar bleiben: als Veranstaltungsfläche für Events, als Parkraum und für den Wochenmarkt. „Aufgrund der Nähe zu den umliegenden Schulen mit etwa 2.000 Schülerinnen und Schülern sowie dem neuen Sportzentrum ‚DinkelDuo‘ müssen wir hier auch die Verkehrssicherheit mitdenken“, betont Kramer.
Land Niedersachsen hilft
Klar sei aber auch, dass eine Umgestaltung ohne eine finanzielle Unterstützung durch das Land Niedersachsen nicht möglich wäre. Bereits 2020 ist die Stadt mit Neuenhaus und Lage in Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhorn in das niedersächsische Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen worden. Die rund acht Millionen Euro Fördermittel haben bisher ein Investment von rund 24 Millionen Euro für öffentliche und private Vorhaben ausgelöst. Dazu zählen zum Beispiel das Evangelisch-reformierte Gemeindehaus Veldhausen oder das Gedenk- und Dokumentationszentrum „Günter Frank Haus“ in Neuenhaus. „Diese Einrichtung befasst sich mit dem Schicksal jüdischer Mitbürger in Neuenhaus und der Niedergrafschaft. Es ist ein Stück Erinnerungskultur, aber auch ein Lernort für die Schülerinnen und Schüler. Die Eröffnung hat auch dem Tourismus unserer Stadt einen Schub gegeben“, betont Kramer.
Besucherinnen und Besucher können die Stadt außerdem seit Kurzem auf der 2,8 Kilometer langen Stiegentour buchstäblich erlaufen. 21 Stationen durch den Ortsteil Veldhausen vermitteln dabei Wissenswertes. Auch für Neuenhaus gibt es einen solchen Stiegengang, der auf zwei Kilometern durch den Ortskern vorbei an kleinen historischen Gassen und Gebäuden führt. Multimedial Neues entdecken können Gäste außerdem im Planetarium der Sternwarte Neuenhaus. „Ein Blick durch eines der größten Teleskope Niedersachsens eröffnet den Besuchern der Sternwarte die Weiten des Weltalls“, erklärt Jeannette Braakmann, zuständig für Marketing, Kultur und Tourismus bei der Samtgemeinde. Auch die Themen Wasser und Wind spielen in der Samtgemeinde Neuenhaus eine ganz besondere Rolle: Mit Vechte, Dinkel und Lee durchqueren gleich drei Flüsse die Kommune. Daran erinnern die drei vollständig erhaltenen und voll funktionstüchtigen Wind- und Wassermühlen in Georgsdorf, Veldhausen und Lage.
Dorfentwicklung geht weiter
In Lage soll es nun auch im Rahmen der Dorfentwicklung weitergehen: Dort sollen die Fördergelder für die Umfeldattraktivierung der Dorfbäckerei genutzt werden. „Das ist der einzige Nahversorger im Ort und eine rege Anlaufstelle. Daher wollen wir für das Areal rundherum mehr Aufenthaltsqualität schaffen“, erläutert der Erste Samtgemeinderat.
Auch für die Umgestaltung des Neumarkts in Neuenhaus will sich die Stadt um Fördermittel aus dem Dorfentwicklungsprogramm bewerben. Daher erstellt die Kommune derzeit ein entsprechendes Konzept. „Wir sind aktuell dabei, Ideen für die Umgestaltung am Neumarkt zu sammeln und Anträge zu stellen“, informiert Kramer.
Im Zuge der Innenstadtentwicklung bezieht die Samtgemeinde auch die medizinische Versorgung ein. Die Stadt Neuenhaus hat zusammen mit einem Investor ein großes Gebäude an der Marktstraße errichtet. Im Erdgeschoss sind im Frühjahr zwei Allgemeinmediziner mit einer eigenen Praxis eingezogen. „Für ein Grundzentrum ist es von besonderer Bedeutung, in diesem Bereich gut aufgestellt zu sein. Vor drei Jahren war die Situation noch so, dass wir nur noch vier Allgemeinmediziner in Veldhausen und Neuenhaus hatten, davon standen drei kurz vor dem Ruhestand. Durch Werbung, aber auch finanzielles Engagement ist es uns gelungen, dass nunmehr sieben Allgemeinmediziner angesiedelt sind“, freut sich Kramer.
Anja Wittenberg