Laer

Manfred Kluthe | „Das Rathaus in der Hosentasche“

Manfred Kluthe stammt aus dem Paderborner Land, seit 2014 lebt er mit seiner Familie in Laer. Als parteiloser Kandidat wurde er 2020 erstmals zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt, im vergangenen September dann im Amt bestätigt. Im Interview spricht er über die Gemeinde Laer, die Projekte und Herausforderungen für den Ort und auch über weitere Pläne.

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Herr Kluthe, die Gemeinde Laer: Schön im Grünen, die St. Bartholomäus-Kirche im Ortskern, der Ewaldibach drumherum – das klingt nach Idylle. Im ersten Augenblick denkt man da nicht sofort an KI und Digitalisierung. Trotzdem haben Sie in Laer längst die Weichen gestellt.
(schmunzelt) Warum sollten kleine Gemeinden nicht genauso smart sein dürfen wie große Städte? Digitalisierung ist kein Großstadtthema, sondern betrifft den Alltag aller Menschen. Deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit digitalen Lösungen und auch mit Künstlicher Intelligenz. Mit unserem Chatbot „Laera“ gehen wir einen ersten wichtigen Schritt. Dabei gilt für uns immer: Die Technik soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Unser Ziel ist das „Rathaus in der Hosentasche“ – einfach erreichbar, digital und bürgernah.

Den schnellen Überblick will aber auch die Gemeinde selbst behalten. Gemeinsam mit den Stadtwerken Emsdetten führen Sie ein Projekt durch. Worum geht es dabei?
Wir sind stolz darauf, dass Laer nahezu flächendeckend mit Glasfaser versorgt ist. Darauf bauen wir auf. Gemeinsam mit den Stadtwerken Emsdetten und dem regionalen IT-Dienstleister items  nutzen wir die LoRaWAN-Technologie, um Daten aus dem Gemeindegebiet zu erfassen. Auslöser war unter anderem das Hochwasser in den Jahren 2020 und 2021. Heute messen Sensoren kontinuierlich Wasserstände und helfen bei der Früherkennung kritischer Situationen. Darüber hinaus testen wir weitere Anwendungen, beispielsweise intelligente Müllbehälter oder die Erfassung von Parkplatzbelegungen. Gerade eine kleinere Kommune eignet sich hervorragend für solche Pilotprojekte, weil sich Ergebnisse schnell sichtbar machen lassen.

Digitalisierung, stabiles und leistungsfähiges Internet – das zahlt alles auf den Standort ein. Der wiederum wird auch für Unternehmen attraktiv. Wie ist Laer aus Ihrer Sicht aufgestellt?
Unsere Wirtschaft hat sich als sehr robust erwiesen. Die Unternehmen sind breit aufgestellt, gut vernetzt und haben die Krisen der vergangenen Jahre insgesamt gut bewältigt. Ein wichtiger Schritt war die Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes. Damit setzen wir ein klares Signal an bestehende Betriebe und potenzielle Neuansiedlungen. Hinzu kommen unsere gute Lage im Münsterland, die Nähe zum FMO, Münster und den Niederlanden sowie verfügbare Gewerbeflächen. Aktuell können wir rund 80.000 Quadratmeter neu entwickeln. Das schafft Perspektiven für heimische Unternehmen ebenso wie für neue Investoren.

Die Verbindung zur lokalen Wirtschaft ist dabei ein wichtiges Thema. Wie können Sie das Netzwerk lebendig halten?
Ein zentrales Instrument ist unser Unternehmernetzwerk „Laer bewegt“. Dort kommen Wirtschaft, Verwaltung und Politik regelmäßig zusammen. Beim Wirtschaftsfrühstück informieren wir über aktuelle Entwicklungen und diskutieren Herausforderungen. Zusätzlich besuchen wir im Rahmen von „Laer bewegt on Tour“ Unternehmen vor Ort. So entstehen wertvolle Einblicke und neue Kontakte. Dieses Netzwerk lebt vom Engagement vieler Beteiligter und trägt wesentlich dazu bei, dass die Zusammenarbeit in Laer so gut funktioniert.

Schauen wir auch einmal über die Gemeindegrenze hinweg: Mit Altenberge in der Nähe und Münster nicht weit weg, ist Laer sicher ein attraktiver Ort. Spüren Sie das?
Ja, absolut. Viele Menschen schätzen die Kombination aus ländlicher Lebensqualität und guter Erreichbarkeit der umliegenden Städte. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unseren Ortskern weiter aufzuwerten. Aufenthaltsqualität, attraktive Plätze und gute Freizeitangebote spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger hilft uns dabei enorm.

Haben Sie denn noch Platz für mehr Menschen?
Ja, wir wachsen mit Augenmaß weiter. Durch Nachverdichtung konnten bereits zusätzliche Wohnflächen geschaffen werden. Gleichzeitig entwickeln wir neue Baugebiete. Uns ist wichtig, dass sich neue Gebäude harmonisch in das Ortsbild einfügen. Deshalb achten wir auf eine Gestaltung, die den Charakter unseres Dorfes bewahrt. Neben Einfamilienhäusern entstehen auch Mehrfamilienhäuser und geförderter Wohnraum.

Aus allen Rathäusern im Münsterland hört man die Stoßseufzer über viele Ausgaben, aber zu wenig finanzielle Ausstattung. Wie sieht es in Laer aus?
Die finanzielle Situation bleibt natürlich herausfordernd. Viele Aufgaben werden den Kommunen übertragen, ohne dass die Finanzierung vollständig mitgeliefert wird. Das Land bemüht sich um eine Verbesserung, das Problem ist allen bewusst. Gleichzeitig müssen wir Rechtsansprüche erfüllen und wichtige Infrastruktur erhalten. Besonders im Bereich Straßen und Wirtschaftswege gibt es erheblichen Investitionsbedarf. 

Welche Projekte stehen denn in der Gemeinde noch an?
Die größte Investition in der Geschichte Laers wird der Neubau des Feuerwehrgerätehauses sein. Daneben treiben wir die Erschließung neuer Gewerbeflächen voran, modernisieren die Straßenbeleuchtung mit LED-Technik und investieren in Mobilität und Infrastruktur. Viele dieser Maßnahmen sind auf den ersten Blick nicht immer sichtbar, schaffen aber wichtige Grundlagen für die Zukunft.

Im Bereich Bildung haben Sie schon einiges erledigt. Wie ist Laer bei Kitas und Schulen aufgestellt?
Bildung hat in Laer traditionell einen hohen Stellenwert. Unsere Grundschule mit Offenem Ganztag genießt einen sehr guten Ruf. Hinzu kommen moderne Angebote und eine gut angenommene Mensa. Gleichzeitig investieren wir in neue Kita-Plätze und entsiegeln den Schulhof und gestalten ihn zu einem grünen Lern- und Bewegungsraum um. Damit schaffen wir gute Bedingungen für Familien.

Zum Schluss Ihr persönlicher Tipp: Wer nach Laer kommt, sollte unbedingt welchen Ort besuchen?
Ich empfehle einen Spaziergang von Holthausen über das Bammeltpättken nach Laer und weiter über den Esch Richtung Kapelle und der Oldenburg. Die Oldenburg gehört zu den ältesten Wallburgen der Region. Wer dort unterwegs ist, bekommt ein Gefühl dafür, was Laer ausmacht: Natur, Geschichte und eine besondere Atmosphäre.

Das Interview führte Carsten Schulte 
 

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