Eher etwas offizieller wird die Kooperation „Triple L-T“ überschrieben, ein Wortspiel aus den Initialen der beteiligten Kommunen. In der Vergangenheit haben sich die vier bereits im Bereich der Musikschule, VHS oder in einem Schulzweckverband zwischen Lengerich und Tecklenburg zusammengetan. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaften der vier Kommunen bilden mit den großen Unternehmen vor Ort wie Windmöller & Hölscher (Maschinenbau) oder Bischof & Klein (Verpackungen) unter anderem einen „Steuerkreis Schule/Wirtschaft“, in dem Termine für Berufswahlmessen oder Praktika koordiniert werden.
Längst geht es auch um andere Themen, die gerade für Unternehmen in der Region relevant sind: Um den Breitband-Internetzugang auszubauen, arbeiten die vier Kommunen eng mit dem Kommunikationsunternehmen Teutel, einer Tochter der Stadtwerke Lengerich, zusammen und haben gemeinsam die Teutoburger Planungs- und Dienstleistungsgesellschaft (TPDG) ins Leben gerufen. Zweck des Unternehmens mit Sitz in Lengerich: „Koordinierung des Breitbandausbaus in den alleine durch den Markt unerschließbaren Gebieten der Kommunen Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg“, wie es bei der TPDG heißt. Der Ausbau des Netzes, für den die TPDG Fördermittel eingeworben hat, ist inzwischen flächendeckend abgeschlossen.
Anfang 2023 haben die vier Kommunen einen weiteren Schritt getan und den Startschuss für ein Regionalentwicklungskonzept gegeben, das bewusst die Grenzen der einzelnen Gemeinden und Städte überschreitet. Im Rahmen einer kommunalen Potenzialanalyse sollen nun Stärken herausgearbeitet werden, Handlungsfelder erkannt und Maßnahmen erarbeitet werden. Gefördert wird das Projekt durch EU-Mittel aus dem Leader-Topf, mit dem gerade ländlich geprägte Regionen gefördert werden. Die Fragen lauten: Wie stellt man sich zukunftsfähig auf? Welche Stärken bietet die Wirtschaftsregion?
Sinnvolle Zusammenarbeit
Das gemeinsame Vorgehen ergibt aus Sicht der Beteiligten durchaus Sinn: Gewerbeflächen sind wegen fehlender Grundstücke und aus Gründen des Umweltschutzes begrenzt. Es sei also sinnvoll, gemeinsam Flächen zu ermitteln und zu entwickeln, auch über Ortsgrenzen hinweg, wie Lengerichs Wirtschaftsförderer Niklas Schulte erklärt.
Um das Regionalentwicklungskonzept voranzutreiben, holten die vier Kommunen das Erkrather Büro Matrix an Bord, um Potenziale im Bereich Wirtschaft und Gewerbe, aber auch Wohnen und Tourismus zu ermitteln.
Erste Ideen liegen bereits vor – auch wenn sich diese noch in einem sehr frühen Stadium befinden, wie Schulte sagt. Vorstellbar seien zum Beispiel Projekte zur Förderung von Ausbildung und Auszubildenden durch ein gemeinsames Wohnen in Form eines Campus. Auch die Entwicklung von gemeinsamen Leitlinien für die nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung und -vermarktung oder die interkommunale Mobilitätsplanung könnten die vier Kommunen stärker in den Blick nehmen.
Das Konzeptpapier liegt seit März vor und befindet sich gerade in der ersten Abstimmungsrunde unter den Bürgermeistern, anschließend geht es zur finalen Beratung und Entscheidung in die Kommunalräte. „Das Regionalentwicklungskonzept ist ein innovatives Projekt. Wir sehen hier gute Möglichkeiten für die Triple L-T-Region, um diese im Wettbewerb mit anderen Regionen zu stärken“, sagt Schulte.
Carsten Schulte